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Ostholstein Riesen-Bärenklau wird zur Plage
Lokales Ostholstein Riesen-Bärenklau wird zur Plage
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12:33 03.07.2013
Von Christina Düvell-Veen
Scharbeutz

Veronika Hohmuth hat großen Respekt vor den Gewächsen, die sie in der Nähe ihres Hauses in Scharbeutz beobachten kann. Sie mag den Riesen-Bärenklau nicht und befürchtet gesundheitliche Schäden für alle die, die mit diesen Pflanzen in Berührung kommen. Lange schon sieht sie zu, wie die Stängel mit den Dolden am öffentlichen Verbindungsweg zwischen dem Weißdornweg und der Schulstraße immer kräftiger werden.

„Das Zeug fliegt hier durch die Gegend“, klagt Veronika Hohmuth, die mit Ehemann Henry vor zehn Jahren aus Hamburg an die Ostsee zog und eigentlich sehr gerne dort lebt. Wenn nur der Riesen-Bärenklau, der auch Herkulesstaude genannt wird, nicht wäre. Früher hätten Gemeindearbeiter die Fläche gepflegt, doch das sei nun vorbei, beschwert sie sich.

In der Scharbeutzer Gemeindeverwaltung weiß man um die Gefährlichkeit vom Riesen-Bärenklau. „So gut es geht, werden die Pflanzen von unseren Mitarbeitern aus der Erde gebuddelt“, so Barbara Kurdt auf LN-Anfrage. Allerdings könnten die Mitarbeiter nicht alles überall sehen. Sie seien auf die Mithilfe der Bevölkerung und darauf angewiesen, dass die Umweltabteilung Nachricht bekommt. Für diejenigen, die diese Gewächse auf ihren privaten Grundstücken beseitigen möchten, gebe es ein Merkblatt, in dem genau beschrieben wird, wie sie vorgehen sollten.

Auch die Gemeinde Bosau hat eine Informationsbroschüre zum Riesen-Bärenklau im Angebot. Erarbeitet wurde sie vom Umweltschutzamt der Stadt Kiel. Dort steht geschrieben, wie gefährlich der Kontakt mit dieser Pflanze ist: „Leider fehlt es oft an Informationen über diese Giftpflanze, oder ihre Wirkung wird unterschätzt. Gegen die langwierigen Hautentzündungen ist kein spezielles Heilmittel bekannt.

Bei großflächigen und starken Verätzungen sollten Sie sich jedoch unbedingt in ärztliche Behandlung begeben.“ Auch in der mehrfach für ihren vorbildlichen Umweltschutz ausgezeichneten Gemeinde Ratekau ist der Riesen-Bärenklau ein Problem. „Wir versuchen, ihn wegzunehmen, müssen manchmal aber kapitulieren“, so Karin Hartmann aus der Umweltabteilung. So sei die Bärenklau-Bekämpfung in einer Kiesgrube bei Luschendorf schon aufgegeben worden. An anderen öffentlichen Stellen rückten Helfer aus dem Bundesfreiwilligendienst der Giftpflanze zu Leibe, indem sie in die Wurzelbereiche hineinstechen. In ganz besonderen Fällen, zumeist an Wanderwegen, werden Bauhof-Mitarbeiter angefordert, die dann — ausgerüstet mit Schutzbrillen und Overalls — den Bärenklau beseitigen.

Die Bärenklau-Plage ist ein kreisweites Problem, sagt Joachim Siebrecht, Fachdienstleiter Naturschutz beim Kreis Ostholstein. Auch er fordert die Bevölkerung auf, Standorte von Bärenklau-Pflanzen im öffentlichen Raum zu melden. „Die Bekämpfung ist einfacher, wenn es sich nur um eine einzelne Pflanze handelt“, erklärt er. Wer diese Gewächse auf eigenen Grundstücken selber beseitigen will, sollte größte Vorsicht walten lasen. Auf „klassische Art“ werden die Wurzeln mit ausgebuddelt. Aufwändiger, aber weitaus effektiver sei es, die Blütendolden vor der Samenreife einzutüten. „Dann wächst sich die Pflanze tot“, weiß Siebrecht. Allerletzte Möglichkeit der Beseitigung sei die Bekämpfung mit Pflanzengift.

Einig sind sich die Experten darin, dass sich der Riesen-Bärenklau nicht von heute auf morgen beseitigen lässt. Da die Pflanze mehrjährig ist und nach jedem Rückschnitt wieder neu aus den Wurzeln treibt, muss sie regelmäßig, und das über mehrere Jahre, bekämpft werden.

Der Saft enthält giftige Substanzen
Der Riesen-Bärenklau gehört zur Familie der Doldenblütler. Die bis zu vier Meter hohe Pflanze ist ursprünglich im Kaukasus beheimatet.

Natürliche Feinde wie Fressschädlinge und Parasiten fehlen dem Bärenklau. Er wächst auf nährstoffreichen Böden besonders gut und hat eine gewaltige Samenproduktion. Heimische Pflanzenarten und die daran gebundenen Tierarten werden von ihm oft verdrängt.

Der Saft des Bärenklaus enthält giftige Substanzen, die bei Kontakt mit der Haut unter Einfluss von Sonne fototoxische Wirkungen entfalten. Ähnlich wie bei einem Sonnenbrand gibt es Rötungen der Haut, Schwellungen, Blasenbildungen und Hautverfärbungen.

Christina Düvell-Veen

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