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Ostholstein Sana-Klinik: Schmerzambulanz schließt
Lokales Ostholstein Sana-Klinik: Schmerzambulanz schließt
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09:59 11.12.2018
Chefärztin Petra Saur (r.) behandelt Schmerzpatienten am Standort Süd der Sana-Klinik. Mit unterschiedlichen Methoden – wie der Akupunktur – versucht sie den Schmerz von Sabine Pump zu lindern. Quelle: John Garve / 54°
Lübeck

Sabine Pump leidet an einer Fibromyalgie. Das ist eine Erkrankung der Muskelfasern. Die Symptome: Stechende oder brennende Schmerzen unterschiedlicher Intensität und Dauer im ganzen Körper. Eine konkrete Ursache für die Nervenschmerzen konnte die medizinische Forschung noch nicht finden. Eine rätselhafte Krankheit — auch für viele Ärzte.

Patienten wie Sabine Pump, die an einer Erkrankung mit nicht definierbaren Schmerzen leiden, bezeichnet man als chronische Schmerzpatienten. Bei ihnen treten Schmerzen länger als sechs Monate auf und die Ursache ist vielfach ungeklärt. Sie werden meist von hoch spezialisierten Ärzten behandelt. In der Schmerzambulanz der Sana-Klinik in der Kronsforder Allee ist Sabine Pump bei Professorin Dr. Petra Saur, Chefärztin der Anästhesie, in Behandlung. Sie ist ihre Vertrauensperson. Doch die verlässt den Standort — und damit schließt die dortige Schmerzambulanz. Ersatzlos.

Schmerzpatienten fühlen sich im Stich gelassen

Einen Ersatz werde es vorerst nicht geben, bestätigt Sybille Schulze, Sprecherin der Sana-Klinik Lübeck. Ein Schock — nicht nur für Sabine Pump, sondern für etwa 100 Schmerzpatienten, die bei Petra Saur in Behandlung sind. Wo sollen sie zukünftig ihre bewährten Medikamente herbekommen – Krankengymnastik und alternative Behandlungen? „Für die Patienten ist das eine Katastrophe. Rezepte, die wir Schmerztherapeuten verschreiben, werden nicht von Allgemeinärzten ausgegeben“, sagt Petra Saur. Das liege daran, dass Allgemeinärzte wegen ihres begrenzten Medikamenten-Kontingents meist die teureren Schmerzmittel nicht im nötigen Maße und Umfang verschreiben. Patienten und der Verein Schmerzlos, der sich bundesweit für die Anliegen der Schmerzpatienten einsetzt, appellieren an die Sana-Klinik, „ihrer Verantwortung für die schmerz-therapeutische Versorgung nachzukommen.“

Tabitha Schiemann koordiniert die zahlreichen Anfragen an die Schmerzambulanz. Quelle: 54° / John Garve

Bis zu einem Jahr warten Patienten auf einen Termin

Auf Anfrage der LN, wo die Schmerzpatienten dann hin sollen, verweist die Sprecherin der Sana-Klinik auf umliegende Anlaufstellen – zum Beispiel die Schmerzklinik in Travemünde. Für die Patienten ist das kein Trost und noch nicht einmal eine Alternative. Denn die Wartelisten sind lang. Sehr lang. In Lübeck und Umgebung müssen Patienten zwischen einem halben und bis zu einem Jahr auf eine Erstbehandlung warten. „Das ist nicht tragbar“, sagt Pump.

Zulassungen für Schmerztherapeuten sind rar

Obwohl Chefärztin Petra Saur den Lübecker Standort verlässt, möchte sie die bisherigen Schmerzpatienten in Zukunft weiter behandeln – in einer eigenen Praxis in Lübeck. Das Problem: der ambulante Dienst kann nur von Ärzten angeboten werden, die über eine entsprechende Zulassung verfügen. Mit ihrem Abtreten entfällt ihre Ermächtigung, Schmerzpatienten zu behandeln. „Das ist eben das Gesetz“, sagt Saur. Ihr Nachfolger in der Anästhesie ist kein ausgebildeter Schmerztherapeut und wird ihre Tätigkeit nicht fortführen.

Petra Saur stellte nun einen neuen Antrag bei der Kassenärztlichen Vereinigung. Dieser werde momentan geprüft, sagt Sibylle Schulze – bislang ohne Erfolg. „Ich habe alle meine schmerztherapeutischen Kollegen um Unterstützung gebeten, für meine Schmerzpatienten zur Verfügung zu stehen, bis der Antrag bewilligt ist“, sagt Saur. Bei denen sind die Wartezeiten allerdings genauso lang – wenn nicht länger.

Hier gibt’s Hilfe

Über eine eigene Homepage informiert Prof. Dr. Petra Saur künftig über den Stand ihrer KV-Zulassung und wann sie wo weiter behandeln wird. Zudem ist Tabitha Schiemann, Sekretärin der Schmerzambulanz, weiterhin unter der Telefonnummer 04 51/585 13 49 erreichbar.

 

Weitere Ansprechpartner: Schmerzambulanz des UKSH, Anmeldung unter Telefon 04 51/500 407 60 oder unter info.schmerzzentrum.luebeck@ uksh.de; Dr. Susanne Westermann, Groß Grönau, Anmeldung: 045 09/ 79 98 80.

Fabian Boerger

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