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Ostholstein Probesperrung zur LGS erscheint Fraktionen riskant
Lokales Ostholstein Probesperrung zur LGS erscheint Fraktionen riskant
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20:21 08.01.2016

Die Grünen sagen „Ja“, CDU und SPD „Ja, aber“. Über eine mögliche Sperrung von Rosengarten und Schlossstraße — als Versuch, den Durchgangsverkehr aus beiden fernzuhalten — wurde im Stadtentwicklungsausschuss am Donnerstag lange diskutiert. Etliche Einzelhändler (siehe Text unten) meldeten sich ebenfalls zu Wort: Sie fürchten Kunden und Einnahmen zu verlieren. Am 18. Januar gibt es eine Bürgerinformationsveranstaltung (19 Uhr, Sitzungssaal Bauverwaltung), ehe der Ausschuss am 4. Februar eine Entscheidung treffen will, ob es von Ende März bis Ende Oktober einen Testlauf geben wird.

Dieser Zeitraum ist der Grund für das bei CDU und SPD eingeschränkte „Ja“. Übereinstimmend begrüßen beide Fraktionen eine Testphase, halten sie aber, anders als die Grünen, während der LGS für problematisch. „Wir wollen aber die Bürgerversammlung abwarten“, so Sascha Clasen (CDU). Für Jens-Uwe Dankert (FDP) kommt ein Test während der LGS „überhaupt nicht in Frage“, seine Einschätzung des vom Verkehrsplaner Prof. Herbert Staadt erläuterten Konzeptes: „Für mich zu kleinteilig, zum Teil verwirrend.“ Heinz Lange und Malte Tech (beide FWE) ernteten für ihre Beiträge „Einzelparkplätze haben großen wirtschaftlichen Wert“ und „eine Stadt lebt auch von der Anzahl ihrer Parkplätze“ Beifall der anwesenden Geschäftsleute.

Es seien 40 Parkplätze — vier Prozent des bestehenden Stellplatzangebotes —, die durch die Aussperrung des Individualverkehrs aus Rosengarten und Schlossstraße sowie die damit einhergehende Aufhebung der Einbahnstraßenregelung in Stolbergstraße, Lübecker Straße und Albert-Mahlstedt-Straße wegfallen würden, klärte Herbert Staadt auf. Er hatte seine Zuhörer zuvor an den „Freiraumplanerischen und verkehrsplanerischen Realisierungswettbewerb zur Neugestaltung von Teilbereichen der historischen Innenstadt Eutins“ aus dem Juli 2014 erinnert, der unter anderem als Maßgabe hatte, die Aufenthaltsqualität im Rosengarten zu stärken. „Er ist ein Schwerpunkt der LGS, dort befindet sich ein Ausgang, und es wäre schön, den Besuchern von dort den Zugang zur Innenstadt zu erleichtern“, so Staadt. „Aus fachlicher Sicht wäre das ein Argument für eine Testphase während der Landesgartenschau, aber der Termin ist nicht in Stein gemeißelt, er ist eine politische Entscheidung.“ Allerdings wolle auch das ausführende Büro RMP, das den Wettbewerb gewonnen habe, für seine Planungen am Rosengarten wissen, wie die Verkehrsführung dort sein solle.

Das Konzept des Planers erfordert nach seinen Aussagen keine großen Kosten (Zahlen gibt es am 4. Februar). Die Unterbrechung des Individualverkehrs solle an der Ecke Stolbergstraße/Schlossstraße durch eine mobile, vorübergehend aufzustellende Schranke erfolgen (versenkbare Poller seien für eine Testphase zu teuer), Busse und Müllfahrzeuge könnten diese elektronisch bedienen. Zur Erschließung der Anwohnergrundstücke, so erläuterte Staadt, werde der Rosengarten in beide Richtungen geöffnet, was heißt: Am Ihlpohl kann man hineinfahren. Als Wendepunkte innerhalb der Straße führte er die Königstraße und den Kirchhof an.

Dort, wo die Einbahnstraßenregelung aufgehoben werde, seien die Fahrbahnbreiten für das Befahren in beide Richtungen ausreichend, versicherte Staadt. Es müssten im Stadtgebiet nur Markierungen und Beschilderungen ausgetauscht oder erneuert werden. Am Stadtgraben solle eine mobile Insel verhindern, dass Autos aus der Albert-Mahlstedt-Straße bis in die Plöner Straße durchführen. Vom Stadtgraben kommend, werde man nach wie vor rechts und links abbiegen können.

