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Ostholstein Restaurierung von St. Michaelis geschafft
Lokales Ostholstein Restaurierung von St. Michaelis geschafft
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13:15 16.12.2015
Volontärin Rabea Blasczyk war gestern damit beschäftigt, die Inschrift des Bahrs-Epitaphs zu ergänzen.

Als Lutz Tamchina 1979 an die St. Michaeliskirche nach Eutin kam, hatte er nach eigenem Bekunden keinen Blick für die Schönheit der beiden Epitaphe, deren Reiz in viel zu knapp bemessenen Nischen verborgen blieb. Daran aber, dass die Grabdenkmäler aus dem 17. Jahrhundert nun restauriert im Kirchenschiff hängen, wo ihre gealterte barocke Schönheit zu voller Geltung kommt, hat Tamchina, der seit 2010 pensioniert ist, entscheidenden Anteil. In seine Zeit als Pastor und Vorsitzender des Kirchengemeinderates fallen Idee, Planung und beginnende Umsetzung eines systemischen Sanierungskonzeptes für St. Michaelis. Ein Prozess, der nun mit dem Ende der Arbeiten am Bahr-Epitaph seinen Abschluss findet.

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Diplom-Restaurator Markus Freitag patiniert das Blattgold am nachgefertigten Säulenkapitell, damit es sich in das Epitaph einfügt.

In den nächsten Tagen werden der Kieler Diplom-Restaurator Markus Freitag und seine Volontärin Rabea Blasczyk nach 650 Arbeitsstunden im Atelier und auf dem Gerüst im Kirchenraum die Pinsel ins Futteral räumen. Der Firnis auf dem zentral platzierten Auferstehungsgemälde des Epitaphs ist regeneriert worden, das so intensivierte Tiefenlicht lässt Details erkennbar werden, die zuvor kaum mehr zu sehen waren. Der braune Überzug aus mit Ölfarbe versetztem Schellack, unter dem im 19. Jahrhundert die barocke Farbigkeit verschwunden war, wurde Zentimeter für Zentimeter entfernt, zwei verloren gegangene Säulenkapitelle nach fotografischen Quellen rekonstruiert. Dafür, dass der Blattgoldmantel sich in das gealterte Epitaph einfügt, wird er von Freitag mit Drahtwolle auf einem Bambusstäbchen patiniert. „Wir ordnen uns dem unter, was wir vorfinden, und bewahren das Vorhandene. Nur, wenn es notwendig ist, ergänzen wir“, erklärt er. Ergebnisse seiner gedeihlichen Zusammenarbeit mit der Eutiner Gemeinde sind unter anderem der Schönfeld-Altar und das Meyer-Epitaph, das dem Bahr-Epitaph gegenüber hängt. Mit der wiederhergestellten Gedenktafel für den angesehenen Eutiner Bürgermeister Thomas Bahr und seine Ehefrau Leveke, gestiftet 1666 von den Kindern und Enkeln, schließt sich auch für den Restaurator ein Kreis. Alle zwei Jahre wird er künftig in die Kirche kommen, um Ausstellungsstücke zu reinigen und auf mögliche Schäden hin zu sichten.

Für das Gotteshaus als Bauwerk und geistiger Ort gleichermaßen ist damit ein Punkt erreicht, in dem Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zusammenfließen: „Es war eine bewusste Entscheidung, aus allen Epochen Dinge in der Kirche zu belassen. Es soll deutlich werden, dass diese Kirche über Jahrhunderte und Epochen gelebt hat“, erläutert Pastorin Maren Löffelmacher das Konzept, das der Restaurierung zugrunde liegt. „2003 hat es erste Überlegungen dazu gegeben, ab 2005 nahm das Formen an und 2007 war die Kirche eine Baustelle“, erinnert sich Tamchina. Der Ansatz, ein Gesamtkonzept zu durchdenken, sei ein Glücksfall gewesen. Bürger, Vereine und städtische Gremien seien früh einbezogen worden und hätten das Vorhaben mitgetragen. „Man spürt in der Stadt eine besondere Bindung an die Kirche“, schildert Markus Freitag seine Erfahrungen. Und er sagt: „Es ist ein Genuss hier zu sein.“"

Ein innerer Zusammenhalt prägt nun auch den Charakter von St. Michaelis: Tod, Auferstehung und die Liebe Gottes sind vielfältig miteinander verwoben, und viele Besucher erleben dies als Ruhe stiftend. Oder wie Lutz Tamchina es formuliert: „Es ist ein Raum, der spricht — unaufdringlich, nicht laut, aber leise redet er schon.“ Auch durch die Epitaphe, für deren Schönheit sich Tamchina nunmehr begeistern kann.

Aktiver Förderkreis
Der Förderkreis Hilfe für St. Michaelis kümmerte sich größtenteils um die Restaurierung von Objekten oder Neubeschaffungen für die Kirche.



An Spenden durch Privatpersonen, Gruppen, Vereine kamen 260000 Euro zusammen. Die Restaurierungen des Meyer-Epitaphs (43000 Euro) und des Bahr-Epitaphs (38000 Euro) wurden darüber hinaus wesentlich von der Nordkirche, der Landesdenkmalpflege Schleswig-Holstein und der Deutschen Stiftung Denkmalschutz bezuschusst.



Kirchengemeinde und Kirchenkreis haben für die Sanierung, Umbau und Gestaltung etwa 1,5 Millionen Euro aufgewendet. Im kommenden Frühjahr soll die Sanierung in allen Einzelheiten der Öffentlichkeit vorgestellt werden.

Astrid Jabs

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