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Ostholstein Scharbeutzer Müll im Untergrund
Lokales Ostholstein Scharbeutzer Müll im Untergrund
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22:26 20.01.2017
Müllcontainer wie diese soll es an der Promenade und am Strandbereich in der Gemeinde Scharbeutz nicht mehr geben.
Scharbeutz

Wenn es um Müll in Scharbeutz geht, dann wird es unterirdisch. Der Abfall verschwindet. In einem Pilotprojekt soll er nicht mehr in Hunderten von schwarzen Tonnen entlang der Promenade, sondern in großen Behältern unter der Erde gesammelt werden. Die Kommune wird ein sogenanntes Unterflursystem einführen. „Damit investiert der Tourismus-Service in die Qualität von Promenade und Strandbereich“, sagt Bauhofleiterin Bettina Schäfer.

Unterflursystem mit den ersten sechs großen Containern wird zur Hauptsaison installiert.

Im aktuellen Haushalt des Tourismus-Service wurden 58000 Euro für die Anschaffung und den Einbau von zunächst sechs Behältern bereitgestellt. „Sie werden schon einmal 50 herkömmliche Mülltonnen ersetzen“, erklärt Schäfer. Endgültig sollen 50 Container mit einem Fassungsvermögen von je sieben Kubikmetern angeschafft werden. Einige will die Gemeinde auch an Schulen oder auf Großparkplätzen aufstellen.

Derzeit werden noch die Anträge auf finanzielle Zuschüsse bei einem Bundesprogramm und bei der Aktiv-Region Innere Lübecker Bucht erarbeitet. Bürgermeister Volker Owerien (parteilos) ist zuversichtlich. „Dadurch, dass seltener abgefahren wird, gibt es auch einen weitaus geringeren Kohlendioxid-Ausstoß“, sagt er. „Außerdem hat dieses System Vorbildcharakter für die Region.“

Die Bauhofleiterin hat sich umfassend informiert, hat vor allem mit Hamburger Experten gesprochen, die dieses System seit Jahren anwenden. In der Hansestadt wird es zum Beispiel im Stadtteil St.

Pauli eingesetzt. Aus den Gesprächen wisse Schäfer, dass von den Containern keine Geruchsbelästigungen ausgingen und dass das Grundwasser nicht gefährdet werde, da die Boxen absolut wasserdicht seien. Gefragt hat sie auch: „Was passiert, wenn jemand eine brennende Zigarettenkippe hineinwirft?“ Schäfer zitiert Experten: „Bei den ersten Fällen kam die Feuerwehr in ganz großer Besetzung. Jetzt kommt sie im Smart mit einer Gießkanne.“ Da die Kippe weit nach unten auf den zersetzten Müll falle, gebe es keine Flammen.

Die Müllcontainer werden so in die Erde eingelassen, dass sie mit Hilfe von Fangarmen herausgeholt und in Lkw entleert werden können. „Das ist ähnlich wie bei den öffentlich aufgestellten Glas- und Papierbehältern“, erklärt Schäfer. Befüllt werden können die Container durch kleine Klappen. Dadurch werde verhindert, dass beispielsweise auch Bauschutt oder Industrieabfälle dort landen. Damit aber auch Gastronomen oder Strandkorbvermieter größere Mülltüten loswerden können, werden sie entsprechende Schlüssel für die größeren Öffnungen bekommen.

Derzeit gibt es 48 Strandeingänge in der Gemeinde Scharbeutz, angefangen an der Ostsee-Therme bis hin nach Haffkrug. Dort stehen in der Vor- und Nachsaison etwa 270 schwarze Mülltonnen, teilweise untergebracht in silberfarbenen Behältern. 180 weitere Tonnen kommen im Sommer dazu. 270 Sondertonnen werden zu Festen und anderen Veranstaltungen im Freien aufgestellt.

Sie alle müssen von den Bauhofmitarbeitern regelmäßig geleert werden – im Sommer mehrmals täglich. Durch das neue System werde es leichter für die Mitarbeiter. „An Crash-Sonntagen haben wir hier doch Ausnahmesituation am Strand“, sagt die Bauhofleiterin. Außerdem kämen die Gäste am Tag immer früher an den Strand und verließen ihn sehr viel später am Tag als in früheren Jahren. Und noch einen Vorteil hat das neue Müllsystem: Ratten und Insekten haben keine Möglichkeit mehr, sich dem Müll zu nähern.

Wichtig ist für Bürgermeister Volker Owerien: „Die Kosten der Entsorgung sind relativ schnell im positiven Bereich.“ Während momentan etwa 140000 Euro pro Jahr anfallen, werden es demnächst lediglich 19000 Euro sein.

Zur Hauptsaison, so hoffen Schäfer und Owerien, werden die ersten sechs Container betriebsbereit sein. Und irgendwann werde sicherlich auch die Mülltrennung möglich sein. Davon ist derzeit noch keine Rede. Schäfer: „Die funktioniert hier am Strand einfach nicht.“ Positive Beispiele dafür gibt es allerdings in den Niederlanden.

 Christina Düvell-Veen

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