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Ostholstein Problemloses Surfen für alle
Lokales Ostholstein Problemloses Surfen für alle
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21:12 07.04.2017
Minne Heuer vom Kreis Ostholstein, Volker Hein (Stadt Eutin), Myriam Siems (Amt Oldenburg Land) und Thomas Jeck (Kreis) lassen sich von Christian Stephan (von links) die Aufgaben eines Webmaster für barrierefreie Internetauftritte erklären. Quelle: Foto: Peyronnet

Seit Herbst 2016 ist ganz oben auf der Kreis-Webseite www.kreis-oh.de ein kleines Rechteck mit einem stilisierten Blatt Papier und einem kleinen Lautsprecher zu sehen. „Vorlesen“ steht daneben, und wer den Knopf anklickt, bekommt genau das, was draufsteht: Die jeweils angezeigte Seite wird ihm vorgelesen.

Die Einführung des Vorlese-Knopfes war nur ein kleiner Schritt auf einem weiten Weg. Das Ziel heißt barrierefreies Internet. Ob stark sehbehindert oder blind, gehörlos (wichtig bei Podcasts oder Videos) oder motorisch eingeschränkt – jeder soll das Webangebot von Kreisen und Gemeinden nutzen können. Das ist keine freiwillige Aufgabe, sondern eine Pflicht laut EU-Richtlinie über den barrierefreien Zugang zu Websites und mobilen Anwendungen öffentlicher Stellen. Doch wie ist das zu erreichen und was ist dabei zu bedenken?

Ostholstein ist Modellregion beim bundesweiten Projekt „Bik für alle – Barrierefreiheit im Internet für Kommunen und soziale Organisationen“. Im November 2016 wurde ein Kooperationsvertrag mit der Firma Dias GmbH geschlossen. Die Dias-Mitarbeiterinnen Heike Clauss und Simone Lerche kamen jetzt ins Eutiner Kreishaus, um Vertretern von Kreis und Kommunen zu zeigen, wie Surfen ohne Einschränkungen funktioniert und was dazu aufseiten der Online-Redakteure in den Verwaltungen beachtet werden muss.

„Link: Warum Barrierefreiheit? Link: Barrierefreiheit umsetzen“ schnarrt die Stimme aus dem Laptop. Sie sagt das Wort „Link“ immer dazu. Dass es gerade um einen Verweis (Link) auf eine andere Internetseite geht, kann ein Blinder nicht sehen. Der Screenreader, also der Bildschirmvorleser, erzählt viel mehr, als der normale Nutzer braucht, er beschreibt zum Beispiel Bilder – sofern der Textmaster eine Bildbeschreibung eingegeben hat. Vor allem aber liest die synthetische Screenreader-Stimme abgehackt und fast unverständlich. „Ein Blinder hört in einem viel höheren Tempo“, berichtet Simone Lerche. „So wie wir Texte quer lesen, hört er Texte diagonal.“ Die Barrierefreiheit, erklärt Lerche, ist für viel mehr Menschen wichtig, als man gemeinhin glaubt. „Jeder fünfte Deutsche über 14 Jahren hat Höreinschränkungen.“

Heike Clauss ergänzt, dass es gar keine Behinderung sein muss, die barrierefreie Webseiten notwendig macht. So könnten oft ältere Menschen die Maus nicht so gut nutzen, weshalb barrierefreie Seiten ohne Maus nutzbar sein müssen. Was die Autoren der kommunalen Websites beachten müssen, darüber informierte Christian Stephan vom Content-Management-System Ikiss der Lübecker Firma Advantic. Sein Thema: Wie barrierefrei schreiben? „PDF, DSL, Tüv, das alles ist nicht barrierefrei“, berichtete Stephan seinen Zuhörern. Die Abkürzungen müssten erklärt werden. Stephan beschrieb ebenfalls, was bei einfacher Sprache zu beachten ist. Barrierefreiheit ist also mehr, als sich eine Seite vorlesen zu lassen.

Susanne Peyronnet

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