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Prozess um Kabelhorster Mord: Lebenslang für die Ehefrau

Kabelhorst/Lübeck Prozess um Kabelhorster Mord: Lebenslang für die Ehefrau

Am Mittwoch war die Urteilsverkündung am Lübecker Landgericht. Die Richter sehen keine strafmildernden Umstände. Der Verteidiger glaubt allerdings an „gute Gründe für eine Revision“.

Die Angeklagte Eunice W. ist des Mordes schuldig gesprochen worden.

Quelle: dpa

Kabelhorst/Lübeck . Das Urteil: lebenslange Haft für die Ehefrau des getöteten Kabelhorster Familienvaters. Die I. Große Strafkammer des Lübecker Landgerichts ist damit dem Antrag der Staatsanwaltschaft gefolgt. Die Tat sei als Mord zu werten, es lägen keine strafmildernden Umstände vor. Die Verteidigung hatte für eine milde Strafe plädiert. Sie kann binnen einer Woche gegen das Urteil Revision einlegen. Laut Rechtsanwalt Stefan Tripmaker gibt es dafür „gute Argumente“.

Man könne das, was geschehen ist, „nicht in ein milderes Licht rücken“, sagte Richter Christian Singelmann, Vorsitzender der Kammer, gestern in einer ausführlichen Urteilsbegründung. Die 43-jährige Frau mit afrikanischen Wurzeln hatte ihren Mann im Herbst 2015 mit zahlreichen Messerstichen getötet (die LN berichteten). Es könne „nicht ernsthaft zweifelhaft“ sein, dass sie vorsätzlich gehandelt habe, sagte Singelmann. Sie habe das größte und schärfste ihrer Fleischmesser aus der Küche geholt und ihrem Mann etliche Stich- und Schnittverletzungen zugefügt, während dieser schlief oder zumindest ruhte. „Er hatte keinerlei Chance“, so das Fazit des Richters.

Die Kabelhorsterin möge ihren Entschluss in der besagten Nacht spontan gefasst haben, so Singelmann, dennoch habe sie planvoll gehandelt. „So sieht keine Affekttat aus“, konstatierte er mit Blick darauf, dass die Ehefrau nach der Tat versucht hatte, ihre Spuren zu verwischen. Zunächst hatte sie sogar Dritte beschuldigt, ihren Mann umgebracht zu haben.

Die Aussagen der Angeklagten bezeichnete Singelmann generell als „schon äußerst bemerkenswert“. Auffällig waren vor allem ihre ständig wechselnden Angaben während der Verhandlungen, von denen sie später selbst viele als Lügen zurücknahm – etwa, ihr Mann habe sie betrogen.

Insgesamt habe sich vor Gericht das Bild einer gescheiterten Ehe aufgetan, fasste Singelmann zusammen, nicht aber von einer „Ehe-Hölle“. Es habe keinerlei Anhaltspunkte dafür gegeben, dass der Vater seine Frau oder die beiden gemeinsamen Söhne – sie sind seit der Verhaftung ihrer Mutter in einer Pflegefamilie untergebracht – körperlich misshandelt habe. Die Behauptung der Ehefrau, ihr Mann habe kurz vor seinem Tod versucht, eines seiner Kinder zu ersticken, hielt das Gericht für abwegig. Alles spreche dafür, dass der Kabelhorster seine Söhne geliebt habe. Das Gleiche gelte im Übrigen für die Mutter, weshalb die Strafkammer auch davon ausging, dass die Söhne – anders als von der Frau behauptet – zum Tatzeitpunkt nicht mit im Elternschlafzimmer waren. „Nichts spricht dafür, dass eine Mutter eine solche Tat begeht, wenn ihre Kinder mit im Raum sind“, erklärte Singelmann.

Dass die 43-Jährige zum Tatzeitpunkt nicht bei vollem Bewusstsein war, schloss das Gericht aus. Auch habe sie sich keineswegs in einer für sie ausweglosen Situation befunden, aus der sie sich nicht anders zu befreien wusste. Zwar habe die Angeklagte vor Gericht jeden Blickkontakt vermieden, dennoch habe die Kammer sie als „hellwache, bestimmt auftretende Frau“ erlebt. Sie habe keineswegs den Eindruck gemacht, dass sie sich nicht zu helfen wisse. Eine ähnliche Einschätzung hatte auch die psychiatrische Sachverständige geliefert. Ihr hatte der Verteidiger zuletzt „mangelnde Sachkenntnis“

unterstellt, was Singelmann entschieden zurückwies. Es dränge sich der Verdacht auf, „dass das Ergebnis des Gutachtens dem Rechtsanwalt nicht gepasst hat“, kommentierte er den Einwand der Verteidigung.

Die Kabelhorsterin nahm das Urteil ohne sichtbare Reaktion zur Kenntnis. Laut Rechtsanwalt Tripmaker war sie „darauf vorbereitet, dass es so kommen könnte“. Er empfehle seiner Mandantin jedoch dringend, das Urteil anzufechten. Er sehe „gute Erfolgsaussichten dafür, dass die Strafe in dem Fall nach unten korrigiert wird“.

Jennifer Binder

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