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Ostholstein Sana-Verkauf: Kreis fühlt sich übergangen
Lokales Ostholstein Sana-Verkauf: Kreis fühlt sich übergangen
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07:08 25.10.2018
Das Eutiner Kreishaus: Am Dienstag berieten hier die Mitglieder des Kreis-Hauptausschusses über den Verkauf der Sana-Kliniken an die Schweizer Ameos-Gruppe. Quelle: Louis Gäbler
Eutin

Ostholsteins Kreistagsabgeordnete sind „auf Zinne“: Über den Verkauf der Ostholsteiner Sana-Kliniken (Fehmarn, Oldenburg, Eutin und Middelburg) an die Schweizer Ameos-Gruppe waren sie nicht im Vorfeld unterrichtet worden. Und das, obwohl der Kreis Ostholstein mit 5,2 Prozent Anteilseigner ist und Sana noch im Sommer eine Verbesserung der Kommunikation feierlich gelobt hatte.

„Die Kreistagsmitglieder haben erst am Montagnachmittag über die Medien davon erfahren. Ein Unding!“, sagte Timo Gaarz (CDU), Vorsitzender des Haupt- und Finanzausschusses, sichtlich verärgert am Dienstagabend im Kreishaus. Gaarz weiter: „Von einer Verbesserung der Informationspolitik, die Sana gelobt hatte, ist nichts eingehalten worden. Die Selbstverwaltung wurde völlig ignoriert. In diesem Punkt ist sich Sana bis zum Schluss treu geblieben.“

Der Verkauf der Kliniken war kurzfristig auf die Tagesordnung gesetzt worden. Eigentlich hätte der Haushaltsentwurf 2019 im Mittelpunkt stehen sollen. Doch die aktuellen Ereignisse warfen die Tagesordnung über den Haufen. Landrat Reinhard Sager (CDU) fasste für die Abgeordneten noch einmal zusammen, was sie bereits aus den Tageszeitungen wussten: „Vorbehaltlich der kartellrechtlichen Zustimmung veräußert Sana seine Anteile – 94,8 Prozent – zum 1. Januar 2019 an die Ameos-Gruppe.“ Da er für den Kreis Ostholstein Mitglied des Aufsichtsrates ist, sei er nur kurz zuvor informiert worden. Die wichtigsten Fakten der vergangenen zwei Tage für ihn seien: Ameos übernimmt alle Beschäftigten, tritt in alle Rechte und Pflichten ein und werde die Eutiner Klinik sanieren. In diesem Zusammenhang verwies Sager darauf, dass auch die Großküche der Klinik in Lensahn zum Verkaufspaket zähle.

Kampf um Pflegepersonal und Ärzte

Sager hofft darauf, dass die Belegschaft insgesamt mitziehe, denn „der Kampf um Pflegepersonal und Ärzte hat auch in Ostholstein längst begonnen – und was nützt eine Klinik ohne hervorragende Belegschaft“.

Der Landrat erinnerte zudem an das jüngst präsentierte Gesundheits-Gutachten, wonach die Zukunft der drei Klinik-Standorte Eutin, Oldenburg und Neustadt (Schön-Klinik) gesichert sei. Über die Klinik auf Fehmarn, die eventuell zum Ärztezentrum degradiert werde, sagte er: „80 Prozent der Patienten von der Insel, die einen Klinikaufenthalt benötigen, fahren sowieso aufs Festland.“ Zu der Zukunft der Fehmaraner Einrichtung wolle sich das Gesundheits-Ministerium in Kiel in den kommenden Monaten äußern. Sager abschließend: „Wir sind froh über das Kieler Gutachten, das ein ,echtes Pfund’ für Ostholstein ist.“

Hoffen auf einen guten Neustart

Ihren Unmut über das Sana-Verhalten äußerten auch die Fraktionschefs der anderen Parteien – Burkhard Klinke (SPD) und Dr. Joachim Rinke (FDP) ebenso wie Monika Obieray (Grüne). Sie brachte den Vorschlag ein, Ameos-Vorstandsmitglied Michael Dieckmann zur Februar-Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses ins Kreishaus einzuladen. Dieser wird am 12. Februar 2019 ab 17 Uhr tagen. In diesem Rahmen wolle man sich gegenseitig kennenlernen – außerdem erhoffen sich alle eine von Anfang an bessere Zusammenarbeit als mit Sana.

Louis Gäbler

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