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Ostholstein „Schlaraffenland“ auf der Sonneninsel
Lokales Ostholstein „Schlaraffenland“ auf der Sonneninsel
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20:53 15.09.2017
Getreide-Kornkammer: Dagmar Prange erzählt den Schülern, wie aus Körnern ein kerniges Brot entsteht. Quelle: Fotos: Schwennsen
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Gammendorf a. F

Sie stürmten voller Begeisterung über den Ferienhof „Wichtelweide“ in Gammendorf. Dort wo sommertags die Ferienkinder den Ton angeben – und sich für Urlaub auf dem Bauernhof begeistern. Doch diesmal waren die Drittklässler der Grundschule Burg dran. Insgesamt sechs Stationen hatten Fehmarns Landfrauen auf dem Weiland-Hof aufgebaut. „Wir möchten den Kindern vermitteln, dass unser Essen auch unmittelbar in ihrer Wohnnähe angebaut wird“, so Doris Weiland.

Wo kommt eigentlich das tägliche Essen her? Selbst auf der Sonneninsel Fehmarn wissen das viele Kinder gar nicht so genau. Die Landfrauen stellten den Drittklässlern daher das „Schlaraffenland Fehmarn“ vor.

Dafür wurden vor allem ihre Sinne wieder sensibilisiert: Sehen und Fühlen, ebenso Riechen und Schmecken. Mit so manchem Aha- Erlebnis: Zunächst ein wenig ungläubig, staunten einige Schüler, dass man sogar hören kann, wie aus Sahne Butter wird.

Besonders gefragt war die „Hexen-Kräuterküche“: Die Schüler durften hier nicht nur Kräuter mit ganz unterschiedlichen Düften probieren, sondern daraus sogar eigenes Salz herstellen.

Auch im „Apfelparadies“ konnten sie dank einer reichhaltigen Ernte schmackhafte Sorten probieren – ebenso leckere Säfte oder Apfelmus. „Wie wurde eigentlich früher ohne Mähdrescher geerntet“, fragte auf dem Feld Dagmar Prange. Auch hier war Vielfalt groß geschrieben: vom Körnerbeißen bis zur Getreidemühle.

Auf spielerische Weise fanden die Drittklässler viele Anregungen. Es dauerte nicht lange, bis die Frage auftauchte: „Wo kommt eigentlich der Begriff ,Schlaraffenland Fehmarn’ her?“ Die einfache Antwort von Doris Weiland lautete: „100 fehmarnsche Bauern machen viele Menschen satt.“ Wer mehr wissen wollte, bekam umfassende Antworten. Denn das war ein zentrales Anliegen: „In der Anonymität eines Supermarktes geht der Bezug zur Landwirtschaft verloren. Alles ist doch immer im Regal vorhanden“, so Weiland. Sie und unsere ihre Mitstreiterinnen wünschten sich eines: „Es wäre schön, wenn wir erreichen, den Kindern ein Bewusstsein für ihre Umwelt zu öffnen.“ Manches wird sicherlich erst in den nächsten Tagen im Unterricht nachgearbeitet.

Zum Beispiel einige Rekordzahlen: So werde auf 7700 Hektar Ackerfläche auf der Insel so viel Weizen angebaut, dass alle Menschen in Deutschland eine Woche lang Brot bekämen.

Oder: Eine halbe Million Menschen könnten ihren Jahresbedarf an Rapsöl auf Fehmarn eindecken. 85000 Schweine auf der Insel reichten sogar für den Schweinefleisch- und Wurstbedarf von 200 000 Menschen – also für alle Ostholsteiner.

Große Aufmerksamkeit fand das Thema Milchproduktion. Kein Wunder: Die Zahl der Milchkühe auf Fehmarn ist drastisch gesunken. Weiland: „Es gibt nur noch 60 Kühe, die 2400 Liter produzieren. Das wäre pro Fehmaraner gerade ein Glas Milch täglich.“

 Von Gerd-J. Schwennsen

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