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Ostholstein Retter-App für schnelle Hilfe bei Notfällen
Lokales Ostholstein Retter-App für schnelle Hilfe bei Notfällen
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08:03 12.10.2018
Mit dieser Rettungsapp können Helfer zu Einsätzen geschickt werden Quelle: jeb
Bad Oldesloe

 Über eine App sollen künftig Ersthelfer noch schneller als der Rettungsdienst bei einem Patienten sein, der dringend Hilfe benötigt. Bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand zählt jede Sekunde. Mit der App „Meine Stadt rettet“ soll jetzt ein großes Netz an Ersthelfern rekrutiert werden.

In Deutschland erleiden jährlich 50 000 Menschen den plötzlichen Herztod. Ein solches Netz von freiwilligen Helfern, die bei Bedarf GPS-basiert zusätzlich über diese App gerufen werden können, und das noch bevor ein Rettungswagen oder ein Notarzt eintrifft, könnte das Überleben vieler dieser Menschen ermöglichen.

Die Integrierte Regionalleitstelle Süd (IRLS) in Bad Oldesloe hat vor zehn Tagen das neue System eingeführt. Zu Beginn dieses Jahres hatten das bereits die Leitstellen West in Elmshorn und die Leitstelle in Lübeck gemacht. Dieses Projekt, das unter der Schirmherrschaft des Ministers für Soziales, Gesundheit, Jugend, Familie und Senioren, Heiner Garg (FDP) steht, wird durch das Universitätsklinikum Lübeck betreut und auch wissenschaftlich begleitet.

„Das Projekt basiert darauf, dass freiwillige Helfer zunächst einmal die kostenlose App aus dem Google-Playstore oder den AppStore herunterladen. Die App läuft sowohl auf dem Android-System als auch auf Apple-Geräten gleichermaßen. Eine weitere Voraussetzung ist aber auch, dass jeder, der sich dort registriert, einen Erste-Hilfe Kurs absolviert haben muss. Und der sollte nicht älter als zwei Jahre sein“, erklärt der Leiter der Leitstelle, Carsten Horn.

In der Regionalleitstelle Süd laufen alle Fäden zusammen Quelle: jeb

Dann kann es aber auch schon losgehen. In einem Notfall wird der am nächsten zu einem Einsatzort befindliche Helfer via GPS gefunden und alarmiert. Wenn der Helfer dann zum Einsatzort geht, drückt er einen Button auf seinem Handy und signalisiert dem Sachbearbeiter in der Leitstelle so, dass er den Einsatz quasi übernommen hat. „Es geht darum, einen solchen freiwilligen Helfer schnell zum Patienten zu bringen und so den therapiefreien Intervall bis zum Eintreffen von Rettungswagen oder Notarzt so kurz wie möglich zu halten“, erklärt Horn.

Die Leitstelle wird solche Rettungshelfer immer dann alarmieren, wenn Einsätze mit Stichworten wie „Reanimation“ oder „Bewusstlosigkeit, unklare Atmung“ ausgelöst werden. Im Durchschnitt sei das etwa ein bis zwei mal innerhalb von 24 Stunden im gesamten Leitstellenbereich der Fall. Die IRLS ist für die drei Kreise Stormarn, Herzogtum Lauenburg und Ostholstein zuständig. In den drei Kreisen leben etwa 650 000 Menschen.

„Seit Einführung der App konnten wir innerhalb weniger Tage über 200 neue Nutzer bei uns feststellen. Wir hatten verteilt über alle drei Kreise 17 Notfälle, bei denen über diese App Rettungshelfer alarmiert worden sind. In zwei Fällen waren diese jeweils vier Minuten vor dem Rettungsdienst vor Ort“, freut sich Horn. Die freiwilligen Ersthelfer sind laut Horn natürlich auch versichert. Das gelte für den Weg zum Einsatzort, den Weg von dort zurück und auch die Zeit während der Hilfsmaßnahme, ergänzt Horn.

Sollte bei der Ersthelfer-Maßnahme Dritten ein Schaden zugefügt werden, so hat die Initiative für alle registrierten Helfer eine Haftpflichtversicherung abgeschlossen, die die gesetzliche Haftpflicht bei der Tätigkeit als App-Retter je involviertem Leitstellenbereich bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes versichert. Sonder- und Wegerechte, wie sie der hauptamtliche Rettungsdienst mit Blaulicht und Sirene haben, haben die App-Retter nicht. Sie müssen sich an die Vorschriften der Straßenverkehrsordnung halten.

„Ich begrüße die Einführung dieser App außerordentlich. Der Kreis Herzogtum Lauenburg hat sich seit gut zwei Jahren für die Einführung eingesetzt. Ich würde mich sehr freuen wenn sich in der ersten Testphase möglichst viele Helferinnen und Helfer aus dem Rettungsdienst, den Freiwilligen Feuerwehren, Hilfsorganisationen und viele andere mehr dort registrieren“, sagt Kai Fabian Steffens vom zuständigen Fachdienst Ordnung des Kreises Herzogtum Lauenburg.

Weitere Infos zur App gibt es unter www.meine-stadt-rettet.de

Jens Burmester

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