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Ostholstein Schönow-Gelände in Malente: Wohnmobile oder Baumhotel?
Lokales Ostholstein Schönow-Gelände in Malente: Wohnmobile oder Baumhotel?
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22:37 26.10.2017
Durch den unteren Bereich der 30000 Quadratmeter großen Fläche im Herzen Malentes führt eine Allee. Quelle: Fotos: Schneider, Latzel (2)
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Malente

Andreas Nagel vom Planungsbüro Ostholstein und Bürgermeisterin Tanja Rönck (parteilos) stellten den Mitgliedern des Ausschusses für Bau-, Wege-, Umwelt- und Wirtschaftsförderungsangelegenheiten am Mittwochabend die alternativen Projekte für die künftige Nutzung vor. Bei einer Reaktivierung der 30000 Quadratmeter großen Fläche, die zwischen der Schwentine und der Eisenbahnlinie einerseits und der Eutiner Straße gegenüber der Mühlenbergklinik andererseits liege, müsse man allerdings zahlreiche Faktoren beachten, erläuterte Nagel das Hauptproblem der Planung.

„Das grüne Herz von Malente“ soll wieder schlagen. Im Malenter Bauausschuss ging es jetzt um das Wie. Denn für die Wiederbelebung des Schönow-Geländes gibt es zwei Pläne: Die Bürgermeisterin ist für ein Baumhaushotel, eine Arbeitsgruppe möchte auf dem Areal einen Wohnmobilstellplatz errichten.

So hätte sich auf dem parkähnlichen Gelände ein laut Kataster schützenswerter Baumbestand einschließlich einer Allee entwickelt, worauf Rücksicht genommen werden sollte, was durch die unmittelbare Nähe zum FFH-Schutzgebiet Schwentine noch unterstrichen werde. Schlecht einzuschätzen sei auch der unbekannte Baugrund, der bei größeren Maßnahmen so manche Schwierigkeit auslösen könne, erklärte Nagel. Laut Chronik und Postkarten habe in dem Bereich früher das Sanatorium Haus Schönow mit einigen Nebengebäuden gestanden. Es gebe aber keine zuverlässigen Bauunterlagen und Skizzen mehr, sodass man im Boden auf allerlei Überraschungen stoßen könne.

Der Planer stellte aber klar, dass sich das Areal trotz dieser einschränkenden Rahmenbedingungen hervorragend als Refugium für Reisemobile eigne. „Durch minimalinvasive Baumaßnahmen könnten bis zu 41 Stellplätze für Wohnmobile geschaffen werden“, präsentierte Nagel einen Entwurf, der von einer Arbeitsgruppe des Zukunftsprozess „M(T)alente 2030“ angeschoben wurde. Mitinitiator Martin Kuhlmann betonte den unmittelbaren Vorteil dieser Idee, die schnell und kostengünstig umsetzbar sei. „Wir haben es bereits ausprobiert. Es ist das perfekte Gelände für einen Wohnmobilplatz.“

Um die touristische Einrichtung professionell betreiben zu können, sollten die auszuweisenden Stellplätze und die Hauptzufahrt des eigentlich gut befahrbaren Bodens als wassergebundener Weg etwas befestigt werden. „Stromanschlüsse wären toll, und in einem zweiten Schritt könnte ein kleines Gebäude mit sanitären Einrichtungen an der Straße gebaut werden, um die Erschließungskosten möglichst gering zu halten“, warb Kuhlmann für das Vorhaben. Andreas Nagel brachte zudem die Möglichkeit ins Spiel, in der Nähe der Schwentine eine Anlandestelle und einfache Übernachtungshütten für Wasserwanderer zu schaffen.

Tanja Rönck bewertete die Vorschläge zwar als gut, würde aber einem anderen Konzept den Vorzug geben. „Mit Baumhäusern und Klettersteigen hätten wir keinerlei Probleme mit dem Untergrund“, sagte die Bürgermeisterin. So müssten auch keine Wege für tonnenschwere Wohnmobile ertüchtigt werden. Zudem biete eine Art Baumhaushotel „ein touristisches Alleinstellungsmerkmal für ganz Schleswig-Holstein, wenn nicht sogar für ganz Norddeutschland“. Zudem könnte parallel zur Wunderwelt Wasser eine Wunderwelt Baum geschaffen werden, bei der das Ökosystem in Wipfeln und Kronen erkundet werden könne. Der vor zehn Jahren an der Malenter Au geschaffene Naturlehrpfad bietet besondere Einblicke in das Erlenbruchgebiet am Kellersee.

Ob und welches Modell nun weiterverfolgt wird, hängt allerdings von der ökonomischen Realität ab. Der Ausschuss beauftragte die Verwaltung, nach einem Investor für die Weiterentwicklung des Schönow-Geländes zu suchen. Schon seit Jahren soll auf dem Areal etwas passieren. Im Jahr 2012 wollte ein Investor dort Wohnraum für Senioren schaffen – passiert ist seitdem nichts.

 Von Dirk Schneider

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