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Ostholstein Raus aus dem Politikeralltag – ran an die Fleischtheke
Lokales Ostholstein Raus aus dem Politikeralltag – ran an die Fleischtheke
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21:34 29.05.2018
Die Fleischermeisterin Janet Lübke (r.) zeigt der Landtagsabgeordneten Sandra Redmann einen Tag lang ihren Arbeitsplatz. Quelle: ILKA MERTZ
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Sereetz

Kurz nach Arbeitsbeginn musste Sandra Redmann jedoch erstmal um eine kurze Pause bitten. Ab in die Bekleidungsabteilung, einen Fleecepulli kaufen. „Ich hatte nur eine Bluse unter dem Kittel an, und damit habe ich im Kühlbereich total gefroren“, erklärt sie in ihrer zweiten Pause des Tages. Sitzen, einen Kaffee trinken. „Ich bin es wirklich nicht mehr gewöhnt, so lange zu stehen“, sagt sie.

 

Fleischermeisterin Janet Lübke (r.) zeigt der Landtagsabgeordneten Sandra Redmann einen Tag lang ihren Arbeitsplatz. Quelle: Foto: Ilka Mertz

Dabei habe sie ja auch eine Ausbildung zur Buchhändlerin gemacht. Aber das ist viele Jahre her, in ihrer Tätigkeit als Landtagsabgeordnete verbringt sie doch viel Zeit am Schreibtisch.

Einen Tag lang hat die Bad Schwartauerin nun – ebenso wie ihre Kollegen aus der SPD-Landtagsfraktion – ein Praktikum in einem handwerklichen Beruf gemacht. Genauer gesagt an der Seite von Fleischermeisterin Janet Lübke hinter der Fleisch- und Wursttheke vom Famila-Markt in Sereetz. „Mein Fachbereich ist Umwelt und Landwirtschaft, da hat es mich einfach interessiert, wie es hinter der Wursttheke im Supermarkt aussieht“, erklärt sie ihre Wahl. Hinter der Theke hat sie Sauerfleisch gekocht und Koteletts geschnitten, mit der Hand und maschinell. „Ganz gerade sind die nicht geworden“, gibt sie zu. Viel geputzt hat sie, „man darf es ja erwarten, trotzdem hat es mich beeindruckt, wie akribisch sauber gemacht wurde“, so Redmann. Und dann wurde immer wieder geschleppt. Auch wenn mittlerweile keine halben Schweine mehr verkauft werden, die Portionen, die zwischen Kühlung und Verkauf- oder Verarbeitungsbereich hin- und her getragen werden, sind groß. Sehr groß. „Die können hier wirklich alle richtig zupacken“, lobt Sandra Redmann. Die, das sind neben Meisterin Janet Lübke acht weitere Mitarbeiterinnen und ein Mitarbeiter, die in zwei Schichten den täglichen Betrieb in diesem Bereich am Laufen halten. Wobei die Zusammensetzung immer ein bisschen variiert: „Es gibt meist männliche Springer, die immer da eingesetzt werden, wo sie gebraucht werden“, erläutert Famila-Markt-Chef Peter Bünning das Prinzip.

Geschlachtet wird in Sereetz natürlich nicht, das Fleisch wird angeliefert und bei Bedarf vor Ort verarbeitet – zu mariniertem Grillfleisch, Frikadellen oder eben Sauerfleisch. „Mich hat die Liebe zum Beruf beeindruckt“, sagt Sandra Redmann, „die Mitarbeiter möchten das beste Fleisch zur Verfügung stellen.“ Daher liege ihnen auch das Tierwohl sehr am Herzen. „Sie erkennen am Fleisch, ob ein Tier gut gehalten wurde“, so die Erfahrung der Praktikantin, deren Schicht nach der Mittagspause im Verkauf weitergeht.

Immer wieder sucht Marktleiter Peter Bünning auch in Schulen nach Praktikanten, denn Auszubildende – gleich in welchem Bereich – zu finden, ist nicht leicht. „Wir bieten daher den Jugendlichen an, für einen Schnuppertag zu uns zu kommen, damit sie die Ausbildungsberufe im Markt kennenlernen“, erklärt er. Nur wenn man den Beruf kennt, könne man sich dafür oder dagegen entscheiden, so seine Devise. Auf eine Bewerbung von Sandra Redmann wird er nicht hoffen dürfen: „Tut mir leid, aber mir ist das in der Kühlung einfach zu kalt.“ Trotz Fleecepulli.

Hintergrund

Aktionswoche Handwerk hat die Landtagsfraktion der SPD ihre Idee überschrieben. Jeder Abgeordnete hat einen Tag lang ein Praktikum in einem handwerklichen Betrieb, beim Bäcker, in der Schneiderei oder beim Malermeister, absolviert. „So wollen wir besser verstehen, vor welchen Herausforderungen das Handwerk steht“, erklärt Sandra Redmann.

Die Deckung des Fachkräftemangels sowie die Betriebsnachfolge sind zwei der Schwierigkeiten, mit denen handwerkliche Betriebe zu kämpfen haben.

 Ilka Mertz

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