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Ostholstein Schnelles Internet: Telekom verstrickt sich in Widersprüche
Lokales Ostholstein Schnelles Internet: Telekom verstrickt sich in Widersprüche
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15:27 04.02.2016
Wofür ist dieser Turm? Vor fünf Wochen in Betrieb genommen, sollte er für Gremersdorf eine „sehr gute LTE- Versorgung“ sicherstellen. Quelle: TK

„Technisch nicht machbar“ — mit dieser Begründung hat die Telekom Wünsche von drei Gremersdorfer Bürgern nach einer schnelleren Internetverbindung zurückgewiesen (wir berichteten). Man habe die LN-Anfrage zum Anlass genommen, mithilfe von Fachkollegen aus Technik und Vertrieb die Anschlussmöglichkeiten noch einmal „intensiv zu prüfen“, gab die Telekom zu verstehen. Die Überraschung: Nur wenige Tage nach dem LN-Bericht wurde einem dieser Kunden jetzt eine Lösung angeboten, die zuvor noch als technisch nicht machbar galt.

Dabei hatte Telekomsprecher George-Stephen McKinney erst am vergangenen Mittwoch Vorwürfe entschieden zurückgewiesen, wonach der Konzern einigen Kunden die Telekom-Angebote „Call & Surf via Funk“ und „Magenta Zuhause Hybrid“ verweigere und erging sich in Journalistenschelte.

McKinney: „Warum sollten wir freiwillig auf Mehreinnahmen von höherwertigen Tarifen verzichten und unsere Kunden verprellen, wenn es uns technisch möglich wäre, diesen das gewünschte Produkt zur Verfügung zu stellen? Das ist jedenfalls ganz sicher nicht das Geschäftsmodell der Deutschen Telekom.“ Die Physik lasse sich nun mal nicht überlisten — „weder von uns, noch von den Lübecker Nachrichten“.

Um so erstaunlicher das Angebot, dass die Telekom der Firma Pfützenreuter — auch hier hatte es geheißen, dass ein Vertragswechsel aus technischen Gründen nicht machbar sei — nur zwei Tage später machte: „Man hat uns ,Magenta Zuhause Hybrid‘ jetzt doch angeboten“, schildert Firmenchef Karlheinz Pfützenreuter sichtlich verwundert.

Bis dato hatte McKinney sowohl die Hybrid- als auch die LTE-Lösung aufgrund einer „nicht ausreichenden Mindest-Bandbreite für den Festnetzanteil“ ausgeschlossen. Diese Argumentation hinterfragten die LN beim Breitbandbüro des Bundes in Berlin: „Mir persönlich ist nicht bekannt, dass für ein solches LTE-Angebot via Funk eine Mindestbandbreite für den Festnetzanteil erforderlich ist“, äußerte sich dazu Abteilungsleiter Ulf Bauer. Es sei jedoch richtig, dass die Hybridlösung auf eine Mindestbandbreite angewiesen sei. Dass jetzt die Telekom einem Kunden ein Hybrid-Angebot macht, welches zuvor mit dem Hinweis auf die fehlende Mindestbandbreite abgelehnt wurde, kann auch Ulf Bauer nicht nachvollziehen.

Aufgrund der Berichterstattung hat sich auch Tim Kohlscheen, Kfz-Meister in Gremersdorf, an die LN gewandt: „Auch wir haben versucht, auf ,Magenta Hybrid Zuhause‘ zu wechseln, und waren zuversichtlich, nachdem die Telekom den neuen Turm bei Nanndorf erst vor wenigen Wochen in Betrieb genommen hat. Von der Telekom haben wir jedoch die Auskunft erhalten, dass der Turm nur für Handyverträge zur Verfügung steht.“

Rückblende: Vor einem Jahr hatte sich Telekom-Sprecherin Stefanie Halle zu einer LN-Anfrage schriftlich wie folgt geäußert: „Weil wir den Bedarf (nach schnellem Internet, Anm. d. Red.) erkannt haben, planen wir den Aufbau eines 40 Meter hohen Funkmastes in der Gemeinde Gremersdorf. Er wird südlich des Ortes stehen. Nach dem Einschalten des Standortes wird Gremersdorf eine sehr gute LTE-Versorgung haben.“

Warum einige Gremersdorfer trotz dieser „sehr guten LTE-Versorgung“ nicht von dem neuen Turm profitieren können, erschließt sich diesen Bürgern nach wie vor nicht.

„Mit dem Turm hat Gremersdorf eine sehr gute LTE-Versorgung.“


Stefanie Halle, Telekom-Sprecherin (Zitat: 2015)

Thomas Klatt

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