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Ostholstein Prozess: Stalker wollte angeblich Ex-Freundin in die Luft sprengen
Lokales Ostholstein Prozess: Stalker wollte angeblich Ex-Freundin in die Luft sprengen
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12:05 10.10.2012
Die Rechtsanwälte Stefan Kruber und Brigitt Lüeße (r.) mit der Nebenklägerin Sabine M. im Kieler Landgericht. Quelle: dpa

Mit Morddrohungen, Brandanschlägen und Verleumdungen im Internet soll ein 37-jähriger Stalker seiner Ex-Freundin das Leben zur Hölle gemacht haben. Staatsanwalt Torsten Holleck legte dem einschlägig vorbestraften Mann heute in Kiel zweifachen Mordversuch und Vorbereitung eines Sprengstoffanschlags zur Last.

Die Anklage vor dem Kieler Landgericht lautet auch auf Stalking mit Todesfolge. Der Feinmechaniker sei auch für den Tod eines 24-jährigen Mannes aus dem Umfeld seiner Ex-Freundin verantwortlich, sagte Holleck zum Prozessauftakt. Der junge Mann starb an einem Mix aus Beruhigungsmitteln, nachdem er durch die Nachstellungen und Bedrohungen des Angeklagten in Angst und Schrecken versetzt worden war.

Der Terror des Angeklagten traf seine Ex-Freundin, eine Kieler Studentin, nach der Trennung mit voller Wucht. Ihre Lebensgestaltung war schwer beeinträchtigt. Sie zog mehrfach um, um ihm zu entkommen, ging nicht mehr ohne Begleit- und Schutzpersonen aus dem Haus. Sie leidet noch heute an Alpträumen und Panikattacken, kann ihr Studium nicht fortführen.

Laut Anklage bedrohte der 37-Jährige sie und ihre Freunde immer wieder. Zwei Mal im Mai 2011 versuchte er nachts das Haus ihres Lebensgefährten in Brand zu setzen und so „heimtückisch und mit gemeingefährlichen Mitteln zu töten“. Ein Großfeuer mit möglichen Opfern wurde nur verhindert, weil der Brand beide Male frühzeitig von Zeugen entdeckt wurde.

Außerdem soll der Angeklagte ein Sprengstoffattentat auf die Kieler Studentin vorbereitet haben. Der 37-Jährige hatte sich laut Anklage schräg gegenüber der Wohnung seiner früheren Freundin einquartiert und dort eine Bombe samt Zünder gebaut. „Ab Mitte Mai 2011 hatte der Angeklagte den festen Entschluss, sie mit dem Sprengstoff zu töten“, sagte der Staatsanwalt. Um die hochexplosiven Stoffe zu bergen, mussten damals zwölf Häuser mit 50 Bewohnern evakuiert werden.

Der von Eifersucht und Hass getriebene Angeklagte besuchte die junge Frau trotz Kontaktverbots zu Hause und am Arbeitsplatz, observierte sie, attackierte sie körperlich, terrorisierte sie mit SMS und Anrufen, so die Anklage. Er zerstach laut Anklage serienweise Autoreifen. Er drohte mit Selbstmord, um sie zur Fortsetzung der Beziehung zu zwingen. Er drohte auch: „Wir müssen reden, sonst bringe ich Dich um oder einen Deiner Freunde“, schilderte der Staatsanwalt. Laut Anklage hackte der einschlägig vorbestrafte Stalker auch die Konten der jungen Frau bei sozialen Netzwerken, verbreitete intime Fotos mit falschen Daten, stellte Grabsteine ins Internet.

Der Mann wurde nach der Entdeckung seines Sprengstoff-Labors wenige Tage später in Mecklenburg-Vorpommern von einem Sondereinsatzkommando festgenommen. Er saß vorübergehend im Hochsicherheitstrakt in Lübeck, weil in seiner Zelle eine scharfe Patrone gefunden worden war.

Der Rückfalltäter musste bereits 2008 ins Gefängnis, weil er einer Eutiner Polizistin, in die er verliebt war, über Monate mit Peilsendern, Überwachungskameras und Morddrohungen nachgestellt hatte. Die Staatsanwaltschaft klagt insgesamt 36 Taten an, darunter Nachstellung, Nötigung, Bedrohung, Körperverletzung, Freiheitsberaubung und Sachbeschädigung.

Der 37-Jährige äußerte sich am ersten Verhandlungstag nur zu den Vorwürfen der Sachbeschädigung. Reifen will er in keinem der angeklagten Fälle zerstochen haben: „Ich bin es nicht gewesen, ich war auch nicht da“, wiederholte er fast stereotyp.

Der Angeklagte wurde in Schwerin geboren. Die Mutter war 19, den Vater kannte er nicht. Er galt als schwieriges, aggressives Kind, wurde früh straffällig, kam immer wieder in Heime.

Dem Angeklagten droht jetzt eine mehrjährige Haftstrafe. Im Prozess könnte es auch um die Frage der Sicherungsverwahrung gehen. Bisher wurden 13 Verhandlungstage anberaumt. Insgesamt sind 70 Zeugen geladen. Die junge Frau und die Mutter des Toten sind in dem Verfahren Nebenklägerinnen. Die Studentin soll am dritten Verhandlungstag aussagen.

dpa

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