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Schlechte Aussichten für einen freien Blick aufs Meer

Scharbeutz Schlechte Aussichten für einen freien Blick aufs Meer

Scharbeutz - Der aufgrund von Abholzungen in Scharbeutz abgerutschte Hang sorgt weiter für Ärger.

Ostholstein. Schöner kann die Aussicht nicht sein: Von der Terrasse aus schweift der Blick ungehindert über die Ostsee. Doch die Nutzer dieses Traumblickes fühlen sich missverstanden und angegriffen. Sie wohnen oberhalb des vor einem halben Jahr abgerutschten Kammerhanges in Scharbeutz und hoffen auf einen Kompromiss mit den Landesforsten Schleswig-Holstein. Gleichzeitig fühlen sie sich auf ihrer Höhe wie an den Pranger gestellt, weil ihnen viele unterstellen, die Bäume an- oder abgesägt zu haben. Zwar scheint sicher zu sein, dass der Hang wegen fortgesetzter Fäll- und Abholzungsarbeiten abgerutscht ist. Aber wer den Baumfrevel begangen hat, ist unklar.„Man mag kaum noch auf die Terrasse gehen, die Leute stehen unten und pöbeln hinauf“, berichtet einer der Anlieger. „Die einen wollen aufs Meer gucken, die anderen wollen Bäume haben. Da muss man einen Kompromiss finden“, sagt „Meier eins“, einer der Betroffenen. Die meisten Oberlieger wollen lieber anonym bleiben, wählen deshalb das Pseudonym „Meier eins“ und „Meier zwo“. Ein Gespräch zwischen ihnen und den Landesforsten als Eigentümerin des Hanges hat bereits stattgefunden, ohne Ergebnis. „Über die ganzen Jahre ist am Hang ein Wildwuchs entstanden, da ist nie Hand angelegt worden“, kritisiert „Meier zwo“. „Jeder, der in der ersten Reihe wohnt, hat doch ein Interesse daran, dass der Hang nicht abrutscht und er dennoch einen freien Blick hat.“Die Oberlieger wollen regelmäßige Kronenpflege und dass zu hohe Bäume eingekürzt werden. „Dann bleiben die Wurzeln erhalten und wir haben unseren Seeblick“, sagt „Meier zwo“. Das Ziel formuliert Carmen Wehrend, die Anwältin von Oberlieger „Meier eins“, so: „Den Hang einmal bereinigen, dann neu anpflanzen und kurz halten.“ Dieser Wunsch sei aber vom Revierförster in dem Gespräch „weggewischt“ worden. Ein Gespräch, das nach Angaben der Oberlieger mit den Landesforsten gar nicht mehr stattfindet. Seit Monaten versuchten sie, Einsicht in das von den Landesforsten in Auftrag gegebene Gutachten zu bekommen. Der Gutachter hat festgestellt, weshalb der Hang abgerutscht ist. „Da fragt man sich, warum das nicht herausgegeben wird“, sagt Anwältin Wehrend. Vorgestern wurde das Gutachten nun doch avisiert: Der Anwalt der Landesforsten kündigte an, es umgehend übermitteln zu wollen. Was drin steht, sagt Lutz Boucsein, Abteilungsleiter Liegenschaften der Landesforsten: Ursache für das Abrutschen des Hanges seien Veränderungen im Böschungsbereich, die durch Fällung und drastische Kürzungen in den Jahren 2007 und 2011 herbeigeführt worden seien. Geologische Veränderungen durch das Abgraben der Böschung und Erosion würden von dem Gutachter ausgeschlossen, Witterung als Ursache ebenfalls. Den Fällaktionen vom Dezember 2011 will Boucsein nicht die Schuld geben. „So schnell sterben die Wurzeln nicht ab.“ Damals waren zehn Buchen eingekürzt oder gefällt worden.Für das Anliegen der Oberlieger, einen Kompromiss für den freien Ostseeblick zu finden, sieht Boucsein zurzeit wenig Chancen. Es fehle an Einigkeit. „Das ist das Hauptproblem.“ Lösungsmöglichkeiten sieht er in einem Verkauf des Hanges an die Oberlieger und in einem Konzept mit Sichtachsen und unterschiedlichen Höhenwuchsformen – ein Ziel, für das sich die Landesforsten den Mehraufwand von den Betroffenen bezahlen lassen wollen. Einige sind dazu bereit. Zu einer Vereinbarung sei es aber nicht gekommen. Boucsein: „Der Ball liegt nicht bei uns. Ich kann da aber nicht hinterherlaufen. Was soll ich also noch machen?“Die Arbeiten am abgerutschten Hangteil sind inzwischen abgeschlossen. Am Fuß wurde eine Spundwand eingezogen, dazu eine Drainage. Der nackte Hang ist mit Flechtmatten abgedeckt, die ein weiteres Abrutschen verhindern. Die Kahlstelle soll demnächst wieder bepflanzt werden.Boucsein hat für die Oberlieger durchaus Verständnis: „Die wollen aufs Meer gucken, das kann ich verstehen, aber der Wald war lange vorher da.“

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