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Sailaway: Alle in einem Boot – ob behindert oder gesund

Großenbrode Sailaway: Alle in einem Boot – ob behindert oder gesund

Eine Großenbroder Wassersportschule bringt behinderte und gesunde Menschen gemeinsam auf die Ostsee. Um das Angebot aufrecht zu erhalten helfen Menschen aus aller Welt - sogar aus Australien.

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Geschafft: Der Katamaran ist im Wasser, die Schüler der siebten Klasse lernen von Tobias Michelsen das Abc des Segelns.

Quelle: Fotos: Peter Mantik (3)

Großenbrode. „Ich habe mich die ganze Woche schon gefreut.“ Dieser Satz stammt von einer Schülerin der Geschwister-Prenski-Schule aus Lübeck. Und er ist keine Selbstverständlichkeit, denn die Siebtklässlerin ist im Alltag äußerst verschlossen.

LN-Bild

Eine Großenbroder Wassersportschule bringt behinderte und gesunde Menschen gemeinsam auf die Ostsee.

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Doch in dieser Woche ist alles anders. Klassenraum weicht Strand. Eine Woche lang werden keine Vokabeln oder Formeln gebüffelt, sondern in Großenbrode Segeln, Surfen und Stand-Up-Paddling gelernt.

Bei „Sailaway Watersports“ von Tobias Michelsen steht Inklusion im Mittelpunkt des Geschehens. Soll heißen: Auf dem Wasser sind alle gleich. Behinderte Schüler sind hier genauso gefordert wie gesunde. „Wir haben Rollstuhlfahrer genauso wie blinde Menschen aufs Wasser gebracht“, erklärt Michelsen, der sich mit seiner Philosophie weit von der Masse der Gesellschaft abhebt. In der Lübecker Klasse sind zwei Kinder mit Down-Syndrom sowie zwei Lernbehinderte, eine davon ist die besagte Schülerin, die oft wochenlang kein Wort spricht. Michelsen weiß: „Diese eine Woche kann ein Klassengefüge verändern.“ Der Zusammenhalt der Klasse würde gestärkt und das Selbstwertgefühl der behinderten Schüler gesteigert. „Mit einem Mal tun sie das Unmögliche“, erzählt Michelsen. Er habe schon Telefonate mit Eltern geführt, wo diese sagten: „Unser Kind ist nicht wiederzuerkennen.“

Allzu oft stößt Michelsen aber auch auf Widerstände. Beispielsweise auf Eltern, die ihren Kindern eben nicht zutrauen, auf dem Wasser zu gleiten. Es gibt weitere Hürden. Michelsen: „Wir hatten Blinde hier, die gern einen Surfschein gemacht hätten. Aber das wurde auf Verbandsebene abgelehnt.“ Dabei hätten gerade auch sehbehinderte Menschen durchaus Vorteile auf dem Wasser. „Ihr Gefühl für Wind, Welle und Gleichgewicht ist oft sehr ausgeprägt. Sie lernen schneller als Nichtbehinderte.“ Allerdings müsse immer jemand mit ihnen gemeinsam draußen sein.

Um behinderte Menschen zum Wassersport zu führen bedarf es viel Zeit und Engagement. „Deshalb ist die Wassersportschule auch nicht wirtschaftlich. Wir sind stark abhängig von ehrenamtlichen Helfern“, sagt Michelsen. Während dieser Tage ist beispielsweise Andrew aus Australien angereist. Er ist ein Freund von Sailaway Watersports und war bereits voriges Jahr für zwei Monate am Sund. „Wir haben einige Helfer und Freunde aus aller Welt. Unterstützende Hände sind aber immer willkommen“, sagt Michelsen. Die Schüler werden zusätzlich von zwei Studentinnen der Uni Kiel unterstützt und begleitet. Sie schreiben eine Projektarbeit zur inklusiven Woche. All dies helfe, damit Inklusion in der Gesellschaft stärker verankert werden könne. Die Lübecker Schüler sind noch bis Freitagnachmittag am Strand und auf der Ostsee zu erleben.

Tobias Michelsen und sein Team präsentieren sich weiter. Ob bei der Travemünder Woche (22. bis 31. Juli) oder beim Weltcup der Stand-Up-Paddler in Scharbeutz (24. bis 26. Juni). Man wolle zeigen, zu welchen Leistungen auch behinderte Menschen fähig sind. Anfang September steigt in Großenbrode dann ein Kitesurf-Camp mit Sehbehinderten und Rollstuhlfahrern . . .

DREI FRAGEN AN...

1Was sind Ihre Ziele beim Thema Wassersport und Inklusion? Es muss eine Selbstverständlichkeit werden, dass behinderte Menschen auf dem Wasser Sport treiben. Denn sie können ja alles, wenn auch mit kleinen Hilfen.

2Woran hapert es noch in der Gesellschaft? An Aufklärung. In den USA oder in Großbritannien sind sie weiter. Dort gibt es Tauchkurse für Rollifahrer und andere Angebote, die hier niemand erlauben würde. Wir reduzieren die Menschen auf ihre gesundheitlichen Schwierigkeiten. Bei uns müssten alle Wassersport-Dachverbände die Chance erkennen, aber auch der Tourismus und die Politik.

3Was wäre ein kurzfristig realistisches Ziel? Ich denke an die Travemünder Woche. Warum dort nicht eine Regatta für behinderte Menschen gemeinsam mit Gesunden initiieren. Das wäre eine ganz starke Aussage und ein wichtiges Zeichen.

 Peter Mantik

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