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Ostholstein Überfall auf Post: Angeklagter bestreitet Tat
Lokales Ostholstein Überfall auf Post: Angeklagter bestreitet Tat
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16:37 13.02.2019
Das Bild entstand 2017 kurz nach dem Überfall auf die Postfiliale in Scharbeutz. Quelle: LN-Archiv
Eutin/Scharbeutz

Zwei Jahre nach einem offenbar vorgetäuschten Raubüberfall auf eine Scharbeutzer Postfiliale hat am Mittwoch der Prozess gegen den damaligen Betreiber begonnen. Der 53-Jährige stritt gleich zu Beginn der Verhandlung vor dem Eutiner Schöffengericht sämtliche Vorwürfe ab, sprach stattdessen von zwei maskierten Männern mit Schusswaffen. Eben diese Version hatte Anfang 2017 für Aufregung in der Gemeinde gesorgt. Dorfvorsteher Fred-Michael Pätau kommentierte damals: „Damit kommt die Kriminalität jetzt wohl immer weiter in den ländlichen Raum hinein.“ Ihm mache das Angst.

Kripobeamte hatten schnell Zweifel

Doch was ist dran an den Schilderungen des Angeklagten? Ein als Zeuge geladener Kripobeamter berichtete detailliert, dass ihm und seinen Kollegen schnell Zweifel gekommen seien. Demnach hätten sie den 53-Jährigen kurz nachdem er den Überfall bei der Polizei gemeldet hatte sowie später auf der Dienststelle befragt. „Wir haben den Tatortbereich umfangreich abgesucht und die Fluchtrouten ebenso. Wir haben nichts gefunden, was die Tat bestätigen konnte“, sagte der Polizist. Zudem hätten zum Tatzeitpunkt anwesende Mitarbeiter des ebenfalls in dem Gebäude befindlichen Baumarktes nichts beobachtet, obwohl sie die Filiale im Blick hatten. „Die Zeugen hätten etwas sehen müssen. Irgendetwas konnte nicht stimmen“, sagte der Mann von der Kriminalpolizei Eutin rückblickend.

Der mutmaßliche Täter hatte zuvor ausgesagt, die Räumlichkeit am 11. Januar 2017 gegen 6.50 Uhr betreten zu haben. Er habe Aufräumarbeiten erledigt und sei mit einem Gelben Sack voll Pfandflaschen an der Tür des Nebeneingangs von zwei Männern abgefangen worden. Diese hätten ihm einen Zettel vors Gesicht gehalten, auf dem das Wort Überfall stand. Den Alarmknopf habe er aus Angst nicht gedrückt. „Warum soll ich mich der Gefahr aussetzen? Ich habe das Geld ausgehändigt. Ich war aufgeregt“, sagte er. Laut Oberstaatsanwalt Dirk Hartmann sollen etwa 55 000 Euro in Scheinen erbeutet worden sein. Ob die Summe korrekt ist, gelte es noch zu klären.

Täter blieben angeblich draußen

Für Verwunderung sorgte vor Gericht, dass der Angeklagte zwar nicht den am Tresen befindlichen Alarmknopf drückte, jedoch während des Überfalls die Alarmanlage des Tresorraums mit einem Schlüssel in Höhe seines Kopfes ausschaltete. Der Angeklagte begründete dies erneut mit der Angst vor den Tätern. Diese hätten ihn vom Türrahmen aus beobachtet, anstatt ihm in die Filiale zu folgen. Für den Kriminalbeamten war dies nicht nachvollziehbar. Er sprach von einem für maskierte und bewaffnete Täter untypischen Verhalten. „Täter bleiben nicht draußen stehen, wo sie beobachtet werden können“, betonte er. Der Parkplatz sei hell erleuchtet und es seien Fahrzeuge unterwegs gewesen.

Stellt sich die Frage nach dem Motiv: Oberstaatsanwalt Dirk Hartmann ist davon überzeugt, dass es dem Angeklagten auch um die Auszahlung der Versicherungssumme gegangen sei.

Noch zu klären ist ein weiterer Tatvorwurf. Demnach soll der Mann zwischen Februar 2015 und Januar 2017 in 18 Fällen Bargeld – jeweils mindestens 1000 Euro – aus dem Tresor der Postfiliale entnommen und für sich verwendet haben. „Er war seit dem 11. Dezember 2014 Vertragspartner der Deutschen Post AG und kam mit dem erwirtschafteten Betrag nicht aus“, sagte Hartmann. Der Angeklagte indes behauptete, mehrfach sein eigenes Geld in Umschlägen im Tresor gelagert zu haben. Zudem habe er größere Mengen Bargeld stets für Autohäuser und reiche Hamburger bereitgehalten. „Ich habe immer gearbeitet, gespart und nichts entnommen“, entgegnete der mutmaßliche Täter.

Urteil erwartet

Der Prozess wird kommende Woche Mittwoch, 20. Februar, fortgesetzt. Weitere Zeugen sollen gehört werden, bevor die Plädoyers und das Urteil folgen können.

Sebastian Rosenkötter

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