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Ostholstein Ärger um schlechten Empfang
Lokales Ostholstein Ärger um schlechten Empfang
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21:27 06.09.2018
Im Sommer zur Hochzeit der Touristen sind die Netze häufig überlastet. Quelle: dpa
Ostholstein

Rauschen in der Leitung oder Internetseiten, die nicht geladen werden: Schlechter Handy-Empfang wird für Menschen in Ostholstein immer wieder zum Ärgernis. Gerade für die Feuerwehr können Funklöcher bei Einsätzen zum echten Problem werden.

„Die meiste Kommunikation erfolgt mittlerweile zum Glück über den Digitalfunk“, sagt Kreisfeuerwehrsprecher Hartmut Junge, „aber es gibt nach wie vor auch Dinge, die übers Telefon geregelt werden.“ Beim Großfeuer Ende Juli in Bujendorf etwa hätten die Einsatzkräfte „krampfhaft versucht, eine mobile Karte zu laden“, um zusätzliche Wasserstellen für den Löscheinsatz zu finden, erinnert sich Junge. Schlechter Empfang könne in solchen Fällen den Rettungseinsatz deutlich verzögern.

Insbesondere im Sommer, wenn mit den Touristen viele zusätzliche Handynutzer an die Ostsee kämen, seien die Netze häufig überlastet, berichtet der Kreisfeuerwehrsprecher von seinen Erfahrungen. Darüber hinaus gebe es Orte in Ostholstein, die konstant unterversorgt seien. Junge: „Schashagen und der Bereich rund um den Bungsberg sind beispielsweise miserabel abgedeckt.“

Bund will Funklöcher stopfen

Bis 2021 soll es (fast) flächendeckenden Mobilfunk-Empfang in Deutschland geben. Dieses Ziel hat die Bundesregierung ausgegeben. 99 Prozent der Haushalte sollen dann mit Mobilfunk versorgt werden, sagte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer nach einem Treffen mit den drei Netzbetreibern Telekom, Vodafone und Telefónica, dem Mutterkonzern von O2.

Im Gegenzug zum Ausbau des Mobilfunknetzes will der Bund den Anbietern bei der Versteigerung künftiger Frequenzen für einen schnelleren Mobilfunkstandard entgegenkommen. Sie sollen erst nach Zuteilung bezahlt werden; laut Scheuer werden die Konzerne auf diese Weise von einer Milliarde Euro entlastet. Das wurde vor Kurzem bei einem Mobilfunkgipfel beschlossen.

Auch der Unternehmerverband Ostholstein-Plön hatte bereits über schlecht versorgte Stellen geklagt (die LN berichteten).

Auf Fehmarn gibt es sommertags schon mal erhebliche Probleme, wenn zigtausende Touristen gleichzeitig Urlaubsfotos hochladen und an „die Lieben zu Hause“ verschicken wollen. Vor allem in den Randbereichen erlebt mancher sein „dänisches Wunder“: Im Inselnorden etwa verdrängt am Gammendorfer Strand das dänische Netz oft das deutsche. Das erleben allerdings auch Autofahrer, die im Kreisnorden unterwegs sind und plötzlich – zum Beispiel in Höhe Heiligenhafen oder auf Fehmarn – Musik von Danmark Radio statt von NDR oder RSH hören. Und im Inselwesten läuft per Mobilfunk, beispielsweise bei Spaziergängen am Wallnauer Deich, oft gar nichts. Oder auf dem Display erscheint die ernüchternde Rückmeldung „Nur Notrufe“.

Grundsätzlich habe sich der Empfang auf der Insel in den vergangenen Jahren jedoch schon verbessert, heißt es von der dortigen Stadtverwaltung. Eine entsprechende Karte der Anbieter scheint das zu bestätigen. Danach sind weite Teile Ostholsteins gut versorgt.

Frank Theunissen, der vor einigen Jahren die Breitband-Initiative in Timmendorfer Strand mit angeschoben hat, spricht ebenfalls von ersten Fortschritten auch mit Blick auf das Mobilfunknetz. „Die Anbieter reagieren immerhin auf besondere Situationen“, stellt er fest. So sei etwa für die Beachvolleyball-Meisterschaft und für die Konzerte im Rahmen von „Stars am Strand“ in Timmendorfer Strand vorübergehend ein zusätzlicher Funkmast aufgestellt worden, um den zahlreichen Zuschauern gerecht zu werden.

Schlechter Handy-Empfang in Ostholstein – Feuerwehr beklagt Probleme im EInsatz. Quelle: Fotolia

Dennoch sieht Theunissen in Ostholstein nach wie vor Handlungsbedarf bei diesem Thema. Auch er berichtet von diversen Bereichen, in denen nicht einmal lückenlose Telefonate geführt werden könnten – geschweige denn Internetseiten auf dem Smartphone aufgerufen werden könnten.

„Kreis und Kommunen müssen die Initiative ergreifen und auf die Anbieter zugehen“, fordert Theunissen, „wir brauchen eine Lobby.“ Der Druck müsse von unten kommen, so seine Einschätzung – das sei bei anderen Projekten wie dem jetzigen kreisweiten Glasfaserausbau genauso gewesen. Von allein würden die Anbieter ihre Netze erfahrungsgemäß nicht ausbauen, da solche Investitionen im ländlichen Raum für sie häufig nicht lukrativ seien.

Der Fokus liege in Ostholstein zurzeit auf dem Ausbau des Glasfasernetzes, so Theunissen. Das Projekt sei enorm wichtig, beim Mobilfunknetz bestehe jedoch ebenfalls Nachbesserungs-Bedarf. Insbesondere mit Blick auf die geplante feste Beltquerung und Hinterlandanbindung sei es wichtig, die Infrastruktur auch an anderen Stellen auf das erhöhte Reiseaufkommen anzupassen.

Jennifer Binder und Gerd-J. Schwennsen

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