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Ostholstein Die letzte Reise zweier Bundespolizeischiffe
Lokales Ostholstein Die letzte Reise zweier Bundespolizeischiffe
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18:26 25.10.2018
Die „Neustrelitz“ wird abgeschleppt. „Ronja“ soll sie in den Norden Dänemarks bringen. Quelle: Sebastian Rosenkötter
Neustadt

Sie sollen noch einmal ordentlich Ostseewasser unterm Kiel haben: Etwa 500 Kilometer lang ist die letzte Fahrt der Bundespolizeischiffe. Aus eigener Kraft schaffen die knapp 30 Jahre alten Kähne das nicht mehr. „Ronja“ muss helfen. Der Schlepper macht Donnerstagmorgen neben der „Neustrelitz“ fest. Nach Schlüsselübergabe und Papierkram soll es in Richtung Frederikshavn gehen. Doch das Wetter spielt nicht mit. Erst um 17 Uhr startet die Fahrt gen Dänemark. Zurück bleibt die „Bad Düben“. Das zweite Küstenwachen-Schiff soll kommende Woche abgeholt werden.

Schiffe wurden für 60 000 Euro versteigert

Die Firma Jatob ApS hat die beiden 48,90 Meter langen Schiffe bereits im vergangenen Februar ersteigert. 60 000 Euro wurden an die VEBEG, das Verwertungsunternehmen des Bundes, bezahlt. Dafür gibt es zwei tonnenschwere Stahlkolosse. Schon nach der Außerdienststellung Ende Juni 2017 war klar, dass die technisch veralteten Schiffe nie wieder aus eigener Kraft fahren werden. Grund sind Ausbauten und Abrüstungen, die eine sichere Handhabung nicht mehr zulassen, wie Volkmar Kunert von der VEBEG erläutert hat. Ein weiterer Grund ist der Rumpf. Dieser fällt mit seinem Aufbau nach Auffassung des Bundesinnenministeriums unter das Kriegswaffenkontrollgesetz. Kein Wunder, wurden die „Bad Düben“ und die „Neustrelitz“ ursprünglich für die Volksmarine der DDR hergestellt.

22 Mal die Erde umrundet

Immer wieder tauchen Mitarbeiter der Bundespolizei See am Hafen auf, machen Fotos. Fast alle kennen die Schiffe, sind auf ihnen zur See gefahren, haben viele Tage an Bord verbracht. Für einige war es ein zweites Zuhause. Auch Marco Antler ist gekommen. Der Neustädter Inspektionsleiter war nach seinem Studium auf der Nordsee unterwegs. Er sagt: „Eine Ära geht zu Ende. Das waren mal die größten Schiffe. Sie wurden mehrmals umgebaut, es wurde viel Geld reingesteckt und sie waren immer zuverlässig.“ Antler überlegt, blickt auf die Schiffe, die zusammengerechnet etwa 22 Mal die Erde umrundet haben. „Sie waren nie die modernsten, aber wir haben so manchen Sturm abgeritten und so manche Situation gehändelt.“

Trotz manch eines wehmütigen Gedankens lässt sich die Zukunft nicht aufhalten. Der erste von drei Nachfolgern ist fast fertig. Sie sollen größer, schneller, ökologischer, komfortabler und sicherer werden. Gebaut werden sie auf dem Gelände der Fassmer-Werft in Berne. Weit mehr als 100 Handwerker arbeiten hier. Mitte Dezember steht die Taufe des ersten 86,20 Meter langen Schiffes an. Es wird den Namen „Potsdam“ bekommen. In der brandenburgischen Landeshauptstadt hat die Bundespolizei ihren Hauptsitz. Die beiden anderen Boote werden „Bad Düben“ und „Bamberg“ heißen. „Dann haben wir den Stand der Technik, den man sich nur wünschen kann. Die Ausbildung läuft bereits“, sagt Antler.

Mit 6,5 Knoten gen Norden

Er selbst wird mit den Neuen nicht mehr zur See fahren. Im kommenden Jahr geht es für Marco Antler in den Ruhestand. Bis dahin dürften die „Bad Düben“ und die „Neustrelitz“ längst in ihre Einzelteile zerlegt sein. Doch zunächst einmal gilt es, die Fahrt vorbei an Fehmarn und Odense zu meistern. Ein Crew-Mitglied der „Ronja“ sagt kurz vor dem Ablegen: „Ich denke, dass wir etwa 6,5 Knoten schnell sein werden.“ Das sind etwa zwölf km/h. Die letzte Reise wird eine langsame.

Gebaut für die DDR, genutzt von Küstenwache und ZDF

Sebastian Rosenkötter

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