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Ostholstein Reet aus Rumänien: Neues Kleid für Moder Grau
Lokales Ostholstein Reet aus Rumänien: Neues Kleid für Moder Grau
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21:12 20.09.2017

Der Reetverkleidung am Rumpf der Moder Grau sieht man ihr Alter deutlich an. Unansehnlich, löchrig und mittlerweile viel zu dünn ist das Kleid, das den oberen Teil der Mühle schützt. Wie alt es genau ist, konnte Mühlenbesitzer Volkhard „Schleuder“ Schlüter nicht recherchieren. „Ich habe die Mühle seit 1979, so lange ist das schon so“, sagt er. 50 bis 60 Jahre dürfte das Reet alt sein, schätzt auch Carsten Schröder, Chef der Firma Reetdachdesign aus Schönkirchen (Kreis Plön), dessen Mitarbeiter die Reetdacharbeiten ausführen. Um die 30 Zentimeter dick müsste die Verschalung sein, doch es sind beziehungsweise waren nur zehn Zentimeter, weiter unten vielleicht etwas mehr.

Reetgedeckte Mühlen sind eine Seltenheit. Eutins letzte Windmühle Moder Grau erhält ein neues Kleid aus Reet. Die sogenannte Kappe ist bereits vor einigen Jahren erneuert worden. Das unter Denkmalschutz stehende Gebäude ist damit gerüstet für die nächsten Jahrzehnte.

Letzte ihrer Art

Vier Windmühlen drehten sich einst in Eutin: zwei in Fissau, eine an der Stelle der ehemaligen Jugendherberge und Moder Grau.

Eine weitere Mühle könnte an der Ecke Weidestraße/Elisabethstraße gestanden haben, worauf die Bauart eines Hauses hindeutet. Karlheinz Jepp von der Bürgergemeinschaft kennt aber Informationen, wonach es dort nur eine Dampfsägerei gab.

Große Teile des alten Reets sind bereits abgerissen. Bevor das neue angebracht wird, wird der Dachstuhl mit sogenannter Deltafolie verkleidet, die Feuchtigkeit nach außen, aber keine Nässe nach innen lässt. Darüber ist der Mühlenkörper bereits „eingelattet“, wie Schröder sagt. Auf diese Latten kommt das Reet.

Es liegt auf dem Hof der Mühle bereit. Reet aus Rumänien. Das ist besonders geeignet für eine Mühle, erläutert Schröder. Es ist schlank, hat einen harten Halm und ist kürzer geschnitten, als es für ein Reetdach üblich wäre. Außerdem gebe es in Rumänien noch die Fröste, die im Winter für die Reeternte notwendig sind. Etwa 170 bis 180 Quadratmeter neues Reetkleid werden aus den Halmen aus Rumänien entstehen. Zusammen mit der 1995 erneuerten Kappe hat die Mühle dann wieder eine intakte Reetverkleidung.

Bis dahin war es ein langer Weg. Schlüter hatte gehofft, Zuschüsse für diese große Investition zu bekommen. Sein Vorhaben, im Rahmen der Stadtsanierung Geld zu erhalten, scheiterte. Zwar habe die Stadt Eutin 50 Prozent zu den Ausgaben für den von ihr geforderten Gutachter und Architekten dazugegeben, für die neue Reetdachdeckung gab es aber laut Schlüter nichts. Ein bisschen Unterstützung bekommt er von der Stiftung Schleswig-Holsteinische Landschaft, die 20 Prozent Zuschuss, maximal 20000 Euro beisteuert. Zudem hat die Eutiner Bürgergemeinschaft 8000 Euro zugesichert. Den Rest finanziert Schlüter, der im Erdgeschoss ein Kneipenrestaurant betreibt, aus eigener Tasche.

Moder Grau steht unter Denkmalschutz. Dieser Schutz betrifft jedoch lediglich die äußere Gestalt. Schlüter hatte beantragt, anstelle von Reet eine Alternativbedeckung wählen zu dürfen, Schindeln oder Teerpappe. Nachdem eine Kostenschätzung ergeben hatte, dass beides genauso viel kostet wie eine neue Reetdeckung, hat er sich dann doch für das Original entschieden und den Antrag zurückgezogen.

Am Ende hofft er, nun für die nächsten Jahrzehnte Ruhe zu haben. Die Kappe dürfte noch 30 weitere Jahre halten, der jetzt neu angebrachte Mantel 40 bis 50 Jahre. Schlüter: „Ich hoffe nicht, dass ich in meinem Leben noch mal ins Reet steigen muss.“

Das hat er in den vergangenen Jahren oft genug getan. Wind, Wetter, Dohlen und Marder hatten Moder Grau, ihrem Hut und ihrem Kleid immer wieder zugesetzt. Allzu oft hat Schlüter die Löcher in Eigenarbeit wieder gestopft. Damit ist es nun vorbei. Die Arbeiten der Profis werden voraussichtlich in sechs Wochen abgeschlossen sein, wenn das Wetter hält. Bis dahin ist Schlüter „dankbar für das Verständnis der Mühlenbesucher über den Parkplatzzustand“.

Susanne Peyronnet

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