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Ostholstein Puttgarden: Frühere Schule wird für Asylbewerber umgebaut
Lokales Ostholstein Puttgarden: Frühere Schule wird für Asylbewerber umgebaut
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20:16 21.01.2016
Fensterputzen: Christian Lüke reinigt die Glasscheiben an der großen Eingangstür. Jahrzehntelang gehörte sie für viele Generationen an Grundschülern zum Schulweg.

Im Endspurt befinden sich die Handwerker in Puttgarden. Denn für die einst nördlichste Grundschule in Ostholstein, die im Sommer 2012 geschlossen wurde, beginnt im Februar eine neue Ära. Die Stadt Fehmarn richtet hier, ganz nah am „Tor zum Norden“, eine Unterkunft für Asylbewerber ein. In den ehemaligen Klassenräumen soll Platz für bis zu 45 Flüchtlinge entstehen.

„Der Umbau ist bis auf Restarbeiten fertig. Ende des Monats folgt die Grundreinigung, danach können die Möbel aufgebaut werden“, bestätigt Bürgermeister Jörg Weber (SPD) auf LN-Anfrage. Für die Inselkommune ist die Maßnahme in Puttgarden, für die rund 120000 Euro veranschlagt werden, einer von vielen Mosaiksteinen, um die Asylbewerber unterzubringen, die ihr vom Kreis Ostholstein zugewiesen werden.

Bislang liegt die Stadt Fehmarn noch deutlich unter der Zahl von 250, die sie eigentlich bis Ende 2015 hätte erfüllen müssen. Der zweite Neubau im Burger Eschenweg, der im November fertig wurde, und der Umbau in Puttgarden wurden vom Kreis Ostholstein berücksichtigt. Aber: Die alten Quoten bleiben und werden zusätzlich zu den neuen Quoten ins neue Jahr übernommen (siehe die aktuellen Zahlen im Extra-Artikel).

Tatsächlich ist die Stadt Fehmarn bislang jedoch ganz gut durch den Winter gekommen, Denn noch sind, befristet bis Mitte Februar, im Schnitt über 70 Asylbewerber in der Burger Jugendherberge untergebracht. Doch bald beginnt dort die neue Saison, so Weber. Gleiches gilt die für die DLRG-Unterkunft in Burgtiefe, die ebenfalls nur befristet genutzt werden kann.

Die Zahlen ändern sich fast täglich. Derzeit verteilen sich die vom Kreis Ostholstein zugewiesenen Asylbewerber wie folgt: 102 leben in privaten Gebäuden, 63 in öffentliche Gebäuden. Diese aktuellen Zahlen nannte gestern Kurt-Henning Marten, der seit Ende 2015 Asylkoordinator der Stadt Fehmarn ist. Eine genaue Auflistung der genutzten Immobilien gibt es von Seiten der Stadt aber nicht.

Bekannt ist, dass etliche Asylbewerber in Vadersdorf in Ferienwohnungen untergebracht sind. Außer in Puttgarden ist, so Weber, ein Teil-Umbau in der ehemaligen Schule Petersdorf angedacht. Ferner ist es kein Geheimnis, dass Verhandlungen über das ehemalige Evangelische Freizeitheim Martini in Albertsdorf, das zuletzt von der Berliner Stadtmission betrieben wurde, laufen. Weiterhin gibt es Grundstücksverhandlungen mit dem Bund über ein Areal an der Gorch-Fock-Straße. Hier wartet die Stadt aber auch noch ein Lärmgutachten ab.

Unverändert gesucht wird weiterer privater Wohnraum — zu bezahlbaren Preisen. Ansprechpartner hierfür sind neben Asylkoordinator Marten die Gleichstellungsbeauftragte Monika Vahlenkamp. Wichtig ist es für Bürgermeister Weber, eine „Ghettoisierung“ zu vermeiden. Deshalb wird, mit starker Rückenstärkung der Stadtvertreter, kein weiterer Neubau am Eschenweg verfolgt. Bislang seien die Erfahrungen überwiegend positiv. „90 bis 95 Prozent wollen sich integrieren lassen, aber auch arbeiten“, weiß Weber, dass die Chance auf Beschäftigung begrenzt sei.

Klar bezog er in dieser Woche beim Neujahrsempfang des Seniorenbeirates Position zu Vorfällen wie in Köln oder Hamburg: „Wer vorm Krieg flüchtet, hat kein Recht, hier Streit anzufangen. Wenn es sein muss, rufen wir die Polizei.“ Marten betont zugleich: „Es gibt ein großes ehrenamtliches Engagement vieler Bürger, die daran nichts verdienen wollen.“

Aktuelle Zahlen
180 Asylbewerber leben derzeit auf Fehmarn (ohne unbegleitete Minderjährige). Davon rechnet der Kreis 165 als aktuelle Zuweisungen an, denn einige stammen noch aus früheren Jahren.



388 Asylbewerber lautet die Gesamtaufnahmequote, die Fehmarn einschließlich 2016 erfüllen muss. Das bedeutet: Derzeit muss noch mit 223 Zuweisungen gerechnet werden.

Gerd-J. Schwennsen

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