Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Ostholstein Raser auf der A 1 im Visier der Polizei
Lokales Ostholstein Raser auf der A 1 im Visier der Polizei
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:48 30.10.2018
Raser im Visier der Polizei - unterwegs im Videowagen der Autobahnpolizei auf der A 1 zwischen Lübeck und Fehmarn. Fahrer an diesem Tag: Polizeihauptkommissar Dennis Dankert (46), Beifahrer Oberkommissar Hans-Joachim Kahl (60).   Quelle: Louis Gäbler
Altenkrempe

Treffpunkt Altenkrempe, 9 Uhr: Der Videowagen rollt so unauffällig ums Eck auf den Parkplatz vor der Basilika, dass man ihn erst einmal gar nicht wahrnimmt. Ein dunkler Opel Vectra – ein Allerweltsauto. „Guten Morgen“, sagt Polizeihauptkommissar Dennis Dankert (41) beim Aussteigen gut gelaunt. Neben ihm schält sich sein Kollege Oberkommissar Hans-Joachim Kahl (60) aus dem Beifahrersitz. Begrüßung, ein paar Formalitäten, Absprachen für die Fahrt, dann geht’s auch schon los. Die Beamten des Polizei-Autobahn- und Bezirksreviers Scharbeutz nehmen die Raser auf der A 1 zwischen Fehmarn und Lübeck ins Visier. Die LN sind dabei.

Mit dem Videowagen der Polizei unterwegs auf der A 1 zwischen Fehmarn und Lübeck

Auf der kurzen Fahrt zur Autobahnauffahrt Neustadt-Pelzerhaken dreht sich das Gespräch ums Auto. Der Vectra, einer von zwei Videowagen des Fachdienstes „Technik“ – so die Gliederung bei der Polizei – ist seit 2007 im Einsatz. „Aber gut in Schuss“, betont Dankert. Satte 230 PS, 2,8 Liter Hubraum, V6-Motor, Benziner – ein Wagen, der nur einem Zweck dient: der Verfolgung von Rasern. Pro Schicht kommen bis zu 500 Kilometer zusammen. Das summiert sich: Der Vectra hat unfassbare 620 000 Kilometer auf der Tachouhr.

Es geht Richtung Norden – durch die einspurige Baustelle. Überholen ist nicht möglich. Vorneweg gibt ein Kleinwagen mit 80 km/h das Tempo vor. Kaum ist die Baustelle beendet, geben alle Gas, lassen den Kleinwagen hinter sich. Die Kamera läuft, Dankert wechselt ebenfalls auf die linke Spur. Sein Blick wandert in jedes Auto, das er überholt. Wo kommt es her? Passen Fahrer und Fahrzeug zusammen? Wird gerade ein Handy genutzt? Dankert: „Ein 20-Jähriger am Steuer eines Porsche ,Panamera’ – das macht uns stutzig.“

Baustellen bremsen Raser aus

Wieder Baustelle bei Oldenburg. „Ostholstein ist derzeit für Raser völlig ungeeignet“, sagt Kahl und lacht. Kaum hat man seinen Wagen aufgedreht, muss abgebremst werden. Fahrbahnverengung, Baustelle, einspurig bei Tempo 80, Überholen unmöglich, Zeit zum Plausch: „Wir stehen nicht irgendwo an Rastplätzen und warten auf Raser, sondern wir kontrollieren aus dem fließenden Verkehr heraus, das ist effektiver“, erklärt Kahl die Arbeit der Videowagen-Kollegen. Als bei Oldenburg-Süd die Baustelle beendet ist, geben alle Autos wieder Gas. 100 km/h sind erlaubt, kaum einer hält sich daran. Aber zehn bis 15 Stundenkilometer mehr interessieren die beiden Beamten nicht.

Dann geht es Schlag auf Schlag: Ein VW Passat Variant gibt Stoff und zieht ab. Dankert setzt nach, Kahl schaltet die Videoaufzeichnung scharf, spricht Infos über Streckenabschnitt und Beschilderung aufs mitlaufende Band. Doch der Variant wollte nur ein paar Fahrzeuge überholen, bei Jahnshof verlässt er schon wieder die Autobahn. Der nächste Kandidat ist ein VW Caddy, der bei Gremersdorf ordnungsgemäß auf Tempo 80 reduziert, wieder nix.

