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Ostholstein Rettungsschwimmer-Taufe: An der Ostsee herrscht Neptun
Lokales Ostholstein Rettungsschwimmer-Taufe: An der Ostsee herrscht Neptun
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18:46 18.08.2017
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Neustadt

Neptun ist ein strenger Herrscher: Bevor neue Rettungsschwimmer erstmals ihren Dienst leisten dürfen, entsteigt der Meeresgott den Fluten, um sie bei der Ostsee-Taufe von ihren menschlichen Sünden reinzuwaschen. „Dieses Ritual gibt es seit den 1980er Jahren“, sagt Hans-Albert Lange.

Traditionelles Ritual führt neue Wachgänger der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft am Strand von Pelzerhaken in ihren ehrenamtlichen Dienst ein.

Der Wachleiter aus dem nordrhein-westfälischen Rheda-Wiedenbrück ist stolz auf seine Ortsgruppe. Der Ehrenamtler in der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) sorgt bereits im 49. Jahr am Strand von Pelzerhaken-Rettin für den Schutz der Badenden.

Erstmals mit dabei sind in diesem Jahr Sven Buhrmann (25) und Johannes Mutschischk (22). Im Befehlston zitiert sie Neptun Thomas Busse aus dem Wachgebäude in seinen mit Seetang ausgekleideten Garten am Strand. Unterstützung erfährt er dabei von seinen „Trabanten“ Norbert Quack-Elbracht und Ralf Kügeler, die mit Minipli- Perücke, verspiegelter Sonnenbrille und Bademantel im Leoparden-Look stilecht als Zwillinge des Ruhrpott-Idols Atze Schröder auftreten könnten.

Kaum auf zwei mit Seetang gepolsterten Bierkästen Platz genommen, tritt „Kobolt“ Dietmar Grochtdreis auf den Plan, reicht dem Neustädter Buhrmann und dem Schwäbisch-Haller Mutschischk jeweils einen Kloß. Was harmlos aussieht, ist jedoch mit allerlei Gewürzen „verfeinerte“ Hefe, die erst im Mund ihre teuflische Wirkung entfaltet. „Schlucken, Johannes, nicht nur kauen“, ruft eine junge Frau aus der Menge. Knapp 100 Gäste, viele davon extra aus der Nähe von Gütersloh angereist, amüsieren sich köstlich.

Auch die anschließend gereichte tomatensaftartige Nachspül-Mischung verheißt keine Erleichterung, Tabasco und diverse Alkoholika sorgen bei den Täuflingen für rote Köpfe. „Da kommt rein, was wir übrig haben“, sagt Wachleiter Lange.

Für Abkühlung sorgen anschließend die beiden Atzes, kippen erst Kelle für Kelle Seetang und Reis mit einer ordentlichen Note Knoblauch über die Köpfe der beiden angehenden Ostsee-Rettungsschwimmer, ehe der ganze Suppentopf für eine Ganzkörper-Dusche herhalten muss. Doch die Täuflinge beweisen ihre Eignung, im Gleichklang sprechen sie: „Ehre sei Gott auf dem Meere! Er hat das Meer soweit bestellt, als schönster Teil der ganzen Welt. Und tat er damit seine Weisheit kund, damit nicht jeder Lumpenhund mit denen die Erde so reichlich gesegnet, dem fröhlichen Seemann da draußen begegnet!“

Nun dürfen sie sich erheben, wankendes Schrittes schreiten die beiden auf die Ostsee zu, wo sie die Trabanten des Meeresgottes bereits erwarten. Eine letzte Dusche des mit 19 Grad angenehm warmen und nur mild-salzigen Ostseewassers erlöst sie von ihren Sünden.

Patschnass geht es zurück an den Strand, wo die jungen Männer von nun an der Gemeinde der Ostsee-Rettungsschwimmer angehören.

Die DLRG an Ostholsteins Küste

Während der Saison sorgen rund 1800 Rettungsschwimmer der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) für die Sicherheit der Badenden an den Stränden von Fehmarn bis Timmendorfer Strand.

Ungefähr 350 sind in diesem Jahr erstmals mit dabei.

Die Ehrenamtler schieben Wache gegen freie Kost und Logis sowie eine Aufwandsentschädigung. Sie kommen aus ganz Deutschland, während der Hauptferienzeit vor allem aus Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen.

Um Rettungsschwimmer zu werden, müssen Kandidaten mindestens 16 Jahre alt sein und das Rettungsschwimmabzeichen in Silber sowie einen Erste-Hilfe-Kursus gemacht haben.

Mehr Infos www.kreis-ostholstein. dlrg.de.

 Marc R. Hofmann

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