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Ostholstein Geschmacklos? LN-Leser kritisieren üppige Kunstwerke
Lokales Ostholstein Geschmacklos? LN-Leser kritisieren üppige Kunstwerke
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11:05 13.03.2019
Der Künstler Rolf Ohst vor seinem großformatigen Hauptwerk namens „Earth“. Quelle: Beke Zill
Timmendorfer Strand

Die Reaktionen auf den LN-Artikel über die Ausstellung von Künstler Rolf Ohst in der Trinkkurhalle Timmendorfer Strand waren eindeutig. Auf der LN-Ostholstein-Facebookseite gab es zum „Maler der fetten Frauen“, der üppige Frauen und Männer nackt und in verschiedenen Posen auf seinen Werken großformatig abbildet, jedenfalls eine klare Meinung.

„Fette Frauen“: Unverschämt und diskriminierend?

„Fette Frauen? Diskriminierender konnte die Überschrift nicht gewählt werden“, meint Romy Schleginski. „Fette Frauen? Fette Weiber? Abwertender geht es kaum. Und unvorteilhafter konnte der Künstler seine Modelle auch nicht darstellen“, schreibt Uta Reimann. „Unverschämt und diskriminierend ist das!“, wettert Janin Ashanti Oka.

Dabei geht es dem Maler nicht darum, die Korpulenz seiner Modelle bloßzustellen, sondern die Gier in den Fokus zu rücken. „Es ist nicht meine Aufgabe, über Schönheitsideale zu urteilen. Ich möchte, dass meine Bilder in den Köpfen der Betrachter hängen bleiben und zum Denken anregen“, sagt Ohst.

Die Ausstellung in der Galerie von Anja Es läuft noch bis Mitte Mai.

Die Kunst soll auf Misstände hinweisen

Über Kunst lässt sich bekanntlich streiten. Das sehen auch die Leser der LN. Doch die üppigen Frauen und Männer als „fett“ zu bezeichnen, geht vielen zu weit. Doch die Gier, die Ausbeutung des Planeten, symbolisiere sich durch Fett, sagt die Galeristin Anja Es. „Schade, dass die Bilder oft missverstanden werden. Schönheit ist nicht Aufgabe der Kunst. Die Kunst soll die Gesellschaft widerspiegeln und auf Missstände hinweisen. Und das Thema Gier ist ein superaktuelles Thema“, sagt die Lebensgefährtin des Künstlers.

Ohst diskutiert oft mit Besuchern über seine Kunst. „Das erlebe ich nur“, sagt er. Jeder Gast nimmt die Bilder anders wahr – auch jedes Land. So durfte Ohst in Zug in der Schweiz ein Plakat mit einer korpulenten Frau nicht aufhängen. In Berlin sowie in Miami in den USA kommen die Bilder dagegen gut an. Doch ob Europa oder Amerika: „Die Ängste sind überall gleich. Die Angst, aus der Norm zu fallen, ist groß.“ Es gäbe kaum Realisten, die das zeigen.

Der Künstler und die Galeristin vor dem Werk "Il Colletto". Quelle: Beke Zill

Sind adipöse Frauen und Männer bildwürdig?

LN-Leser Kai Piepgras war bei der Ausstellungs-Eröffnung in der Trinkkurhalle und begeistert. „Ich habe mich natürlich mit dieser wahrhaften Kunst von Rolf Ohst auch tatsächlich auseinandergesetzt. Allen Kritikern empfehle ich dasselbe, sowie ein Gespräch mit der engagierten Galeristin und dem Künstler selbst, und zwar, bevor man sich oberflächlich ereifert“, sagt er.

In der Malerei von Rolf Ohst gehe es um die Gier und darüber hinaus um eine weitere Betrachtungsebene: Nämlich um die Frage, ob adipöse Menschen bildwürdig sind. „Warum löst ihre Darstellung eine solche Empörung aus? Darf man sie nicht malen? Müssen sie sich verstecken, weil sie nicht den üblichen Sehgewohnheiten und Doktrinen der Schlankheit und Jugendlichkeit entsprechen?“, fragt sich Kai Piepgras und empfiehlt gerade auch den Empörten den Besuch „dieser wirklich ganz außergewöhnlich sehenswerten Ausstellung“. Die Werke sind noch bis Mitte Mai in Timmendorf ausgestellt.

Dieser LN-Bericht sorgte für Aufregung

Beke Zill

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Ostholstein Kunstausstellung in Timmendorf - Üppige Kunstwerke sorgen für Diskussionen

Geteilte Reaktionen im Netz auf die Ausstellung von Rolf Ohst in der Trinkkurhalle Timmendorfer Strand. Mithilfe der Korpulenz der Frauen und Männer thematisiert der Künstler die Gier.

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