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Ostholstein Provozierende Ausstellung in der Timmendorfer Trinkkurhalle
Lokales Ostholstein Provozierende Ausstellung in der Timmendorfer Trinkkurhalle
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20:15 14.09.2013
„Earth“ heißt das gewaltige Triptychon, das die gefesselte Mutter Erde zeigt. Zehn großformatige Werke stellt der Künstler Rolf Ohst in der Galerie von Anja Es in Timmendorfer Strand aus. Quelle: Fotos: S. Latzel

Die Bilder sind noch gar nicht richtig ausgepackt, da locken sie schon die ersten Neugierigen in die Timmendorfer Trinkkurhalle. Vielleicht nicht unbedingt wegen ihrer Ästhetik — denn das, was der Maler Rolf Ohst ausstellt, sind dicke Frauen, fette Frauen, nackt und teilweise in erschlagend großen Formaten dargestellt. „Hautnah — weiblicher Akt und mehr“ heißt die Ausstellung, die vermutlich einige Gemüter bewegen wird.

„Diese Bilder sind ein Ausdruck unserer Zeit“, sagt Rolf Ohst. „Sie stehen für Maßlosigkeit, Gier, Wollust und Kontrollverlust.“ Haut male er gern, sagt der Berliner Künstler, „alles Fleischliche“, und das glänzend, speckig und mit brutaler Detailtreue. „Das Bild muss gesprengt werden“, nennt er einen weiteren Grund, extrem übergewichtige Frauen zu zeigen. „Natürlich polarisiere ich mit den Bildern. Darüber sind schon Freundschaften zerbrochen, und Feministinnen hassen mich, finden mich pervers.“

Zehn großformatige Bilder — das Triptychon „Earth“, das die gefesselte „Mutter Erde“ zeigt, misst in der Breite 6,40 Meter — hat Ohst nach Timmendorfer Strand gebracht. Hinzu kommen zahlreiche kleinere Werke, die nicht ausschließlich dicke Nackte als Motiv haben, und zwei Skulpturen. Trotzdem werden Letztere sicher im Mittelpunkt des Interesses stehen, glaubt die Galeristin Anja Es: „Diese Ausstellung berührt extrem und wird für Aufsehen sorgen. Die Reaktionen reichen von Begeisterung und Faszination bis zu Ekel und Abwehr.“

Die Provokation mache die Bilder ja gerade aus, so Anja Es. „Wobei sich die Frage stellt, worüber genau man sich eigentlich aufregt. Weil mal statt eines magersüchtigen ein fresssüchtiges Model gezeigt wird? Weil dicke Frauen nicht kunstwürdig sind? Weil es unsere Gier und das Übermaß, mit dem wir konsumieren und in uns hineinfressen, berührt?“

Alles könne schön sein, meint Rolf Ohst, deswegen seien „seine“ Frauen eben nicht unbedingt hässlich. „Mir liegt aber durchaus etwas daran, Schattenaspekte, das Skorpionische zu zeigen.“ Dass sich die Werke nicht leicht verkaufen lassen, wundert ihn nicht. „Die meisten Menschen mögen vermeintlich hübsche Sachen.“ Die habe er früher auch gemalt, „Landschaften, Tiere, alles Mögliche — aber jetzt male ich das hier“. Es sei allerdings schwer, dicke Frauen zu überreden, für ihn Modell zu stehen, „die denken oft, dass ich spinne“. Dicke Männer malt Rolf Ohst gar nicht. Seine Begründung: „Der Schlüssel zur Sexualität ist die Frau.“

Gewichtig und aufregend
Die Ausstellung „Hautnah — weiblicher Akt und mehr“ wird am heutigen Sonntag in der Trinkkurhalle von Timmendorfer Strand eröffnet. Die Vernissage beginnt um 11 Uhr, Anja Es und Rolf Ohst werden dabei sein. Angekündigt ist Musik sowie ein „gewichtiges und im wahrsten Sinne aufregendes Ereignis“. Die Bilder werden bis Mitte November gezeigt, geöffnet ist dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr.

Sabine Latzel

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