Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Ostholstein Rettung der Arne-Jacobsen-Siedlung
Lokales Ostholstein Rettung der Arne-Jacobsen-Siedlung
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:31 05.01.2018
Burgtiefe aus der Vogelperspektive: Bis 2032 fließen bis zu zwölf Millionen Euro Fördergelder in die Arne-Jacobsen-Siedlung. *FOTO: GÄBLER
Burgtiefe a. F

Ende Dezember flossen 3,59 Millionen Euro vom Land an die Stadt Fehmarn. Eine stolze Summe, die – mit Rückenstärkung aus dem Kieler Innenministerium – den Spielraum der Kommune gegenüber den holländischen Hotel-Investoren in Burgtiefe erheblich vergrößert.

Bausünde oder architektonisches Juwel? 2018 könnten die Kritiker dank eines Millionensegens aus dem Programm „Städtebaulicher Denkmalschutz“ mit der Arne-Jacobsen-Siedlung in Burgtiefe versöhnt werden. Vielleicht hilft das Geld sogar beim Neustart ohne die Holländer.

„Wir wollen uns von den Holländern nicht länger hinhalten lassen.Jörg Weber

Bürgermeister Fehmarn

Konkret: Die Geduld von Verwaltung und Politik mit der Van- Herk-Gruppe in Rotterdam ist zu Ende. Seit 2008 plant sie ein Vier- Sterne-plus-Resort. Zuletzt traten gab es 2016 nach jahrelanger Funkstille einen abgespeckten Entwurf für 180 Millionen Euro. Seither ist wieder nichts passiert.

Offiziell hat die Stadt Fehmarn daher via Rotterdam einen Rückkauf der Spielwiese angeboten – bislang ergebnislos. Gestern bestätigte Bürgermeister Jörg Weber (SPD), dass es noch im Januar ein „abschließendes Gespräch“ mit den Vertretern der Holländer geben wird. Mit drei Optionen: Projektstart, Verkauf oder Nicht-Verkauf des Areals.

„Danach entscheiden wir. Denn wir wollen uns nicht länger hinhalten lassen“, so Bürgermeister Weber. Bei einer möglichen Kaufsumme X würde das Geld aus Kiel entscheidend helfen. Insgesamt winken der Stadt sogar bis zu zwölf Millionen Euro Fördermittel. Bei den Maßnahmen sind Bund, Land und Kommune jeweils zu einem Drittel dabei. Bislang seien, so Mandy Cronauge (Bauamt) der Stadt bereits 5,4 Millionen Euro zugewiesen worden.

Haus des Kurgastes droht zu verfallen

Ein möglicher Rückkauf der Spielwiese könnte nicht nur den Festivalstandort Burgtiefe – für Bulli-, Surf- oder Kite-Events – langfristig sichern. Er träfe auch ein Herzstück der gesamten Anlage.

Mittendrin steht das baufällige ehemalige „Haus des Kurgastes“, das ebenfalls den Holländern gehört. Es steht unter Denkmalschutz, droht aber zu verfallen. „Eine Schande. Das sieht jeder von außen, von drinnen sieht es nicht besser aus“, so Weber. Er hätte sich mehr Hilfe vom Denkmalschutz gewünscht. Doch mit dem Fördergeld von Bund und Land könnte die Stadt endlich tätig werden – sofern die Holländer verkaufen. Weber: „Wir werden alles versuchen, das Gebäude für den Tourismus-Service Fehmarn zu übernehmen.“

Es wäre eine späte Versöhnung mit dem Lebenswerk Arne Jacobsens. Tourismusdirektor Oliver Behncke versucht, dessen nach 50 Jahren bereits denkmalschutz-würdige Seebad-Architektur bereits touristisch zu vermarkten. „Es gibt Urlauber, die staunend vor diesem kulturellen Erbe stehen. Und die begeistert sind, dass der weltweit berühmte dänische Architekt und Designer hier seine Spuren hinterlassen hat“, so Behncke.

Wichtig ist für TSF und Stadt, mit konkreten Maßnahmen den Erhalt und eine zeitgemäße Nutzung dieser Bauwerke zu starten. Architektonisch verändert werden dürfen sie nicht. Seit 2016 ist die gesamte Anlage in die Liste der Kulturdenkmäler des Landes Schleswig-Holstein eingetragen, auch die IFA- Türme. Vorher standen nur das Meerwasser-Hallenbad und das Haus des Kurgastes unter Denkmalschutz.

Doch gerade die energetische Bilanz des betagten Wellenbades ist aus heutiger Sicht eine Katastrophe.

Noch 2018 soll, so Cronauge, per europaweiter Ausschreibung ein Sanierungsträger gefunden werden. Die Sanierungsatzung sieht eine Zeitschiene bis 2032 vor.

Architekt von Weltrang

Als Architekt und Designer genießt Arne Jacobsen (1902–1971) bis heute Weltrang. Die Nationalbank in Kopenhagen, Theater und Universitäten tragen seine Handschrift. 1965 gewann er einen international ausgeschriebenen Wettbewerb der Stadt Burg. Gebaut wurde das Kurzentrum Burgtiefe – mit Abweichungen vom Entwurf – von 1968 bis 1972. Als „Gesamtkunstwerk unter Denkmalschutz“ wird es in „DenkMal!“ 2017, der Zeitschrift der Denkmalpflege in SH, ausführlich gewürdigt (Boyens Verlag, 168 S., 12 Euro).

 Gerd-J. Schwennsen

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!