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Ostholstein Restaurant Rethschänke ist Geschichte
Lokales Ostholstein Restaurant Rethschänke ist Geschichte
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15:11 30.12.2016
In der Techauer Rethschänke werden morgen zwischen 11 und 14 Uhr Abschied vom Restaurantbetrieb und ein Neuanfang im Hotel gefeiert.
Techau

Weihnachten noch herrschte Hochbetrieb im Restaurant Rethschänke in Techau. Die 90 Sitzplätze waren belegt, Küchen- und Servicepersonal hatten alle Hände voll zu tun. Am Neujahrstag dagegen wird es gähnend leer sein. Denn Eigentümerin Renate Kopplow schließt am Silvesterabend die Türen des Restaurants für immer und beendet damit eine 57-jährige Gasthof-Geschichte. „Ich bin nicht traurig“, sagt sie. „Das ist alles in Ordnung so.“ Gemeinsam mit ihrem Sohn Daniel (45), der zunächst den Beruf des staatlich geprüften Wirtschaftsassistenten und anschließend Koch lernte, führte sie bislang die Geschicke im Restaurant und Hotel.

Nach 57 Jahren schließt die Gaststätte – Das Haus wird zur Anwaltskanzlei – Hotelbetrieb geht weiter.

Aus gesundheitlichen Gründen habe sie sich zu der endgültigen Schließung des Restaurants entschlossen, erzählt die 70-Jährige. Mit Harald Dettmann aus Kastorf im Kreis Herzogtum Lauenburg habe sie aber jemanden gefunden, der das Zehn-Betten-Hotel weiter betreibt. Der 52-jährige Inhaber eines Baugeschäftes freut sich auf die berufliche Herausforderung: „Ich probiere gerne mal etwas Neues aus.“

Das Restaurant Rethschänke, benannt nach dem früheren Reetdach, wurde am 12. Dezember 1959 von Erich und Annemarie Kopplow eröffnet. Im Jahr 1969 starb der Schwiegervater von Renate Kopplow. Sie und ihr Mann, der ebenfalls Erich hieß, bauten im selben Jahr ein Hotel garni und übernahmen den Betrieb. Zu den Übernachtungsgästen zählten im Laufe der Jahrzehnte viele Handwerker und Handelsvertreter, aber auch Ostseeurlauber, vor allem aus Schweden und aus Dänemark. „Wir haben sogar Gäste, die schon in vierter Generation zu uns kommen“, berichtet Renate Kopplow. Im Laufe der Jahre seien so echte Freundschaften entstanden.

Den Pfingstsonntag, 4. Juni 1995, wird die Familie Kopplow niemals vergessen. Es ist das Datum, an dem die Rethschänke in Flammen stand. „Glücklicherweise ist niemand zu Schaden gekommen. Aber wir haben alles verloren“, sagt Renate Kopplow, und weiter: „Wir haben wie die Irren gearbeitet und den Betrieb am 14. August wiedereröffnet.“ Statt Reet wurde damals aber Schiefer auf dem Dach verlegt.

1996 stieg Sohn Daniel mit in den Betrieb ein. Als Küchenchef sorgte er für Holsteinische Küche auf den Tellern der Gäste, verwendete aber auch immer wieder Rezepte aus Mecklenburg, der Heimat seines Großvaters. Ein weiterer Schicksalsschlag ereilte die Familie Kopplow im Jahr 2004, als Ehemann und Vater Erich ganz plötzlich starb.

In den kommenden Jahren wird der Rest der Familie eng beieinander bleiben. Die Tochter und Schwester Thekla Kopplow wird in der dann umgebauten ehemaligen Gaststätte ihre Anwaltskanzlei eröffnen – mit Bruder Daniel als Wirtschaftsassistenten und Mutter Renate als Telefonistin. „Es ist wichtig, dass das Haus erhalten wird, und dass wir dort bleiben“, sagt sie. Mit einigen der Hotelgäste, die dann von Harald Dettmann und seinem Team betreut werden, kann sich Renate Kopplow über längst vergangene Zeiten unterhalten.

Doch einmal noch wollen Renate und Daniel Kopplow in ganz großem Kreise feiern. Am morgigen Silvestertag laden sie deshalb zwischen 11 und 14 Uhr zum „Resteverzehr“ in die Techauer Rethschänke ein.

 Christina Düvell-Veen

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