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Ostholstein Sankt Martin reitet beim Laternenumzug auf einem Pferd voran
Lokales Ostholstein Sankt Martin reitet beim Laternenumzug auf einem Pferd voran
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22:16 08.11.2013
Auch in diesem Jahr ist Martin Picht (43) als St. Martin in Eutin dabei. Wie 2012 kommt er auf „Dakar noir“ zum Laternenumzug. Quelle: Wilhelm Hasse
Eutin

„Dakar noir“ scheint ein Genießer zu sein. Mit halb offenen Augen steht der schwarze Wallach völlig entspannt vor seinen Stall, während Martin Picht (43) ihn langsam sauberstriegelt. Seit 15 Jahren sind die beiden ein Team — und als solches am Montag wieder beim Martinsumzug in Eutin dabei. Dann reitet Picht, der als Beamter für die Stadt Eutin arbeitet, dem abendlichen Laternenumzug auf seinem Pferd voran.

Bevor es aber so weit ist, wird „Dakar noir“ am Montag gleich zweimal geputzt. „Einmal mittags und dann nochmal kurz vorm Umzug“, sagt Picht. Und eine Schweif-Wäsche gibt es gleich dazu. Schließlich solle der Wallach dann auch schön aussehen. So wie in den vergangen Jahren. Zum elften Mal ist das 18-jährige Pferd in diesem Jahr dabei. Picht selbst noch viel länger. „Puh, ein Vierteljahrhundert mach ich das nun schon. Allerdings mit Unterbrechungen“, erinnert sich der Eutiner. 17 oder 18 sei er gewesen, als er zum ersten Mal in die Rolle des Heiligen geschlüpft sei und den Umzug auf dem Pferd begleitet habe. Der damalige Pastor Lutz Tamchina habe eine befreundete Familie gefragt, bei der er immer geritten ist — so kam Martin Picht zu seiner besonderen Rolle.

Und die beschränkt sich nicht nur aufs Mitreiten. Im Anschluss an den Laternenumzug wird Picht zusammen mit einem Konfirmanden auf dem Platz vor der Landesbibliothek die berühmte Tat Sankt Martins nachstellen: Als junger Soldat begegnet dieser im Jahr 334 an einem Wintertag einem Bettler und teilte spontan seinen Offiziersmantel mit dem frierenden Mann. Diese Handlung, das Teilen, ist es auch, was Picht an seiner alljährlichen Aufgabe begeistert. „Das hat ja eine Botschaft. Das kann ruhig weitergetragen werden, dass die Menschen umsichtig sein sollen und freundlich miteinander umgehen“, meint er. Für Bestrebungen, die Martinsumzüge abzuschaffen, hat der Eutiner daher auch kein Verständnis. Schließlich seien sie auch Kulturgut, eine lang gewachsene Tradition. Und die kommt bei den Kindern an. Die Kleinen seien immer wieder begeistert, sagt Picht und erzählt stolz von seinem schönsten Moment als Sankt Martin: „Einmal hat ein Kind, als es mich entdeckt hat, gesagt: ,Den gibt es ja wirklich.‘“

Solange „Dakar noir“ gesund sei, und er natürlich auch, möchte Picht daher den Martinsumzug auch in den nächsten Jahren begleiten. Damit dabei alles gut klappt, erhält Picht Unterstützung von der Polizei, die unter anderem dafür sorgt, dass die Kinder genug Abstand zum Pferd halten. „Er ist sehr ausgeglichen, total lieb und artig“, sagt Picht, während er den Kopf des Wallachs bürstet, der fast gelangweilt wirkt. Dennoch bleibe ein Restrisiko, auch wenn er das Reiten im Dunkeln und im Verkehr regelmäßig trainiere, so Picht. Bislang sei aber immer alles gut gelaufen. „Wenn er das so toll macht wie in den vergangenen Jahren, gibt es auf jeden Fall eine Belohnung“, verrät der Eutiner. Äpfel und Karotten sind schon gekauft.

Umzüge in der Region
Dem Heiligen Martin von Tours zu Ehre finden am Montag, 11. November, mehrere Laternenumzüge zum St. Martinstag statt. Hier eine Auswahl aus der Region:

In Eutin feiern die evangelische und die katholische Kirchengemeinde gemeinsam. Beginn ist um 17 Uhr in der katholischen Marienkirche in der Plöner Straße. Von dort führt der Laternenumzug durch die Stadt zur evangelischen Michaeliskirche am Markt. Sankt Martin begleitet den Umzug auf einem Pferd. Anschließend sind alle Teilnehmer zum Martinsschmaus ins Gemeindehaus eingeladen. Mitzubringen ist ein Trinkbecher.

Quer durch Niendorf machen sich die Besucher des Martinsumzuges ab 18 Uhr mit Laternen auf den Weg. Von der Petri- Kirche ziehen sie über eine Strecke von 1,5 Kilometern zum Hafen.
Angeführt wird der Zug von Bettina Fritsch als Santa Martina auf ihrem Pferd sowie dem Blasorchester Engelauer. Zuvor wird ab 17 Uhr in der Kirche eine Inszenierung der Geschichte vom Offizier Martin gezeigt. Begleitet wird die Aufführung von den Kinderchören der Kirchengemeinde Niendorf und den Sereetzer Spatzen. Zum Abschluss gibt‘s Stockbrot von Karl‘s Erlebnishof sowie Getränke, Glühwein und Würstchen vom Fremdenverkehrsverein.

In Malente veranstaltet der Dorfschaftsverein Benz ab 18 Uhr einen Martinsumzug, begleitet von Sankt Martin auf dem Pony. Treffpunkt ist der Gasthof „Benzer Hof“, Flehmer Straße 1 in Malente (Benz). Der Zug geht durch das Dorf und endet vor der Alten Schule, wo dann Sankt Martins Geschichte erzählt wird.

Auch die Kirchengemeinde Sarau veranstaltet gemeinsam mit der Grundschule und dem Kindergarten einen Martinsumzug. Treffpunkt ist um 16.30 Uhr in der Kirche, wo Pastor Arne Kutsche die Geschichte von Sankt Martin erzählt. Im Anschluss geht es, begleitet von Ross und Reiter, durch die Gemeinde. Der Umzug endet wieder an der Kirche, wo der Martinstag bei heißen Getränken ausklingt.

Britta Kessing

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