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Rinder in der Dünenlandschaft: Fluch oder Segen für die Brök?

Weissenhäuser Strand Rinder in der Dünenlandschaft: Fluch oder Segen für die Brök?

Forscher Erwin Patzelt beklagt schlechten Zustand des Naturschutzgebietes Weissenhäuser Brök. Untere Naturschutzbehörde hält dagegen: Boden spricht positiv auf Beweidung an.

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Robustrinder beweiden die Weissenhäuser Brök. Laut Unterer Naturschutzbehörde wird nur partiell zugefüttert.

Quelle: Fotos: hfr, Klatt

Weissenhäuser Strand. Seit Jahrzehnten ist die Dünenlandschaft zwischen Ostsee und dem Ferienpark Weissenhäuser Strand unter Schutz gestellt. Das Naturschutzgebiet Weissenhäuser Brök ist Refugium für seltene Tier- und Pflanzenarten. Der Oldenburger Erwin Patzelt (89), renommierter Südamerika-Forscher, fürchtet jetzt um den Bestand des Naturschutzgebietes (NSG) und wandte sich an die Lübecker Nachrichten.

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Robustrinder beweiden die Weissenhäuser Brök. Laut Unterer Naturschutzbehörde wird nur partiell zugefüttert.

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Patzelt hat einen unmittelbaren Bezug zur Weissenhäuser Brök. Schon in den 50er Jahren nahm der pensionierte Lehrer dort Kartierungen vor und brachte Schülern bei Ausflügen diesen Lebensraum näher.

Dann verschlug es Patzelt nach Südamerika, wo er aufgrund seiner Forschungen als der „Humboldt des 20. Jahrhunderts“ gilt.

Heute, bedauert Patzelt, sei von der ehemaligen Dünenlandschaft so gut wie nichts mehr zu erkennen. Für den aus seiner Sicht stark voranschreitenden Niedergang des NSG macht er vor allem die Beweidung durch Robustrinder verantwortlich. Patzelt: „Durch die produzierten Exkremente entsteht ein erhöhter Stickstoffeintrag. Hinzu kommen erhebliche Trittschäden, die die Rinder anrichten. Dies hat dazu geführt, dass die Sanddünen mit ihrer typischen Flora fast vollständig verschwunden sind.“ Statt Heidenelke, Silbergras oder Zittergras hätte sich hier nur noch das Reitergras mit seinen tiefen Wurzeln breit gemacht und für eine Verfilzung des Bodens gesorgt. „Das Naturschutzgebiet ist in einem derart schlechten Zustand, dass entstandene Schäden nicht wieder gutzumachen sind“, fürchtet Patzelt. Ihm stößt auch die zusätzliche Fütterung der Robustrinder auf. „Die im Futter enthaltenen Samen sorgen für die Ausbreitung von Pflanzen, die in diesem Gebiet nichts zu suchen haben“, ärgert sich der Forscher. An jeglichem Verständnis fehlt es ihm zudem dafür, dass die Rinder ein Hünengrab beweiden dürfen. Patzelt: „Hier stand einst ein Schild, dass auf dieses Kulturdenkmal hingewiesen hat. Das wurde offensichtlich einfach weggenommen.“

Ganz anders beurteilt dagegen Joachim Siebrecht, Fachbereichsleiter der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises Ostholstein, die Situation. Ihm zufolge hat die Bewirtschaftung durch Rinder erhebliche Vorteile für das NSG gebracht: „Herr Patzelt hat ganz offensichtlich nicht den Zustand vor der Beweidung gesehen. Der Boden war vorher aufgrund fehlender Nutzwirtschaft verfilzt. Erst die Rinder haben durch den Aufbruch des Bodens dafür gesorgt, dass einst verschwundene Gräser und Pflanzen jetzt wieder langsam zum Vorschein kommen“, so Siebrecht. Zudem sei der Anteil an Nährstoffen, den die Rinder durch Beweidung aufnähmen, höher als der Anteil, der durch deren Exkremente in den Boden eingebracht werde. Begleitet werde das Vorhaben von einem freischaffenden Biologen, der die erzielten Fortschritte in dem Gebiet dokumentiere.

„Wir waren erstaunt darüber, wie schnell die Natur auf die Beweidung angesprochen hat“, meint Siebrecht. Die Beweidung der Brök durch Schafe sei seinerzeit aus wirtschaftlichen Gründen eingestellt worden. Rinder habe man in diesem Bereich aufgrund fehlender Alternativen eingesetzt. Siebrecht: „Wir haben zurzeit keinen Hüteschäfer. Hätten wir einen, dann hätten wir auch Schafe genommen.“ Eine Alternative stellten die Rinder dar, die sich wirtschaftlich besser vermarkten ließen. „Es gibt bestimmt immer noch Optimierungsbedarf, aber in Zeiten knapper Kassen können wir eben nur die Kunst des Möglichen anwenden“, sagt Siebrecht.

Thomas Klatt

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