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Ostholstein Schüler bereiten sich auf Belttunnel vor
Lokales Ostholstein Schüler bereiten sich auf Belttunnel vor
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17:47 25.10.2018
Jasper Rosenhagen und Anne Liv Ersgaard machen mit beim "B.E.L.T.-Projekt" in Vordingborg/Dänemark Quelle: Thomas Olsen
Vordingborg

Sie wollen mit der Entwicklung Schritt halten und auf den geplanten Belttunnel zwischen Südseeland und der Insel Fehmarn vorbereitet sein: Schüler des Zealand Business College (ZBC) im dänischen Vordingborg rüsten sich bereits jetzt für einen grenzübergreifenden Arbeitsmarkt in der Fehmarnbelt-Region. „Der gesamte Unterricht muss internationale Fragestellungen und Aspekte einbeziehen“, erklärt Klaus Lindegaard, Dozent am ZBC. „Es ist nicht länger ausreichend, sich auf Dänemark oder die dänische Wirtschaft als eine kleine geschlossene Einheit zu konzentrieren. Wir sind neugierig, was südlich vor unserer Haustür geschieht.“ Deshalb nimmt die Schule in Kooperation mit der beruflichen Schule des Kreises Ostholstein an einem grenzübergreifenden Projektes teil.

EU unterstützt „Be Europe – Learn Together“

Das Kooperationsprojekt nennt sich „B.E.L.T – Be Europe – Learn Together“ und wird vom Interreg-Programm der EU unterstützt. Die jungen Dänen und Deutschen arbeiten zusammen und werden auch an den Schulen von den jeweils anderen Schülern unterrichtet. Darüber hinaus kommen die Teilnehmer auch zu einem eintägigen Praktikum in lokalen Unternehmen zusammen, um die Arbeitskultur in beiden Ländern kennenzulernen. Deren praktische Erfahrungen werden im weiteren Verlauf der Ausbildung genutzt. „Wir versuchen, unsere Schüler neugierig zu machen, über die Grenzen Dänemarks hinauszuschauen“, sagt Projektkoordinator Klaus Lindegaard. „Es soll ihnen Mut machen, in unserer weiten Welt aktiv zu sein. Ganz konkret hat man ja eine Erwartung: Wenn der Bau des Tunnels begonnen hat, werden eine Menge wirtschaftlicher Aktivitäten hier auf Südseeland in Gang gesetzt.“

Klaus Lindegaard, Koordinator des "B.E.L.T."-Projektes am ZBC in Vordingborg Quelle: Thomas Olsen

Niemand habe jedoch eine genaue Vorstellung, was geschieht, wenn der Tunnel fertig sei, so Lindegaard weiter. Deswegen sei es perfekt, sich jetzt schon Gedanken zu machen, wie sie die Verbindung nutzen wollen. Das geschieht unter anderem im Fach Innovation, welches Lindegaard unterrichtet. Hier lernen die Schüler Wissenswertes über den norddeutschen Arbeitsmarkt, die Unternehmenskultur und das Ausbildungssystem. „Die Vision bei solch einem Projekt ist zum einem eine Brücke zwischen den jungen Menschen zu bauen, aber zum anderen auch mit der Zeit eine Speerspitze für eine engere Zusammenarbeit zwischen der Wirtschaft beider Seiten der Grenze zu entwickeln“, sagt Lindegaard.

Hoffnung auf bessere Berufschancen

Zwei der Schüler, die das Fach Innovationen gewählt haben, sind der 19-jährige Jasper Rosenhagen und die 31-jährige Anne Liv Ersgaard. Beide sind sich einig, dass es ihnen auf längere Sicht helfen wird, sich bereits jetzt auf ein deutsch-dänisches Berufsleben vorzubereiten. „Ich finde das Projekt spannend, unter anderem weil mein zukünftiges Berufsleben gerne in anderen Ländern stattfinden darf“, sagt Jasper Rosenhagen. „Ich interessiere mich sehr für Innovation und Unternehmertum. Und da kommt das Fehmarnbelt-Projekt ins Spiel. Ich hoffe, dass sich meine Berufschancen deutlich verbessern, wenn der Tunnel kommt.“ Ihm gäben das Projekt und der Unterricht genau die Werkzeuge, die er in seinem Berufsleben und für eine Karriere braucht. Im Vorfeld habe Anne Liv Ersgaard nicht viel über den deutschen Arbeitsmarkt gewusst, gesteht die Schülerin: „Aber der Unterricht lehrt, das es viele Möglichkeiten gibt.“

Schüler sehen Chance, in der Region zu bleiben

Anne Liv Ersgaard sieht dem Tunnel positiv entgegen. Sie ist nach zehn Jahren in Kopenhagen nach Vordingborg gezogen. Die Querung könne dazu beitragen, dass sie in der Region wohnen bleiben könne und nicht wegen eines Jobs zurück in die Hauptstadt ziehen müsse. „Beruflich öffnen sich mit dem Tunnel ganz neue spannende Chancen, wenn ich später auf Jobsuche bin“, sagt die 31-Jährige.

Jasper Rosenhagen hofft mit der Querung ebenfalls bleiben zu können. „In der Zukunft kann es mit der neuen Querung viel interessanter werden, in etwas kleineren Gemeinden wie Vordingborg zu leben“, sagt er und fügt mit Blick auf eine breitere Infrastruktur in der Zukunft hinzu: „Wenn ich ausgebildet bin, habe ich die Möglichkeit, nach einem Job in Deutschland zu suchen und mich trotzdem in Vordingborg niederlassen.“

„BeltMedia Lab2“: Deutsch-dänisches Projekt

Der geplante Fehmarnbelttunnelzwischen Puttgarden auf der Insel Fehmarn und Rødby auf Lolland soll Deutschlands Norden mit Dänemarks Süden verbinden. Eine vierteilige Serie unter dem Titel „Nachbarn“ dreht sich um die vom Projekt betroffenen Regionen und Menschen; dies ist der zweite Teil.

Junge deutsche und dänische Journalisten sind für diese Serie unterwegs: die Reporter Stefanie Schlemmer und Beke Zill (beide Lübecker Nachrichten), Alev Doğan (Kieler Nachrichten), Peter Levinsen Hansen (Lolland Falsters Folketidende) sowie Christina Ledertoug (Sjallandske ­Medier).

Hier lesen Sie den ersten Teil unserer Serie "Nachbarn"

Christina Ledertoug

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