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Ostholstein Ralf Stegner: Von Wettschulden, der Fliege und CDU-Wohlwollen
Lokales Ostholstein Ralf Stegner: Von Wettschulden, der Fliege und CDU-Wohlwollen
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23:30 01.03.2016
„Ich habe mit dem Buch absolut nichts zu tun gehabt.“ SPD-Parteichef Ralf Stegner zu Beginn der Lesung

Wer schon immer mal wissen wollte, warum der SPD-Landesvorsitzende Ralf Stegner irgendwann auf die für ihn typische Fliege verzichtete und stattdessen mit offenem Hemdkragen auftrat, kann sich jetzt bestens informieren: Im Buch „Spiegelbilder — Stegner in Schleswig-Holstein“ haben 27 Autoren ihre Sicht auf den kantigen Politik-Profi zu Papier gebracht. Rund 40 Besucher erlebten jetzt in der Eutiner Kreisbibliothek eine Lesung daraus, dargeboten von der SPD-Bundestagsabgeordneten Bettina Hagedorn sowie den ostholsteinischen SPD-Landtagsabgeordneten Regina Poersch und Lars Winter.

Stegner selbst stellte gleich zu Beginn des Abends klar, er habe mit dem Buch „absolut nichts zu tun gehabt“. Dies bestätigte sein langjähriger Weggefährte und Herausgeber Heiner Volkers, der die Idee zu dem Werk hatte: „Ralf Stegner ist seit einem Vierteljahrhundert in diesem Land als Politiker an der Arbeit, und da hielt ich es für angemessen, diese Tatsache mal ins Bewusstsein zu rücken.“

21 Männer und sechs Frauen sind mit ihren Meinungen über den Politiker im Buch vertreten. Darunter nicht nur wohlgesonnene Parteifreunde, sondern durchaus auch Gegner, mit denen Stegner häufig die rhetorische Klinge gekreuzt hat. Besonders deren Beiträge seien wohlwollender als vermutet ausgefallen und verrieten eine Form von Respekt, über die er sich freue, gestand Stegner.

„Wobei Wolfgang Kubicki — er ist ein ordentlicher Kerl, der stets seine Wettschulden bei mir pünktlich bezahlt — unter seinen Möglichkeiten geblieben ist.“ Und CDU-Fraktionschef Daniel Günthers Beitrag im Buch dürfte angesichts der positiven Einschätzung für ihn einigen seiner Parteifreunde nicht so sehr gefallen, vermutete Stegner.

Doch unter den Autoren sind natürlich auch viele, die der SPD wohlwollend gegenüberstehen oder innerhalb der Partei selbst Funktionen ausüben — wie die ehemalige Ministerpräsidentin Heide Simonis oder Bettina Hagedorn. Letztere war es, die gemeinsam mit Stegners Ehefrau dafür sorgte, dass der Fliegenträger sich nach dem Wechsel ins Amt des Fraktionschefs ein moderneres Outfit zulegte. Ein weiterer Beitragslieferant ist der frühere Sozialminister Günther Jansen, der Stegner vor mehr als 25 Jahren als seinen Pressesprecher nach Schleswig-Holstein holte. „Von ihm habe ich am meisten gelernt“, berichtete Stegner in der Kreisbibliothek, „er hat immer sehr, sehr hart gearbeitet. Ich habe niemals sonst einen Menschen erlebt, der ein so hohes Maß an sozialer Fürsorge zeigt. Es gibt leider zu wenige von seiner Sorte in der Politik.“ Am meisten habe ihn der Beitrag seines ältesten Sohnes bewegt, der unter der politischen Karriere seines Vaters sehr habe leiden müssen. Ein Satz im Buch lautet: „Ich war der einzige Schüler, der keinen Vornamen hatte — ich hieß immer nur Stegner.“

Über einen Beitrag hätte er sich besonders gefreut, bekannte Ralf Stegner, doch dieser Wunsch wurde nicht erfüllt: „Peter Harry Carstensen ist in der Liste der Autoren nicht dabei — schade. Aber letztlich habe ich Verständnis dafür, dass er nichts schreiben wollte.“ Dies veranlasste Bettina Hagedorn zum Kommentar: „Zwei gegensätzlichere Charaktere kann man sich wohl kaum vorstellen. Oder anders gesagt: Sie mochten sich schlichtweg nicht!“

Eckhard Meier

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