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Ostholstein Schnitzeljagd im „Nendzi-Land“
Lokales Ostholstein Schnitzeljagd im „Nendzi-Land“
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20:17 11.11.2017
Dieter Nendziak zeigt das Logbuch in seinem Versteck „Wurmkiste“. Wie Geocacher den Ort finden können, bleibt für Laien ein Geheimnis. Quelle: Fotos: Bücker

Ein Waldstück zwischen dem Sibbersdorfer See und der Dorfschaft Fissau. Dieter Nendziak beugt seinen Oberkörper weit nach unten und zeigt auf einen leicht vermoderten Baumstumpf, der sich zwischen Pilzen, Brennesseln und Moosflechten versteckt. „Das ist die Schatzkammer“, sagt der 66-Jährige. Mit zielsicherem Griff klappt er ein Stück Baumrinde zurück und zieht aus dem hohlen Inneren des Stumpfes eine kleine Holzkiste. Darin befinden sich Spielmünzen aus Plastik und ein sogenanntes Logbuch. „Da tragen sich die Geocacher mit Name und Datum ein“, erklärt Nendziak. So kann bewiesen werden, dass wirklich jemand das Versteck gefunden hat.

Vor sechs Jahren fand Dieter Nendziak seinen ersten Geocache. Aus Hobby wurde Lebensaufgabe. Heute sucht er nicht nur, sondern bastelt auch: Im Eutiner Umland hat der 66-Jährige 131 Verstecke installiert. Sein „Nendzi-Land“ ist bei Schatzsuchern in der ganzen Welt beliebt.

Auf Schatzsuche im Wald

Der gelernte Handwerker und Ergotherapeut kennt jeden Winkel des Waldes. 30 abenteuerliche Verstecke hat er allein hier installiert, in Ostholstein ganze 131: Etwa im Eutiner Schlosspark. Oder auch im und am Eutiner See. Aber auch an Fissauer Ecken, an Straßenschildern, auf Parkplätzen – „nendzi“, so nennt er sich in der Geocacher-Szene, ist überall. Die Namen der Verstecke: Wurmkiste, Schiffshalter, Angler, Seeblick. Sie lassen bereits erahnen, dass es nicht nur um das Auffinden der Caches mithilfe von GPS-Koordinaten geht.

Die meisten Schätze beinhalten eine „Challenge“, wie es Geocacher sagen. Um an das Logbuch zu kommen, müssen kreative Rätsel gelöst werden. Beim „Angler“ etwa befindet sich das Logbuch weit unten im Inneren eines von Nendziak installierten Straßenpfosten. Ein anderes Versteck hängt 27 Meter hoch zwischen Baumkronen. Wenn „nendzi“ schaut, ob der Cache von den Schatzsuchern wieder ordnungsgemäß

hinterlassen wurde, schwingt er sich in seinen Klettergurt. Für die Wartung seiner Caches ist er jeden Tag unterwegs, mal mit dem Fahrrad, mal zu Fuß, mal mit dem Boot.

Für ein anderes Versteck müssen die Schatzsucher ein Schloss knacken, für das auf den ersten Blick die Zahlenkombination fehlt. Wie erreicht man das Logbuch? Darum geht es Nendziak mit seinen aufwändig arrangierten Verstecken: „Die Menschen brauchen Beschäftigung, Erfolgserlebnisse und Abenteuer“, sagt der Bastler. All das finden Geocacher auf Schnitzeljagd.

Wo ist das Logbuch?

Über drei Millionen Geocacher gibt es inzwischen auf der Welt. Das populäre Hobby wurde im Jahr 2000 geboren, als in den USA bei Portland das erste Versteck gelegt wurde. Dieter Nendziak kam durch seine Tochter auf den Geschmack: „Sie hat mir ein GPS-Gerät in die Hand gedrückt.“ Er war sofort begeistert. In ganz Deutschland suchte „nendzi“ fortan Verstecke, die andere Geocacher gelegt hatten.

Nur in der Nähe seines Wohnortes bei Eutin sah es mager aus. Er begann, „Owner“ zu werden, tüftelte selbst Verstecke aus und entwarf damit über die Jahre hinweg einen Spielplatz auf der ostholsteinischen Landkarte.

Mit Erfolg: Seine kreativen und teils „verrückten Ideen“, wie er sagt, kommen in der Szene gut an. Insbesondere die „Crazy Big Box“. Im Ranking der beliebtesten Verstecke unter Geocachern weltweit belegte sie lange Zeit den ersten Platz. Inzwischen ist sie mit dem zwölften Platz immer noch hoch im Kurs. 1361 Schatzsucher haben sie schon gefunden und das Rätsel geknackt. Für dieses Versteck reisen Geocacher aus Holland, Kanada, Schweden extra bis nach Ostholstein. Warum? „Wer das wissen will, muss selbst herkommen“, sagt Nendziak verschmitzt. Es sei nur so viel verraten: Es lohnt sich.

Digitaler Schatzsucher werden

Um Geocacher zu werden, braucht es nicht viel: Ein GPS-Gerät oder eine App auf dem Smartphone. Einen Account auf der Geocaching-Homepage, um an die Koordinaten zu kommen. Einen Nickname, und auf jeden Fall: „Lust auf frische Luft und Spaß an kleinen Abenteuern“, sagt Dieter Nendziak. Wer im „Nendzi-Land“ unterwegs ist, sollte auch an Taschenlampe, Draht und Schnur, und wahlweise eine Ausziehleiter, einen Klettergurt oder auch ein Boot denken. Denn die Verstecke können sich überall befinden.

Weitere Informationen zum Geocaching sind auf der Internetseite www.geocaching.com zu finden.

Saskia Bücker

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