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Ostholstein Romano: 40 Jahre hinterm Tresen
Lokales Ostholstein Romano: 40 Jahre hinterm Tresen
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20:52 16.10.2017
Aliza Marie Poletto wird das Geschäft eines Tages von Romano Poletto übernehmen. Schon jetzt steht sie regelmäßig hinterm Tresen. Quelle: Fotos: Peyronnet (2)
Lebatz

Zunächst die nackten Fakten: Romano Poletto ist 79 Jahre alt, gelernter Maurer und gebürtiger Italiener, lebt seit 1960 in Deutschland, seit 1967 in Ostholstein und ist seit 1. November 1977 Wirt im Landgasthof Lebatz. Obwohl er mehr Zeit seines Lebens in Deutschland als in Italien verbracht hat, spricht er immer noch wie der „Isch-abbe-gar-keine-Auto“-Angelo aus der Nescafé-Reklame. Und so erzählt er, er sei 1960 aus Italien gekommen, nicht als Gastarbeiter, sondern „ohne Vertrag, ohne nix“. Erst arbeitete er in Hattingen, dann in Gelsenkirchen (beides Nordrhein-Westfalen), es folgten Stationen in Kreuzkamp und Tankenrade, wo er für 30000 Mark (15000 Euro) die alte Schmiede kaufte und restaurierte.

Offiziell heißt die Gaststätte Landgasthof Lebatz. Aber alle reden nur von Romano. Das ist der Wirt, und zwar seit 40 Jahren. Anlass genug, das Original Romano zu würdigen. Denn ihn kennt jeder wahlberechtigte Lebatzer, und darüber hinaus ist er bekannt wie der sprichwörtliche bunte Hund.

Den Sprung zum Landgasthof wagte Romano 1977. „Ich hätte immer gerne eine Gaststätte gemacht. Ich habe gerne Gesellschaft, spreche gerne mit den Leuten.“ Sein Traumobjekt war damals ein, wie er sagt, „primitiver Dorfkrug“, den ein Hamburger namens Lange, ein Kriegsversehrter mit nur einem Arm, in Lebatz als Bierkneipe betrieb. Für 100000 Mark (50000 Euro) kaufte Romano das Jahrhunderte alte, aber ziemlich baufällige Haus. „Ich habe gleich eingekauft und weitergemacht“, erzählt er. Und das ist im doppelten Sinne zu verstehen, oder wie Romano sagt: „Auf der einen Seite habe ich Bier verkauft, auf der anderen renoviert“.

So sollte es all die Jahre bleiben. Romano schmiss die Gastwirtschaft, ließ sich von Frau Bock, einer begnadeten Köchin aus der Nachbarschaft, deren Vorname ihm entfallen ist, das Kochen beibringen, stand fortan sieben Tage die Woche hinter dem Tresen und in der Küche. Tagsüber baute er Haus und Hof immer weiter aus. Eine Kegelbahn kam 1980 und ging „vor zwei, drei Jahren“ wieder. An ihrer Stelle gibt es jetzt vier Wohnungen. Das Haus hat elf Gästezimmer, in denen im Sommer Radwanderer und Urlauber, im Rest des Jahres viele Handwerker ihr müdes Haupt betten. Stets wurde irgendwo etwas erneuert, um- oder angebaut. Gerade ist der Chef dabei, marode gewordene Deckenplatten in Gästezimmern durch Dachlatten, Rigipsplatten, Putz und Tapeten zu ersetzen.

Trotz aller Werkeleien bleibt manches so, wie es bei Romano immer war. Die Gaststube ist der eines Landgasthofes aus dem Bilderbuch würdig. An der Wand hängt ein Porträt des Patrone. Der steht immer noch jeden Tag hinter dem Tresen, wo permanent ein Fernseher mit Sport, meistens Fußball, läuft. Romano schnackt, Romano trinkt mit seinen Gästen, bevorzugt „Schtonie“, „Echt Stonsdorfer“, ein aus der Zeit gefallenes Getränk. Die Küche ist bodenständig, die Preise dörflich gediegen, das Bier laut Romano das beste. Daran, sich zur Ruhe zu setzen, denkt er nicht. „Das mache ich, wenn ich nicht mehr kann. Ich denke noch gar nicht daran.“

Der Wirt kennt jeden Gast mit Namen, duzt jeden. Stammgäste kommen aus der näheren und weiteren Umgebung bereits beinahe seit Anbeginn. Fast jeden dieser Stammgäste verbindet eine Jahrzehnte lange Geschichte mit dem Landgasthof.

Demnächst, am 6. Mai 2018, wird Romano wieder wahlberechtigte Lebatzer in seinem Landgasthof begrüßen. Der ist nicht nur der Mittelpunkt der Umgebung, sondern auch Wahl-Lokal, im Mai wieder für die Kommunalwahl. Voll wird es im Landgasthof aber auch am Jubiläumstag, am Mittwoch, 1. November. Romano lädt nicht ein. Romano sagt: „Ab 17 Uhr bin ich hier. Wer kommt, der kommt.“

Enkelin macht weiter

Die Nachfolge im Landgasthof Lebatz ist gesichert. Romanos Enkelin Aliza Marie Poletto ist gelernte Hotelfachfrau und steht schon jetzt regelmäßig hinterm Tresen und in der Küche. Ihr Freund Justin Hinsch, der gerade Elektriker lernt, hilft ihr dabei. Romanos Tochter Sandra arbeitet als Steuerfachfrau in Stockelsdorf.

Das Haus war schon immer Gasthof. Wann es genau gebaut wurde, ist unbekannt. Es müsste jedoch einige Hundert Jahre alt sein.

Susanne Peyronnet

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