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Ostholstein Scandlines: „Wir sind keine Polizei, sondern eine Reederei“
Lokales Ostholstein Scandlines: „Wir sind keine Polizei, sondern eine Reederei“
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09:30 10.12.2015
Sommer-Boom auf der Vogelfluglinie in Puttgarden: Scandlines wehrt sich dagegen, künftig von Millionen Passagieren die Einreisedokumente nach Dänemark zu kontrollieren. Quelle: Schwennsen
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Puttgarden

In Puttgarden boomt im Portcenter das für Scandlines lukrative Weihnachtsgeschäft. Trotzdem herrscht seit einigen Tagen bei der Reederei große Aufregung.

Der Grund: Dänemark will — als Reaktion auf den anhaltenden Flüchtlingszustrom — seine Grenzkontrollen verstärken. Das trifft auch die Vogelfluglinie. Auf der Route Puttgarden—Rødby droht ein Engpass. Denn die Reederei befüchtet, dass sie schon bald die Einreisedokumente ihrer Fährschiff-Passagiere kontrollieren muss. Bei allem Verständnis für die Maßnahmen betont Reederei-Sprecherin Anett Ustrup Svendsen (Kopenhagen): „Die Reederei will und kann keine Polizeiarbeit auf der Vogelfluglinie leisten.“

Noch ist das neue Gesetz, das derzeit von der Ministerin für Ausländer, Integration und Wohnungsbau, Inger Støjberg (Venstre), in Kopenhagen vorbereitet wird, gar nicht verabschiedet. Doch Scandlines geht von einer „sehr schnellen Umsetzung“ aus. Und fürchtet vor allem den Passus „Haftung für Beförderungsunternehmen“: Danach müsste Scandlines, so die große Sorge bei der Reederei, Millionen Passagiere bei der Einreise kontrollieren.

„Wir können doch nicht von einem auf den anderen Tag Polizeiaufgaben übernehmen“, beschwört Anette Ustrup Svendsen. Die Reederei sei aber gerne bereit, die dänischen Behörden zu unterstützen.

Konkret: Im Fährhafen Rødbyhavn könnte wieder die Möglichkeit von regelmäßigen Grenzkontrollen geschaffen werden — wie bereits vor 52 Jahren bei der Eröffnung der Vogelfluglinie. Jahrzehntelang gab es danach in Puttgarden und Rødby permanente Grenzkontrollen. Mit dem Schengen-Abkommen fielen sie weg.

Die Reederei hat ihre Bedenken im zuständigen Ministerium in Kopenhagen eingereicht. Sie führt vor allem zwei Gegenargumente an. Erstens: „Uns fehlen geschulte Mitarbeiter. Denn wir sind keine Polizei, sondern eine Fährreederei.“ Sollte Scandlines diese einstellen müssen, kämen enorme Kosten auf die Reederei zu.

Zweitens: Sollte Scandlines sechs Millionen Passagiere im Jahr kontrollieren müssen, gefährde das den Halbstunden-Takt auf der Fährlinie. In der Hauptsaison drängen bis zu 1000 Passagiere während der gerade mal 15-minütigen Liegezeit an Bord. Sie alle zu kontrollieren, „geht schief“, so Svendsen: „Denn das kostet Zeit und Kundschaft. Kommt es dadurch zum dauerhaften Stau, suchen sie sich andere Transportwege.“ Bislang ermittelt die Reederei lediglich die Anzahl der Passagiere, die pro Abfahrt an Bord gehen. Das geschieht automatisch am Ticketschalter bei der Buchung.

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Gerd-J. Schwennsen

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