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Ostholstein Rücktritt nach Dauer-Zwist: Gemeindewehrführung hat genug
Lokales Ostholstein Rücktritt nach Dauer-Zwist: Gemeindewehrführung hat genug
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22:12 16.09.2016
Die freundlichen Gesichter von Stephan Muuss, Burkhard Wegener, Ex-Gemeindewehrführer Peter Uhr und Hatice Kara (v. l.) trügen – bei der Jahresversammlung im Februar krachte es zum ersten Mal. Quelle: Fotos: Kg, Latz, Jhw
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Timmendorfer Strand

Es sind „bittere Stunden“ für Noch-Gemeindewehrführer Stephan Muuss und seinen Stellvertreter Burkhard Wegener. Sie haben ihr gemeinsames Rücktrittsgesuch bei Bürgermeisterin Hatice Kara (SPD) eingereicht. „Die derzeitige Situation“ lasse „keine andere Entscheidung zum zukünftigen Wohle unserer Gemeindefeuerwehr zu“, heißt es in dem Schreiben, über das Kara am Donnerstagabend die Mitglieder im Hauptausschuss informierte. „Ich bin und bleibe im Herzen immer Feuerwehrmann, aber ein Zurück gibt es nicht“, so Muuss am Tag danach.

Paukenschlag im Hauptausschuss – Stephan Muuss und sein Stellvertreter Burkhard Wegener beklagen enttäuschtes Vertrauen und Einmischung der Politik – CDU in der Kritik.

Ebenso wie Wegener, der jetzt im Urlaub sei, wolle er keine schmutzige Wäsche waschen. „Das war ein Prozess über Monate.“ Neben dem Wohl seiner Familie stehe das Wohlergehen der Feuerwehr für ihn im Vordergrund. Eine neue Wehrführung könne „die Chance für den Neubeginn“ sein. Doch auch dann gelte: „Politik hat in der Feuerwehr nichts zu suchen.“

Für Ärger hatte am Abend die CDU-Fraktion im Hauptausschuss gesorgt: Sie stellte einen Änderungsantrag zum aktualisierten Feuerwehrbedarfsplan, der während der Sitzung vorgestellt wurde.

Der Plan war erneut überprüft worden, nachdem es Anfang des Jahres Streit innerhalb der Ortswehren darum gegeben hatte, welche Wehr das neue Löschgruppenfahrzeug LF 10 bekommen sollte – dieser Konflikt scheint jedoch beigelegt. Jetzt aber forderte die CDU, die Ortswehr Groß Timmendorf solle fortan nur als Löschgruppe fungieren – und die Investitionsmittel für das neue Feuerwehrgeräte- und Dorfgemeinschaftshaus im Ort sollten besser in die Planungen für den Standort Timmendorfer Strand gesteckt werden. Dabei galt der Neubau von neuen Feuerwehrhäusern in Groß Timmendorf (1,2 Millionen Euro) und Hemmelsdorf (1,3 Millionen Euro) als beschlossene Sache. Je 750000 Euro Fördergeld sind zugesagt, der Baubeginn wurde jedoch wegen der Querelen um den Bedarfsplan verschoben.

„Fördergelder sind auch Steuergelder, mit denen man sorgfältig umzugehen hat“, erklärte Gudula Bauer (CDU). Scharfe Kritik kam vom SPD-Fraktionschef Jörn Eckert. Er warf der CDU vor, den „Fach- und Sachverstand der erfahrenen Feuerwehrleute“ sowie der Ordnungsamtsleiterin, die den Bedarfsplan mit aufgestellt hat, zu diskreditieren. „Sie gefährden mit Ihrem Antrag den Brandschutz in unserer Gemeinde. Darüber hinaus treten Sie den mit Steuer- und Fördergeldern bezahlten Dorfentwicklungsplan in Groß Timmendorf mit Füßen.“ Eckert verwies auf das Wahlprogramm der CDU zur Kommunalwahl 2013, in dem die Union ihren Einsatz für den Neubau eines Feuerwehr- und Dorfgemeinschaftshauses in Groß Timmendorf versprochen hat.

Daran erinnerte auch der Ex- CDU-Mann und jetzt parteilose Udo Halenza: „Die CDU hat es damals, als ich selber noch dabei war, sogar mit angeschoben, in Groß Timmendorf ein Dorfgemeinschaftshaus mit Feuerwehr zu errichten.“ Enttäuscht zeigte sich Thomas Brede, Ortswehrführer von Groß Timmendorf: „Die Motivation wird von einer Fraktion mit Füßen getreten. Wie soll man da neue Mitglieder werben?“

Letztlich wurde über den CDU-Antrag aber gar nicht abgestimmt, sondern direkt über den Feuerwehrbedarfsplan. Der Punkt „Erhalt aller Ortswehren“ wurde einstimmig abgenickt, während sich beim Neubau Hemmelsdorf drei Abgeordnete von der WUB sowie beim Neubau Groß Timmendorf die WUB sowie zwei CDU-Vertreter enthielten.

CDU-Fraktionschef Rainer Steen sagte gestern auf Anfrage, die personelle Situation in Groß Timmendorf habe sich eben anders entwickelt. „Was im Wahlprogramm richtig war, ist es in der jetzigen Situation nicht mehr.“ Zudem habe die CDU den Feuerwehrbedarfsplan erst vor etwa einer Woche bekommen. „Die Zeit war viel zu kurz.“ Den Rücktritt von Muuss kommentierte Steen mit „dafür ist er selbst verantwortlich“. Auf die Frage, „meinen Sie das im Sinne von ,selbst schuld’?“ sagte Steen: „Ja, wenn Sie das so hören wollen.“

Nach Angaben von Hatice Kara muss jetzt noch die Gemeindevertretung, die am 29. September tagt, dem Bedarfsplan zustimmen. „Wir warten zudem auf den Förderbescheid und wollen die Baugenehmigungen beantragen.“ Sie hoffe, dass es noch dieses Jahr einen symbolischen Spatenstich geben werde. „Der tatsächliche Bau wird aber erst 2017 beginnen.“ Kara betonte, dass sie den Rücktritt von Muuss und Wegener außerordentlich bedauere: „Die Gemeinde verliert eine fachlich versierte, starke Gemeindewehrführung.“ Die Nachfolge müsse nun auf einer Mitgliederversammlung geregelt werden, damit der neue Gemeindewehrführer auf der Gemeindevertretersitzung im Dezember vereidigt werden könne.

latz/jhw/rk

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