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Ostholstein Schrammeln auf der Seebühne
Lokales Ostholstein Schrammeln auf der Seebühne
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09:16 05.08.2015
Zitherspieler Steffen Hempel als Teil der „Schrammelkapelle“. Solche liebenswerten Einlagen sind für Dirigent Urs-Michael Theus die „I-Tüpfelchen“ der Inszenierung. Quelle: Benthien
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Eutin

Sein Einsatz dauert nur rund drei Minuten, war aber für Dirigent Urs-Michael Theus ein Herzensanliegen: Zitherspieler Steffen Hempel sorgt in der Operette „Der Vogelhändler“ für Heurigen-Stimmung. In der Originalpartitur von Komponist Carl Zeller (1842 bis 1898) — Theus besitzt eine Kopie davon — sind sogar zwei Zithern aufgeführt.

„Das wohl eher aus akustischen Gründen“, mutmaßt der Dirigent, „es gab ja noch keine Verstärkertechnik.“ Er räumt ein, dass die Zither natürlich eingespart werden könnte, indem man ihren Part beispielsweise mit der Harfe darstelle. „Aber ich wollte so nah am Original bleiben wie möglich.“ Aber wo einen Zitherspieler finden? In Norddeutschland sind sie wenig verbreitet, stellte Theus vor Beginn der Proben für die diesjährige Festspielsaison fest. In Buxtehude gibt es immerhin den Landesverband Nord des Deutschen Zithermusik Bundes. Personell konnte er nicht helfen, wohl aber einen Kontakt herstellen. Und so fand Urs-Michael Theus den Vogtländer Steffen Hempel.

Der 30-Jährige aus Greiz ist hauptberuflicher Zitherlehrer und -spieler. Er studierte am Richard- Strauss-Konservatorium und der Hochschule für Musik und Theater in München und unterrichtet seit seinem Abschluss 2009 Zither (und Gitarre) an der Greizer Musikschule sowie an Grundschulen in Thüringen. Dank seines Zupfinstrumentes hatte er bereits einige Auftritte an und auf deutschen Bühnen, „wenngleich ,Der Vogelhändler‘ und ,Im Weißen Rößl‘ die einzigen Operetten mit Zithermusik sind“.

Fesch in Lederhose, kariertem Hemd und Weste wartet er in Eutin hinter den Kulissen auf seinen Auftritt und schaut dem fröhlichen Verwirrspiel auf der Bühne zu. Ein bisschen Lampenfieber sei schon vor jedem Einsatz spürbar, sagt er. Urs-Michael Theus hat für den jungen Kollegen aus Thüringen eine der kleinen liebenswerten Einlagen ersonnen, für die die Eutiner Festspiele bekannt sind. Eigentlich würden Zither und Spieler mit im Orchestergraben sitzen. „Aber wenn ich schon mal einen so exotischen Kollegen hier habe, dann will ich ihn auch auf die Bühne stellen“, sagt der Dirigent. Und so begleitet Steffen Hempel nach der Pause gemeinsam mit zwei Musikern aus dem Orchester (Bass und Geige) als „kleine Wiener Schrammelkapelle“ den Vogelhändler Adam bei seinem wehmütigen Lied „Wie mein Ahnl zwanzig Jahr, und a g‘sunder Wildschütz war . . .“

Steffen Hempel hat nicht nur Freude an seinem Auftritt, sondern auch daran, dass die Zither als Instrument wieder bekannter wird. Er sei derzeit der einzige aktive Zitherlehrer in Thüringen, sagt er.

Vor dem Zweiten Weltkrieg habe es dort viele Zitherspieler, auch Vereine gegeben. „Aber zu DDR-Zeiten sollte die Zither aus der Musikwelt verschwinden: Sie galt als Instrument aus dem kapitalistischen Ausland.“

Noch viermal Operette
die Oper von Giuseppe Verdi, wird letztmalig aufgeführt am Sonntag, 9. August, um 18 Uhr sowie am Donnerstag, 13. August, um 19 Uhr.



„Festspiele & Friends“ sind am Sonnabend, 22. August, um 20 Uhr auf der Seebühne zu erleben, die Movie-Night beginnt am Sonnabend, 29. August, um 20 Uhr.



Karten unter ticket@eutiner-festspiele.de oder Tel. 04521/80010

Ulrike Benthien

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