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Ostholstein Sana sperrt Betten in der Notaufnahme
Lokales Ostholstein Sana sperrt Betten in der Notaufnahme
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10:43 17.05.2017
Die Sana-Kliniken Ostholstein mit den Standorten Eutin (im Bild), Oldenburg und Fehmarn haben 800 Mitarbeiter, davon rund 200 Ärzte. Quelle: Foto: Latzel

Patienten, die dort bisher stationär aufgenommen worden seien, würden nun direkt in den Stationen 3 und 4 untergebracht. Auch Flurbelegungen seien zu akzeptieren, zitiert Verdi aus einer Anordnung der Geschäftsführung der Sana-Kliniken. „Die Stationen sind eh schon hoffnungslos überlastet, durch die Bettensperrungen verschärft sich diese Situation noch mehr“, bemängelte gestern Christian Wölm, Gewerkschaftssekretär für den Bereich Gesundheit im Verdi-Bezirk Lübeck/Ostholstein.

Sana wies die Vorwürfe umgehend und entschieden zurück. „Bei uns herrscht kein Pflegenotstand“, konterte Geschäftsführer Klaus Abel. Aktuell gebe es auch keine Flurbelegung. Alle Pflegestellen der Sana-Klinik Eutin seien derzeit besetzt, seit Mai 2015 würden sogar alle Bewerbungen auf freie Stellen sowie Initiativbewerbungen angenommen. Zudem bekämen Auszubildende der Klinik Eutin weiterhin ein halbes Jahr vor der Prüfung eine Zusage für eine Stelle. „2017 lag die Besetzung der Pflegestellen in allen bisherigen Monaten deutlich über dem Stellenplan“, sagte Abel. Er bestätigte aber, dass sich Geschäftsführung und Direktion darauf geeinigt hätten, die schwach ausgelasteten Bereiche der Aufnahmestation bei der Notaufnahme zu sperren, um auf anderen Stationen mit Personal auszuhelfen.

Grund seien Beschäftigungsverbote für Schwangere, krankheitsbedingte Ausfälle und kurzfristige Kündigungen.

Wölm zeichnete ein dramatischeres Bild. Er verwies auf mindestens zehn Gefährdungsanzeigen vom Pflegepersonal in den Stationen 3 und 4 seit Anordnung der Betten-Sperrung. Mit solchen Anzeigen mache das Personal deutlich, dass eine verantwortungsvolle Pflege nicht mehr möglich sei. Die Pflegekräfte seien dann nicht mehr haftbar. Nach Angaben von Wölm gab es im vergangenen Jahr 399 Gefährdungsanzeigen, seit Anfang diesen Jahres 150 – für den Verdi-Sekretär ein klares Anzeichen, „dass die Sana-Klinik Eutin definitiv ein Problem mit der Belastung des Personals hat“.

Im Übrigen sei die Bettensperrung überhaupt nicht nötig gewesen. Die von der Geschäftsführung zur Begründung angeführte dünne Personaldecke hätte über Leiharbeitsfirmen kurzfristig aufgestockt werden können. „Aber man will offensichtlich kein Geld für die Entlastung des Personals in die Hand nehmen, sondern verschärft die Situation lieber“, argwöhnte Wölm.

Der Gewerkschafter verwies zudem auf Berichte aus der Belegschaft, wonach das Konzept der Flurbelegung – abgesehen von der unangenehmen Situation für die Patienten – auch wegen mangelnder technischer Ausstattung nicht funktioniere. „Die Funkklingeln, die dafür eingesetzt werden sollen, haben eine zu geringe Reichweite und sind auch nicht in ausreichender Zahl vorhanden“, sagte Wölm.

Abel machte deutlich, dass die Betten-Sperrung in der Notaufnahme keineswegs von Dauer sein soll. Sie werde täglich neu überprüft. „Sobald die ausgefallenen Mitarbeiter wieder gesund oder aus dem benötigten Überstundenabbau zurück im Dienst sind, werden die teilweise gesperrten Bereiche der Notaufnahme und weitere Betten im Haus wieder permanent geöffnet“, versicherte der Sana-Geschäftsführer. Eine Flurbelegung werde nur ausnahmsweise vorgenommen, um die ärztliche und pflegerische Versorgung weiterhin in hoher Qualität sicherzustellen.

Wölm räumte zwar auf Anfrage ein, dass sich aufgrund der demografischen Entwicklung der Wettbewerb um Pflegekräfte verschärfe und auch der Politik Versäumnisse vorzuwerfen seien. Die gesetzlich vorgegebene Personalbemessung könne nur funktionieren, wenn auch die Finanzierung sichergestellt sei. Dennoch: Auch Sana müsse attraktivere Arbeitsbedingungen schaffen. Wölm: „Die Antwort auf Personalmangel kann doch nicht lauten, den Stress noch zu verstärken.“

Die Gewerkschaft wandte sich auch an den Kreis als Minderheitsgesellschafter von Sana und die Kreistagsfraktionen. CDU-Fraktionschef Timo Gaarz äußerte sich „irritiert“ über die Deutlichkeit der Verdi-Wortmeldung. Das werfe Fragen auf. Die von der Gewerkschaft beschriebene Situation bedürfe der Aufklärung. Für die SPD-Fraktion erklärte der Vorsitzende Burkhard Klinke: „So hat sich keiner im Kreis Ostholstein die Privatisierung des früheren Kreiskrankenhauses mit seinen Folgen vorgestellt, wie sie jetzt zutage getreten sind.“ Auf dem Rücken der Beschäftigten sollten die Renditen gesteigert werden. Die SPD bittet Landrat Reinhard Sager um einen Bericht zur Sozialausschuss-Sitzung am 23. Mai und will auch die Sana-Geschäftsführung laden.

 pet

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