Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Ostholstein Schöner wohnen in der neuen Heimat
Lokales Ostholstein Schöner wohnen in der neuen Heimat
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:37 22.11.2016
Fast fertig sind die Wohnungen im Obergeschoss, die Britta Deubel, Heiko Langfeldt und Tanja Rönck (v. l.) zeigen. FOTO: PEYRONNET

Kaufen oder mieten? Das war vor einem Jahr die Frage, die die Kommunen bei der Suche nach Wohnraum für Flüchtlinge umtrieb. Malente hat gekauft, Eutin gemietet. Jetzt, ein Jahr später, sind die Malenter überzeugt, den besseren Schnitt gemacht zu haben, obwohl sie noch kräftig in ihre gekaufte Unterkunft investieren müssen.

„Für mich ist es unverzichtbar, eine eigene Unterkunft zu betreiben.

Heiko Langfeldt, Teamleiter

1900 Quadratmeter, ruhige Lage und dennoch nahe am Ortszentrum, hübsch geschnittene Räume, windgeschützte Balkone im Dachgeschoss, schöne Aussicht: Die Beschreibung für das ehemalige Kneipp-Sanatorium im Godenbergredder liest sich so, als ließen sich das Gebäude und die Wohnungen darin gut vermarkten. Genau das ist einer der Hintergedanken für die Gemeinde Malente. Jetzt bietet das Haus 50 Flüchtlingen eine Heimstatt, berichtet Heiko Langfeldt, Teamleiter im Sachbereich Flüchtlinge/Asyl. Geplant ist, dass dort 60 bis 70 Menschen leben.

Zurzeit ist das Haus aber auch Arbeitsplatz für allerlei Handwerker. Elektroleitungen werden erneuert, neue Fenster eingebaut, neue Bäder, neue Küchen, ehemalige Hotelzimmer zu Wohnungen zusammengelegt, erläutert Malentes Bauamtsleiterin Britta Deubel. Sie beziffert die Gesamtkosten der bis Ende 2017 laufenden Maßnahme auf etwa 240000 Euro. Nach LN-Informationen hatte der Kaufpreis für das ehemalige Sanatorium bei 500000 Euro gelegen. Die Gemeinde will sich zu dieser Summe nicht äußern.

Die Baumaßnahmen sollen wie im Fall der Fenster nicht nur auf Dauer die Energiekosten senken, sondern auch dafür sorgen, dass das Haus den geänderten Anforderungen gerecht wird. Zunächst waren der Gemeinde Malente vor allem einzelne Flüchtlinge zugewiesen worden, jetzt sind es vermehrt Familien, berichtet Langfeldt. Für sie werden jetzt nach und nach aus Zimmern kleine Wohnungen. „Das Haus hat sehr dazu beigetragen, dass wir alle unterbringen konnten, ohne größere Objekte mieten zu müssen, was mit längeren Laufzeiten verbunden ist“, führt Langfeldt weiter aus.

Die Stadt Eutin ist einen anderen Weg gegangen. Sie hat für fünf Jahre das Hotel Redderkrug gemietet – für 8700 Euro pro Monat plus Nebenkosten. Das macht über die gesamte Laufzeit 522000 Euro ohne Nebenkosten. Kosten durch Umbauten oder Renovierungen gab es nach Angaben von Stadtsprecherin Kerstin Stein-Schmidt nicht, das Inventar wurde übernommen. Die Pflege der Außenanlagen und den Winterdienst erledigen Mitarbeiter der Stadt. Von den 22 Zimmern sind zurzeit alle bis auf zwei belegt.

Angesichts einer Mietzahlung, bei der die Kommune hinterher nichts hat, halten Langfeldt und Bürgermeisterin Tanja Rönck (parteilos) die Malenter Lösung für die bessere. Die Gemeinde Malente hofft, dass es für die jetzt entstehenden Wohnungen nach dem Ende der Flüchtlingsunterbringung genug Interessenten auf dem freien Markt gibt.

Noch ein Argument für den Kauf führt Langfeldt an. Mit einem eigenen Haus sei die Gemeinde für alles gerüstet, was noch auf sie zukomme, und könne jederzeit reagieren. Langfeldt: „Für mich ist es unverzichtbar, eine eigene Unterkunft zu betreiben.“

 Susanne Peyronnet

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige