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Ostholstein Sana-Klinik: Jetzt schlägt der Ärztebund Alarm
Lokales Ostholstein Sana-Klinik: Jetzt schlägt der Ärztebund Alarm
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20:57 16.11.2017
Quelle: LN-Archiv/Binder
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Oldenburg

„Die Zustände in der Sana-Klinik Oldenburg zeigen, wie wirtschaftlicher Profit über die ärztliche Versorgung gestellt wird“, kritisiert Dr. Henrik Herrmann, Vorsitzender des Marburger Bundes Schleswig-Holstein. Die ärztlichen Mitarbeiter der chirurgischen Abteilung in Oldenburg seien an den Marburger Bund herangetreten, um Unterstützung für ihre Anliegen zu erhalten, so Herrmann weiter.

Politik

Ein Treffen der Sana- Geschäftsführung mit den Fraktionsvorsitzenden Ostholsteins findet am Dienstag, 21. November, statt.

Die SPD-Fraktion hat für die Kreistagssitzung am 5. Dezember beantragt, den Punkt „Gesundheitsstandorte im Nordkreis – Sana-Kliniken“ auf die Tagesordnung zu setzen.

Unzufriedenheit herrsche darüber, dass ärztliches Personal immer häufiger aus der Freizeit rekrutiert werden müsse, dass für chirurgische Notfälle kein OP-Team aufgestellt werden könne.

Die Geschäftsführung sowie die Chefärzte der Sana-Klinik zeigen sich verwundert über den Zeitpunkt des Briefes der Chirurgen. „Im Sinne der Beschäftigten unseres Krankenhauses bedarf es eindeutiger Regelungen zur Entlastung. Und deshalb haben wir im Oktober dieses Jahres mit den Chefärzten der chirurgischen Abteilungen abgestimmt, wie eine eindeutige Regelung zur notwendigen Versorgung von Patienten aussehen soll“, betonen Geschäftsführer Klaus Abel und der Ärztliche Direktor Dr. Andreas Jakobeit in einer gemeinsamen Stellungnahme.

Doch auch der Betriebsrat hält die Lage am Standort für dramatisch und beklagt zu viele offene Fragen. Und vieles scheint auf dem Prüfstand zu stehen. Derzeit gibt in der Anästhesie wochentags ab 16 Uhr und am Wochenende einen Bereitschaftsdienst (vor Ort). Obwohl ein Arbeitsgerichtsurteil aus diesem Jahr anders lautete, habe nach Informationen der LN die Klinik wieder am Betriebsrat vorbei einen Rufdienst (nicht vor Ort) ab 1. Januar geplant. „Dies ist jetzt wieder zurückgezogen worden“, sagt allerdings Gesamtbetriebsratsvorsitzende Beate Fleischmann.

„So steht jetzt eigentlich für die Anästhesie gar nichts mehr fest. Die Kollegen sind im Unklaren“, betont Fleischmann. Es wabere sogar das Gerücht durchs Haus, so Fleischmann, dass der Anästhesie- Dienst zum beschriebenen Zeitpunkt ganz eingestellt werden solle. „Wenn es keinen Rufdienst gibt, gibt es eine Bereitschaft. Denn irgendeinen Dienst muss und wird es geben“, sagt Kliniksprecher Michael Hesse auf LN-Anfrage.

„In den zurückliegenden Jahren haben wir stark in den Standort Oldenburg investiert und notwendige wie auch wichtige Umstrukturierungsmaßnahmen eingeleitet. So sehr die Veränderungen greifen, so ist uns auch bewusst, dass sie auch auf Widerstand stoßen“, argumentieren Geschäftsführung und Ärztlicher Direktor. Es werde generell immer weniger in Oldenburg operiert, die Belastungen gerieten aus den Fugen, entgegnet die Gesamtbetriebsratsvorsitzende dieser Aussage.

„Als Ärztegewerkschaft motivieren wir das Krankenhauspersonal, sich gegen die Zustände zur Wehr zu setzen. Ein gutes Mittel ist das Schreiben von Gefährdungsanzeigen“, erläutert Dr. Herrmann. Und die öffentliche Diskussion scheine Wirkung zu zeigen, so Fleischmann. Gestern habe es eine externe Stellenausschreibung für Chirurgen gegeben.

 Markus Billhardt

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