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Ostholstein Regen, Regen, Regen und kein Ende
Lokales Ostholstein Regen, Regen, Regen und kein Ende
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21:57 04.01.2018
Wenn Straßen das Wasser ableiten müssen: Die Neuenweide zwischen Siblin und Glasau gleicht eher einem Kanal. Quelle: Fotos: Peyronnet
Sarkwitz/Scharbeutz/Siblin

„Entweder leidet die Wiese oder die Pferde, und wir leiden immer“, sagt Maria Bremer. Sie betreibt in Sarkwitz den Reiterhof „Wiesenstall“ und hält 13 Pferde im Offenstall. Nach Lust und Laune dürfen die Tiere in den Unterstand oder auf einer betonierten Fläche draußen stehen. Auslauf auf der Weide wird streng zugeteilt. „Die Wiesen können wir nicht nutzen. Die Pferde dürfen nur alle zwei Tage auf eine höhergelegene Weide zum Toben.“

Es regnet und regnet und regnet. Der Boden kann schon längst kein Wasser mehr aufnehmen. Die Folge: Überflutete Felder und sogar Straßen, vollgelaufene Gräben und schlammige Wiesen und Weiden, auf denen keine Tiere mehr stehen sollten.

„Der Boden ist gesättigt, das Wasser kann nirgendwo mehr hin.Carolin Rönna Leiterin Straßenmeisterei Scharbeutz

Wenn Mara Klemm (20) Haflinger „Wincent“ putzt und sattelt, muss sie ihn durch knietiefes Wasser zum ziemlich schlammigen Putzplatz führen. Auf dem benachbarten Reitplatz ist trotz Drainage gerade mal ein kleines Stück trocken genug, um darauf zu reiten. „Ich kann mich gar nicht mehr daran erinnern, wann das anders war“, sagt Klemm. Doch die Sarkwitzer Reiter haben noch Glück. „Wir können rausgehen“, erläutert Maria Bremer. Dann wird eben ausgeritten auf den asphaltierten Radwegen.

Auf befestigten Boden ausweichen können die Landwirte nicht. Zwar ist im Ackerbau gerade nicht viel zu tun, aber die sonst um diese Jahreszeiten üblichen Knickarbeiten leiden unter den schlammigen Böden. Wolf-Heinrich Schumacher, Kartoffelbauer aus Hassendorf, macht es auf die herkömmliche Art, mit der Motorsäge. „Das ist wesentlich angenehmer, wenn der Boden gefroren ist und man nicht mit vom Schlamm schweren Stiefeln dabei ist“, sagt Schumacher. Außerdem tropft es ihm bei der Nässe dauernd auf den Kopf. Zudem müsste er das Knickholz mit dem Trecker zusammenschieben. Aber mit Maschinen kann zurzeit niemand auf den Acker.

Mit Baggern auch nicht, sagt Hannes Wandhoff, Betreiber des Ökologischen Gewässerdienstes in Malente-Sieversdorf. „Wir kommen in der Grabenunterhaltung nicht weiter, da kommen die Bagger nicht hin.“

Was die Sache eher verschlimmert, denn in nicht aufgeräumten Gräben läuft das Wasser erst recht nicht ab. Da muss Wandhoff sein Amphibienfahrzeug einsetzen, was aber teurer ist und deshalb nicht von allen Wasser- und Bodenverbänden oder Gemeinden in Anspruch genommen wird.

Von übergelaufenen Gräben und überschwemmten Straßen berichtet auch Carolin Rönna, die Leiterin der Straßenmeisterei Scharbeutz. „Davon sind wir komplett gefordert.“ Alle Mann sind an Bord, um für den Winterdienst gerüstet zu sein. Doch statt Schnee zu räumen, machen die Teams verstopfte Gräben wieder frei. „Wir haben sehr viel damit zu tun, nicht nur aufgrund des Regens, sondern auch, weil das Gras im vergangenen Jahr so viel gewachsen ist“, sagt Rönna. Ebenfalls eine Folge des nassen Jahres.

Die Streckenkontrolle der Straßenmeisterei ist täglich unterwegs und meldet, wo das Wasser überläuft. So wie jetzt auf der Straße Neuenweide zwischen Siblin und Glasau. Die längst überschwemmte Traveniederung und ein kleiner Teich konnten die Wassermassen nicht mehr fassen. Das Wasser flutete die kleine Straße. Aber auch die Polizei und Anlieger informieren die Straßenmeisterei darüber, wo ihre Hilfe gebraucht wird. Dabei ist es nicht so, dass die Gräben zu klein oder nicht gepflegt wären. Rönna: „Sie fassen das Wasser nicht, es fließt aus den Drainagen und von den Äckern, alle entwässern in die Gräben. Der Boden ist gesättigt, das Wasser kann nirgendwo mehr hin.“

Reitstall-Betreiberin Maria Bremer spricht aus, was sich alle wünschen: „Ganz viel Trockenheit und dann Frost und Schnee, damit man wieder richtig reiten kann.“ Aber nicht zu viel. „Man stelle sich nur mal vor, der ganze Regen wäre als Schnee heruntergekommen“, sagt Carolin Rönna.

Susanne Peyronnet

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