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Ostholstein Scharbeutz: Mekka der Millionäre
Lokales Ostholstein Scharbeutz: Mekka der Millionäre
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11:29 23.10.2017
Einen Hauch vom Milliardärs-Paradies an den Stränden der Hamptons (Long Island) vermittelt das Restaurant Hamptons in Scharbeutz. Quelle: Peyronnet
Ostholstein

Das durchschnittliche Einkommen der Scharbeutzer ist das höchste im Kreis Ostholstein. Gründe dafür sind entweder eine hohe Millionärsdichte, die den Schnitt nach oben zieht, oder eine große Zahl an gut verdienenden Einwohnern. Entscheidend ist immer, dass der erste Wohnsitz in der jeweiligen Gemeinde liegt.

Die Statistik ist überraschend: Die am besten verdienenden Ostholsteiner wohnen in Scharbeutz. Auf Platz zwei folgen Stockelsdorf, Timmendorf und Kasseedorf. Das sagt die Auflistung des Statistikamtes Nord, die Zahlen aus den Steuererklärungen bis 2013 heranzieht. Neuere Zahlen liegen noch nicht vor.

Niedriglohnkreis

2516 Euro brutto verdienten die Ostholsteiner nach Angaben der Agentur für Arbeit im Durchschnitt im Jahr 2016. Der Bundesdurchschnitt liegt bei 3084 Euro.

Der Akademiker-Anteil in Ostholstein liegt mit 7,2 Prozent ebenfalls weit unter dem Bundesdurchschnitt (14,7 Prozent).

Was die Millionärsdichte angeht, dürfte Scharbeutz ganz vorne liegen, was sich aber nicht wirklich verifizieren lässt. Ein Scharbeutzer Unternehmer bietet als Erklärung an, dass viele Unternehmer aus dem als viel reicher geltenden Timmendorfer Strand in Scharbeutz wohnen. „Die wirklichen Timmendorfer wohnen dort nicht mehr in der ersten Reihe, die kommen lieber nach Scharbeutz, wo es viele gute Wohnlagen gibt“, sagt der Mann, der nicht auf jeden Cent schauen muss. „Man wohnt in Scharbeutz zurückgezogen, nicht so offensichtlich, ist ab vom Trubel, und es ist trotzdem wunderschön.“

Fred-Michael Pätau, Dorfvorsteher von Scharbeutz, bestätigt diese Einschätzung. Es gebe durchaus einige Timmendorfer, die in Scharbeutz wohnen. Hinzu kämen ein paar Prominente, die in Scharbeutz leben, und andere, die das wollen, aber keine adäquaten Immobilien fänden. „Ich kenne fünf, sechs, sieben, die eine gute Rente oder ein gutes Einkommen haben und hier leben.“ Wo das Geld stecke, könne man manchmal an den Autos sehen, aber auch, wenn man mit offenen Augen durch den Ort gehe. Zudem weiß Pätau von „astronomischen Vorstellungen“ bei Grundstückspreisen. „Da spielt eine Million keine Rolle.“

Pätau richtet den Blick aber auch auf diejenigen, die wenig verdienen. „Die Schere zwischen Arm und Reich klafft in der Gemeinde auseinander. Es gibt wie überall immer weniger bezahlbaren Wohnraum“, sagt er.

Die Kaufkraft der Reichen spüren die Geschäfte. „Die Lokalitäten werden sehr gut angenommen, selbst wir merken diese neuen Kunden“, sagt der Friseurmeister Pätau. „Die Millionäre nützen uns nicht allzu viel“, sagt dagegen Volker Bensch, Kämmerer der Gemeinde Scharbeutz. Denn beim Gemeindeanteil an der Einkommenssteuer gebe es eine Kappungsgrenze nach oben und nach unten. Die vielen Gutbetuchten, die sich in Scharbeutz eine Zweitwohnung leisteten, füllten kaum die Gemeindekassen. Die Zweitwohnungssteuer richte sich nach dem Mietwert der Wohnung, nicht nach dem Einkommen des Besitzers.

Dass es auch in Stockelsdorf Bürger mit einem siebenstelligen Kontostand gibt, könnte gut möglich sein. Doch dass Stockelsdorf sich in dieser Statistik gleich hinter Scharbeutz auf derselben Stufe wie Timmendorfer Strand und überraschenderweise vor der als wohlhabend geltenden Stadt Bad Schwartau wiederfindet, hat laut Bürgermeisterin Brigitte Rahlf-Behrmann (parteilos) einen anderen Grund: eine seit Jahren wachsende Gruppe „der gehobenen Mittelschicht“. Stockelsdorf sei eine attraktive Gemeinde, die durch ein Baugebiet nach dem anderen in den vergangenen Jahren gewachsen ist. Dazugezogene sind vorrangig Familien mit relativ guten Doppeleinkünften.

 Susanne Peyronnet und Doreen Dankert

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