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Ostholstein Ruhetag mitten in der Saison: Personalnot verschärft sich
Lokales Ostholstein Ruhetag mitten in der Saison: Personalnot verschärft sich
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21:18 09.05.2016
Die Verbandsspitze (von links): Karsten Kahlcke (stellv. Vorstandsvorsitzender), Werner Süß (Vorstandsvorsitzender), Eberhard Rauch (Geschäftsführer), Hans-Ingo Gerwanski (Vorstandsmitglied). Quelle: pet

Urlaub in Deutschland wird immer beliebter, gerade an der Küste boomt der Tourismus. Trotzdem hat die Branche Sorgen. Denn Gastronomie und Hotels finden immer schwerer Arbeitskräfte. „In diesem Jahr ist es noch schwieriger als in den Vorjahren, eine echte Herausforderung“, berichtete gestern Hans-Ingo Gerwanski, Leiter der Arbeitskreise Tourismus und Gesundheit beim Unternehmensverband (UV) Ostholstein-Plön.

Der Verband kommt am 19. Mai zur Hauptversammlung in Lensahn zusammen. Der Vorstandsvorsitzende Werner Süß machte sich im Vorfeld noch einmal für den Bau des Fehmarnbelt-Tunnels stark. „Wir sehen unverändert gute Chancen für die Region und glauben daran, dass das Projekt umgesetzt wird“, sagte Süß bei einem Pressegespräch, zu dem die Verbandsspitze geladen hatte. Seine Sorge: Im Landtagswahlkampf könnte das Jahrhundert-Bauwerk zerredet werden. Die SPD müsse den Konflikt in ihren Reihen endlich einmal lösen, forderte Süß.

Nach Darstellung von Gerwanski gibt es zunehmend Gastronomie-Betriebe, die wegen der Personalnot zwei Ruhetage in der Woche einlegen — und das in der Saison. Der personelle Engpass ziehe sich durch die gesamte Branche, am meisten aber fehlten Köche. Süß machte für den Mangel auch das Mindestlohn-Gesetz verantwortlich. Dabei gehe es nicht um die Bezahlung. Die sei kein Problem, wohl aber die nunmehr begrenzte Höchstarbeitszeit pro Tag. UV-Geschäftsführer Eberhard Rauch fürchtet, dass die Personalnot zur Schrumpfung der Branche führen wird. Noch vor fünf Jahren seien junge Menschen aus Mecklenburg-Vorpommern zur Ausbildung nach Schleswig-Holstein gekommen. Inzwischen kämen auf einen Schulabgänger in Ostholstein oder Plön rechnerisch zwei Ausbildungsplätze, skizzierte er die Folgen der demografischen Entwicklung. Flüchtlinge und Migranten können aus Sicht des UV die Lücken allenfalls auf lange Sicht füllen, weil meist Sprachkenntnisse fehlen.

Der Unternehmensverband ist klar für die feste Fehmarnbelt-Querung, auch wenn einige seiner Mitglieder wie etwa die Reederei Scandlines zu den Kritikern zählen. „Scandlines ist ein Preisregulator für den Tunnel. Wir halten es für wünschenswert, dass die Fähren weiterfahren und es Wettbewerb gibt“, erläuterte Süß. Der Verband unterstütze deshalb die Forderung der Reederei nach gleichberechtigter Anbindung des Hafens.

Vom Tunnel verspricht sich der UV wirtschaftliche Impulse für die gesamte Region. Entlang der Trasse dürften sich neue Betriebe ansiedeln, bestehenden Unternehmen stünde zusätzlicher Umsatz ins Haus.

Karsten Kahlcke, Stellvertreter von Süß, berichtete von Dänen, die schon heute etwa in Lütjenburg ihr Auto warten oder reparieren lassen, weil es günstiger als in Dänemark sei. Mit Tunnel werde das Preisgefälle noch attraktiver.

Auch zusätzliche Touristen in der Region verspricht sich der Verband von der festen Querung. Die Zeitersparnis mache es möglich, dass eine Million zusätzliche Tagesgäste Ostholstein und den Kreis Plön ansteuern könnten. Bleibt freilich nur zu hoffen, dass bis dahin die Personalnot in in der hiesigen Gastronomie überwunden ist.

Unzufrieden ist die Interessenvertretung der Wirtschaft mit dem schleppenden Fortschritt bei der Breitband-Versorgung. „Es bewegt sich etwas, aber zu langsam“, monierte Süß und machte dafür fehlende Bundes- und Landesmittel verantwortlich. Zudem fehle die Steuerung von oben. Ohne schnelles Internet werde sich kein Gewerbe in der Fläche ansiedeln.

Großen Nachholbedarf sieht der Verband bei der Sanierung maroder Landes- und Kreisstraßen. Die öffentliche Investitionsquote müsse steigen. Statt den Landesbetrieb Straßenbau aufzustocken, empfiehlt der UV, private Planungs- und Ingenieurbüros einzuschalten. Auf dem Wunschzettel des Verbandes steht zudem ein Ausbau der B 202 von Oldenburg nach Kiel.

Der Unternehmensverband Ostholstein-Plön

Etwa 360 Mitglieder zählt der Unternehmensverband Ostholstein-Plön, meist sind es kleine und mittelständische Unternehmen mit zusammen über 15 000 Beschäftigten. Der vor 27 Jahren gegründete Verband ist damit die größte freiwillige Interessenvertretung der Wirtschaft in der Region.

Schwerpunkt nach Mitgliederzahl ist Ostholstein mit rund 250 Betrieben, 50 davon auf Fehmarn. Stark sind ebenfalls Unternehmen aus Eutin, Malente und Oldenburg vertreten.

Auf der Jahresversammlung am 19. Mai in Lensahn soll eine Veränderung der Vorstandsstruktur beraten werden. Personelle Veränderungen an der Verbandsspitze zeichnen sich nicht ab.

Von Arnold Petersen

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