Die teils kritischen Betrachtungen der anderen Stadtvertreter veranlassten Christiane Balzer (Grüne) zu der Bemerkung: „Diese Vorschläge sind unerhört — weil sie einen Systemwechsel bedeuten: Weg vom Auto, hin zu Radfahrer- und Fußgängerfreundlichkeit. Innenstadtbelebung funktioniert nicht über Autoverkehr.“ Da stimmte Herbert Staadt ihr zu: „Das ist ein Streit um Paradigmenwechsel, er wird daher immer emotional geführt.“ ben

Das meinen Geschäftsleute und Bürger
Bestürzt bis entsetzt äußerten sich Einzelhändler und Eutiner zu einer möglichen Sperrung, der damit verbundenen geänderten Verkehrsführung und dem Verlust von Parkplätzen.
Susann Aldrup (Aldrup Schuhe) appellierte eindringlich an die Stadt: „Schaffen Sie uns mehr Parkplätze, möglichst dicht dran an der Innenstadt!“ Sie warf Verkehrsplaner Herbert Staadt auch einen Zahlenfehler vor: „Wer aus dem Rosengarten links abbiegt, muss doch nicht zwingend Richtung Plön oder Malente fahren. Vielleicht ist derjenige ja auf dem Weg zum Stadtgraben, um dort zu parken.“ Der Verkehrsplaner hätte dies durch eine weitere Zählung überprüfen müssen, argumentierte sie. Das sah Taxiunternehmer Sven Petrick genauso.
Knut Ehlers (Sonnenstudio am Rosengarten) nannte es „unabdingbar, dass meine Kunden in Geschäftsnähe parken können, zumal die Hälfte von auswärts kommt“. Große Probleme sah Joachim Bogs (Druckerei Bogs) auf seinen Betrieb zukommen: „Die Anliefer-Fahrzeuge können nicht auf dem Kirchplatz wenden, das ist unmöglich.“
Bevor die Verkehrsführung geändert werden könne, müssten erst weitere Parkplätze geschaffen werden, sagte Thomas Menke (Inhaber der LMK-Einkaufswelt). Er warf Verwaltung und Stadtvertretern vor: „Sie zäumen das Pferd von der falschen Seite auf.“ Als seinerzeit die Peterstraße zur Fußgängerzone umgestaltet worden sei, seien auch zuvor Parkflächen an der rückwärtigen Seite der Geschäfte erstellt worden, erinnerte Jutta Hoth (Brillen Hoth): „Nur deshalb ist die Maßnahme ein Erfolg geworden.“
Thomas Menke mahnte den Ausschuss eindringlich: „Die Einnahmen der Einzelhändler gehen aufgrund der Parkplatznot drastisch zurück. Was Sie vorhaben, ist ein Stadtentleerungskonzept. Wenn das durchkommt, radieren Sie die Innenstadt aus.“ Er forderte außerdem ein „vernünftiges Verkehrsleitkonzept. Wenn wir das haben, müssen wir die Verkehrsführung vielleicht gar nicht so radikal ändern.“
Insgesamt 200 Parkplätze würden durch den Wegfall der Fläche am Schloss und die weiteren Umsetzungen beim Zustandekommen der Testphase fehlen, rechnete Detlef Zinn (Dr. Pistor) vor. Gleichzeitig erwarte Eutin zur Landesgartenschau 600000 Besucher. „Wenn diese Planung durchgezogen wird, werden wir noch mehr Schließungen von Geschäften erleben“, prophezeite er. Einen „Verdrängungsprozess“
des Verkehrs in die Elisabeth- und die Bahnhofstraße befürchtete Bernd Herrmann aus der Riemannstraße.
Als völlig falsch erachteten sowohl Thomas Menke als auch Regine Jepp (Bürgergemeinschaft Eutin) einen Probelauf während der LGS. „Da ist hier Ausnahmezustand. Der Test liefert Daten, die nicht aussagekräftig sind“, so Jepp. Menke sprach von einer „a-typischen Situation. Das muss zu einer normalen Zeit sein“, forderte er, und: „Wenn der Einzelhandel nach vier Wochen SOS funkt, muss der Test eventuell abgebrochen werden.“ ben

LN

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