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Projekt Gesundheitscampus hat sich für Eutin erledigt

Eutin Projekt Gesundheitscampus hat sich für Eutin erledigt

Den geplanten Gesundheitscampus wird es in Eutin nicht geben. Einen Tag nachdem der Stadtentwicklungsausschuss ihm vor einer weiteren Beratung Bedingungen diktiert hatte, zog „A-K-tiv“-Inhaber Thomas Hüstreich die Konsequenzen aus der für ihn ernüchternden Sitzung.

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Seit 17 Jahren ist Unternehmer Thomas Hüstreich (l.) in Eutin ansässig. Hier erläutert er beim Ortstermin seine Pläne.

Quelle: Fotos: Benthien

Eutin.  „Ich habe mich vorgeführt gefühlt, bin menschlich enttäuscht“, erklärte er gestern. Er werde diesen Menschen, die keine Wertschätzung für ihn übrig hätten, nichts mehr vorlegen. Eutin sei für ihn abgehakt, er halte jedoch an seinen Plänen fest, für die er Angebote aus zwei anderen Städten in Schleswig-Holstein habe.

LN-Bild

Unternehmer Thomas Hüstreich zieht bitteres Fazit nach Ausschusssitzung.

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Ulrike Benthien zur Sitzung des Eutiner Stadtentwicklungsausschusses

Auch sein Berater Uwe Döring, ehemaliger SPD-Justizminister im Land, wolle mit dem Gesundheitscampus im Norden bleiben. Sie planen mit der Stadtparkviertel-Entwicklungsgesellschaft, deren Geschäftsführer Hüstreich ist, überregional ausgerichtete Therapie- und Gesundheitszentren. Diese beinhalten selbstbestimmtes, altersgerechtes Wohnen sowie die Fort- und Weiterbildung von in Gesundheitsberufen Beschäftigten, die ebenfalls auf dem Campus leben.

Für sein Betriebsgrundstück in der Eutiner Ohmstraße hatte Hüstreich auf eine Änderung des Bebauungsplans gesetzt. „Wir sind kein Fitness-Center, sondern haben uns zur medizinischen Trainingstherapie hin verändert.“ Er strebe mit seinem Campus eine Mischung aus 60 Prozent Gewerbe und 40 Prozent Wohnen an, hatte er dem Ausschuss erläutert. Mit den umliegenden Betrieben habe er gesprochen, für die Nachbarschaft stelle sein Vorhaben kein Problem dar.

Das wollte allerdings die Egoh (Entwicklungsgesellschaft Ostholstein) so nicht gelten lassen. Sie betrachte den Campus eigentlich schon heute als Wohn-, nicht als Mischgebiet, führte Geschäftsführer Claus-Peter Matthiensen aus. Wenn sich das therapeutisch-gewerbliche Gebiet nicht durchsetze, auf dem Campus vermehrt gewohnt würde, entstehe ein noch höherer Schutzanspruch. Im Umkehrschluss bedeute das, dass sich Gewerbebetriebe womöglich einzuschränken hätten.

Schallgutachter Knut Rasch (Akustik Labor Nord) bestätigte in seinem Vortrag zwar, dass durch eine Kombination von Gebäudeanordnung, geschicktem Grundriss und ergänzenden Vorhangscheiben an den Fenstern der Wohnhäuser der befürchtete Konflikt lösbar sei. „Wohnen und Gewerbe sind so ohne Einschränkung umsetzbar“, versicherte der Gutachter auf Nachfrage.

„Die Fachargumente des Gutachters haben nicht gezählt“, bedauerte Thomas Hüstreich. In der Tat zeigten sich einige Ausschussmitglieder äußerst kritisch. Kein Investor hat sich wohl bislang in Eutin fragen lassen müssen, was er zu tun gedenke, sollte er in einigen Jahren pleite sein. „Wenn der gewerbliche Teil wegbricht, bleibt nur Wohnen – und eine Ruine“, sah auch Bauamtsleiter Bernd Rubelt düster in die Zukunft.

Ältere Menschen, die an den Stadtrand gedrängt würden, bekümmerten Karlheinz Jepp (SPD) und Matthias Rachfahl (CDU). Letzterer und Fraktionskollege Sascha Clasen spielten gleich zweimal Claus-Peter Matthiensen den Ball zu, ohne dass die Sitzung unterbrochen wurde. Der selbsternannte „Anwalt des Gewerbes“ billigte Unternehmer Hüstreich zu, „sehr engagiert“ zu sein, aber „jetzt bekommt er seine Hausaufgaben“: „Er muss Ihnen ein detailliertes, schlüssiges Konzept und eine sichergestellte Finanzierung vorlegen.“

Ergänzt um die Forderung eines Nachweises, dass der Campus auch ohne Eigentumswohnungen bestehen könne, endete die Diskussion. „Wir wollen ja nicht von vornherein ablehnen, sondern eine positive Grundhaltung zeigen, um das Projekt nicht sterben zu lassen“, hatte Heinz Lange (FWE) betont. Das kam so offenbar nicht an.

Ein schaler Beigeschmack

Es mag gute Gründe gegen den Gesundheitscampus gegeben haben. Die Aussprache über das Projekt barg allerdings Befremdliches. Schon dass der Stadtentwicklungsausschuss in den Räumen der Egoh tagte, die sich vehement gegen den Campus in der Ohmstraße sträubte, war instinktlos.

Dass sich ein langjähriger, erfolgreicher Unternehmer, der sich in Eutin engagieren und investieren wollte, mehrfach unterstellen lassen musste, er könne ja in ein paar Jahren pleite gehen: ohne Worte.

In der Diskussion waren sich CDU-Vertreter nicht zu schade, sich zum Stichwortgeber für Egoh-Geschäftsführer Claus-Peter Matthiensen zu machen. Der wiederum gab Campus-Planer Thomas Hüstreich oberlehrerhaft mit, „er bekommt jetzt seine Hausaufgaben“. Als er dem Gremium dann noch auftrug, was dieses fordern sollte – gesicherte Finanzierung, schlüssiges Betriebskonzept – wurde es selbst dem Vorsitzenden Heiko Godow zu heftig: Das nehme der Ausschuss schon selbst in die Hand.

Fast wortgleich machten sich auch – die für einen ganz anderen Tagesordnungspunkt geladene – Stadtplanerin Gabriele Teske und Bauamtsleiter Bernd Rubelt die Argumentation des Wirtschaftsförderers zu eigen. Matthiensens „Vorschlag“ mündete letztlich in einen einstimmigen Beschluss.

Ein Heimsieg für die Egoh – aber einer mit schalem Beigeschmack. Andernorts werden Investoren rote Teppiche ausgerollt. Eutin neigt dazu, sie zu vergraulen. Auch das verbreitet sich weit über die Stadtgrenzen hinaus – nachhaltig.

 Ulrike Benthien

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