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Rückhalt negativ ausgelegt: Fußballer droht Ausweisung

Lensahn Rückhalt negativ ausgelegt: Fußballer droht Ausweisung

Gericht lehnt Asylantrag von 27-jährigem Kosovaren ab – Unterstützung des TSV Lensahn in der Begründung aufgeführt – Flüchtlingsrat entsetzt.

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Beim TSV Lensahn hat Bujar Krasniqi ein neues Zuhause und eine neue Familie gefunden. *

Quelle: jen

Lensahn. Bujar Krasniqi droht die Abschiebung. Das Schleswig-Holsteinische Verwaltungsgericht hat den Asylantrag des 27-jährigen Fußballers vom TSV Lensahn jetzt endgültig abgelehnt. Der gesamte Verein hatte sich dafür eingesetzt, dass der junge Mann aus dem Kosovo in Ostholstein bleiben darf; viele weitere Sportvereine und Privatpersonen haben den Protest gegen die drohende Ausweisung unterstützt (die LN berichteten). Jetzt führt das Gericht ausgerechnet die öffentliche Kampagne als einen der Gründe dafür an, dass „nicht von einer ernstlichen Bedrohung durch Blutrache auszugehen“ sei. Heftige Kritik daran kommt vom Flüchtlingsrat Schleswig-Holstein.

„Die Begründung des Urteils ist hanebüchen.“ M. Link, Flüchtlingsrat

Bei der Blutrache wird ein Verbrechen durch den Tod eines dem vermeintlichen Täter nahestehenden Menschen „gesühnt“. Auch ihm werde wegen einer Tat seines Bruders nach dem Leben getrachtet, sagt Bujar Krasniqi. Deshalb sei er aus seiner Heimat geflohen.

Die „herbeigeführte mediale Aufmerksamkeit“ spreche „gegen das eigene Empfinden einer echten Blutrachebedrohung“, heißt es nun in der schriftlichen Urteilsbegründung. Würde Bujar Krasniqi sich ernsthaft bedroht fühlen, hätte er einer Berichterstattung nicht zugestimmt, weil dadurch sein Aufenthaltsort bekannt geworden ist, heißt es sinngemäß. Schließlich könnten potenzielle Attentäter aus seiner Heimat „weitgehend unproblematisch nach Deutschland reisen“.

Es sei „unfassbar, dass sich ein Richter dafür hergibt, solche hanebüchenen Zusammenhänge zu konstruieren“, zeigt sich Flüchtlingsrat-Geschäftsführer Martin Link entsetzt. Es sei „perfide, ein verzweifeltes Bemühen um öffentliche Solidarität als Beleg dafür zu werten, dass keinerlei Gefahr besteht“. Werde „solch eine ignorante Rechtssprechung regelmäßige Praxis in Schleswig, dann gute Nacht“, so Link.

Seit Mitte 2014 lebt Bujar Krasniqi in Lensahn und wird von seinen Mannschaftskollegen als „Inbegriff der Integration“ bezeichnet. Er spricht gut deutsch, macht eine Ausbildung in einem Malerbetrieb, hat Freunde gefunden. Den Sportverein bezeichnet der 27-Jährige dankbar als seine zweite Familie. Dessen Mitglieder haben ihm durch eine Offensive in den sozialen Netzwerken Rückendeckung gegeben, während er auf dem Rechtsweg gegen den negativen Bescheid im Asylverfahren vorgegangen ist. Neben den LN hatte auch der NDR darüber berichtet.

Darüber hinaus sei es weder „gegenüber vor Ort verbliebener Verwandtschaft noch gegenüber den zwischenzeitlich in die Heimat zurückgekehrten Brüdern zu Bedrohungshandlungen gekommen“. Die Schilderungen von Bujar Krasniqi selbst bewertete das Gericht nach der mündlichen Anhörung als „unpersönlich und allzu wortnah am Protokoll der Anhörung des Bundesamts“.

„Jeder geht anders damit um, wenn er über solche Erlebnisse sprechen soll“, sagt dazu TSV-Fußballtrainer und Jurist Christian Ippig, „der eine wird emotional, der andere schiebt es so weit wie möglich von sich“. Wie seine Vereinskollegen bedauert Ippig die Entscheidung des Gerichts sehr. Es gebe nun noch die Möglichkeit, dass die Behörden Bujar Krasniqi erlauben, wenigstens zunächst seine Ausbildung zu beenden. Dafür bräuchte er eine sogenannte Ermessensduldung. Darauf setzt der junge Fußballer nun all seine Hoffnung. „Ich kann nicht zurück“, sagt er. Seine Brüder lebten im Kosovo „in permanenter Angst“.

Jennifer Binder

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