So geht es vorbei an Heiligenhafen, über die Brücke nach Fehmarn bis Puttgarden. Ohne Vorkommnisse. Von jetzt an rollen wir wieder südwärts. Mehrmals fährt der Videowagen zwischen Oldenburg-Süd und Jahnshof die A 1 rauf und runter, auch nix. „Jetzt schauen wir mal in Richtung Lübeck“, kündigt Dankert an.

Niederländer flott unterwegs

Bei Lensahn fällt den beiden ein silberfarbener Renault Megane aus den Niederlanden auf. Der Kombi ist flott unterwegs. Darf er auch, hier gibt es keine Tempobegrenzung. Aber das Fahrzeug hat das Interesse der beiden geweckt. Tempo 200 bis zur Baustelle „Hasselburger Mühle“, dann geht es einspurig und gesittet um Neustadt herum, danach gibt der Niederländer wieder Vollgas. Dankert sitzt konzentriert am Steuer, Kahl schaltet die Aufzeichnung ein. „Alle Videowagen-Besatzungen machen regelmäßige Fahrtrainings“, sagt Kahl und ergänzt: „Wir wollen ja abends gesund nach Hause kommen.“

Nach der Baustelle bei Bad Schwartau beschleunigt der Niederländer noch mal. In der 120er-Zone arbeiten Dankert und Kahl jetzt hoch konzentriert. Die Messung läuft, klick, das Ergebnis kommt sekundenschnell: 537 Meter Strecke durchfährt der Mann in 11,94 Sekunden. Ergo: 161,9 Stundenkilometer, satte 41 km/h zu schnell. Die Toleranz wird später runtergerechnet. Er ist fällig. Kahl klappt die Sonnenblende runter, rote LED-Lichter weisen den Vectra als Polizeifahrzeug aus. Dazu blinken verdeckte Blaulichter in der Frontschürze.

152 km/h in der 120-er-Zone

Im Lübecker Gewerbegebiet Roggenhorst ist Zwangspause für den Niederländer. Die Scharbeutzer Beamten lassen sich die Papiere zeigen. Der Mann ist einsichtig. Er komme von Schweden und habe es eilig. Trotz der eher entspannten Situation beobachtet Kahl die Reaktionen des Mannes immerfort, während Dankert die Formalitäten regelt: Abzüglich der Toleranz von fünf Prozent war der Renault mit 152 km/h statt 120 auf der A 1 unterwegs. Macht 148,50 Euro, die von Ausländern in bar zu begleichen sind. Kein Problem, sagt der Niederländer. Nach 20 Minuten ist für ihn alles erledigt, er darf weiterfahren.

Für Dankert und Kahl neigt sich der Arbeitstag dem Ende entgegen. Beide hatten Frühschicht, sind seit 6 Uhr auf den Beinen. Es geht zurück nach Altenkrempe, dann kann die Videowagen-Besatzung Feierabend machen. Morgen geht es weiter. Dankert: „Eigentlich ist der Wagen fast immer unterwegs zwischen Lübeck und Fehmarn.“

Louis Gäbler

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Frische Brötchen und Croissants sind an Feiertagen oft rar. Wir geben einen Überblick, bei welchen Bäckern die Kunden am Reformationstag zwischen Fehmarn und Scharbeutz einkaufen können.

30.10.2018

Schon die Adresse klingt ein bisschen wie aus einem Roman: Zum Major 1. Wer sie ansteuert, kommt zum „Abendroten Haus“. Das 200 Jahre alte Gebäude mit seiner bewegten Geschichte ist heute ein Seminar- und Ferienhaus mit selten zu findenden Ferienwohnungen: je einer für acht bis zwölf und für 20 bis 22 Personen.

29.10.2018

Der Hauptausschuss berät am Dienstag über die Anschaffung von Tablets für die Kommunalpolitiker. Andere Kommunen tagen schon länger digital.

29.10.2018