Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Ostholstein Schätze aus der Vergangenheit
Lokales Ostholstein Schätze aus der Vergangenheit
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:38 17.01.2017
Diese Aufnahme der Kurpromenade stammt aus der Zeit zwischen 1965 und 1970, schätzt der Timmendorf-Kenner Dr. Heiner Herde. Hinter den dichten Bäumen links liegt die Trinkkurhalle. Das in das Bild hineinretuschierte FKK-Pärchen habe sich auch auf anderen Ansichtskarten herumgetrieben, weiß er – unter anderem sollen die freizügigen Zeitgenossen auch auf einem Foto auf der Niendorfer Seebrücke herumspaziert sein . . . REPROS/FOTO: S. LATZEL

An der Außenwand des ehemaligen Timmendorfer Schwimmbades befanden sich Vertiefungen, mithilfe derer es sich die Wand hochklettern ließ. Dann die Schiebefenster im ersten Stock beiseite geschoben – und frei war der Weg zu einem verbotenen nächtlichen Bad, dort, wo heute das Sealife-Center steht. Diesen Trick kennt mittlerweile auch Melanie Zühlke – nicht, weil sie ihn in ihren Jugendjahren selbst ausprobierte, sondern weil der Leiterin des Timmendorfer Archivs diese Geschichte erzählt wurde, diese und viele weitere. Seit das Archiv im vergangenen Jahr im Strohdachhaus eröffnet wurde, sind zahlreiche Besucher vorbeigekommen: Einige, die etwas suchten, und andere, die etwas brachten.

Zur Galerie
Im Timmendorfer Gemeindearchiv sind schon zahlreiche Kostbarkeiten abgegeben worden.

Zu Letzteren zählt eine Dame, deren Familie in sechster Generation in Timmendorf Urlaub macht, berichtet Melanie Zühlke. „Sie hat uns etwa 400 Ansichtskarten aus Timmendorfer Strand und Niendorf geschenkt“, sagt die Kulturwissenschaftlerin, „die sind in Jahrzehnten gesammelt worden.“ Wunderbare Fundstücke sind darunter, wie etwa eine überraschend schmucklose Aufnahme vom Findling mit der Inschrift „Misdroyer Blick“. Ein Strand voller Sandburgen oder vielmehr Sandwälle, die das Territorium rund um jeden Strandkorb streng abgrenzen. Eine Ansicht des Timmendorfer Platzes von 1960 und, Potzblitz, ein mit 70er-Jahre-Technik in eine Foto der Promenade gezaubertes nacktes Pärchen.

Die Karten werden geordnet, erklärt Melanie Zühlke, und als Sammlung zusammengefasst. Archiviert werden auch die anderen Andenken – Eintrittsbilletts von 1916, alte Prospekte, ein Etikett vom „Timmendorfer und Niendorfer Prosecco“ oder auch das „Fremdenbuch“ einer Zimmervermittlung von 1954. Darin verewigten sich die Gäste unter Angabe ihres Berufes, und so finden sich nicht nur der Herr „Oberregierungsrat“ und der „Dr. med. dent.“, sondern auch aus Hamburg ein „Lebenskünstler“ nebst „Musterehefrau“.

Geschichten werden meist dazu geliefert. Ein populärer Streich bestand demnach darin, in den einstigen Springbrunnen auf der Kurpromenade eine Chemikalie und Spülmittel zu füllen, um bergeweise roten Schaum zu erzeugen, so Melanie Zühlke. Oder: „Eine Frau hat erzählt, wie sie damals auf Weisung des Strandkorbvermieters die Wassertemperatur an der Seebrücke messen sollte und so ihren späteren Mann kennengelernt hat.“ Lustig und positiv seien die Erinnerungen, findet die Archivarin, „da macht es Spaß, sich auszutauschen“.

Selbst hat Melanie Zühlke auch etwas gesammelt: Zahlen und Fakten aus dem ersten Jahr des Archivs, das seit Juli 2016 zweimal wöchentlich für die Allgemeinheit geöffnet ist. 150 Kontakte – Anrufe, Besuche, Schenkungen – gab es seither, zwei Ausstellungen und acht Führungen durch das Alte Rathaus. 600 Fotos wurden dem Archiv geschenkt, und dazu insgesamt 700 Ansichtskarten. Diese Mengen muss Melanie Zühlke nicht allein bewältigen: Fünf ehrenamtliche Helferinnen und Helfer unterstützen sie, scannen beispielsweise Fotos ein oder ordnen Sammlungen.

Die suchenden Archiv-Besucher spürten Belegen zur Familiengeschichte nach, berichtet die Archivarin, „etwa wenn der Urgroßvater ein Café oder ein Geschäft im Ort hatte“. Urlauber wollten wissen, wie sich der Ort verändert hat. Ein Student erforschte die Architektur der Sommerhäuser im Wandel der Zeit, bei einem anderen Projekt ging es um die Tagung der „Gruppe 47“ im Jahr 1952 in Niendorf.

Weiteres Material sei willkommen, betont Melanie Zühlke. Besonders begehrt seien Fotos aus den 1960er- und 1970er-Jahren: „Viele Besucher fragen nach Bildern aus dieser Zeit“

– beispielsweise nach Aufnahmen von Schulgebäuden, von der Kneipe „Seepferdchen“ oder von dem Floß, das einst zwecks Würstchenverkauf vor dem Strand auf und ab gondelte. „Generell gilt: Wer etwas aus der Geschichte von Timmendorf und Niendorf gesammelt hat und es in gute Hände geben will, ist bei mir richtig“, meint Melanie Zühlke lächelnd. Und wenn dazu weitere muntere Anekdoten die Runde machen – umso besser. latz

Forschen im Strohdachhaus

Geöffnet ist das Gemeindearchiv Timmendorfer Strand im Strohdachhaus (Saunaring) montags und donnerstags von 10 bis 11 Uhr sowie nach Vereinbarung.

Die Einsichtnahme ist kostenlos, Kopien und Reproduktionen kosten zwischen 50 Cent und fünf Euro. Die Archivleiterin Melanie Zühlke ist vormittags unter Telefon 04503/70358

19 oder aber unter der E-Mail-Adresse m.zuehlke@gemeindearchiv.org zu erreichen.

Weitere Informationen stehen auch im Internet auf der Seite

www.gemeindearchiv.org bereit.

LN

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

NOTRUF Feuerwehr/Rettungsdienst: ☎ 112 Polizei: ☎ 110 Feuerwehr: 112 Krankentransport/Rettungsdienst: 045 21/19222 Ärztlicher Bereitschaftsdienst außerhalb ...

17.01.2017

Vorarbeiten für neue Ortsmitte beginnen.

17.01.2017

Experte kommt heute nach Fehmarn – Auch ältere Weltkriegs-Teilnehmer fühlen sich bis heute belastet.

17.01.2017
Anzeige