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Schuhmacher seit 65 Jahren: Walter Boller - eine echte Institution

Neustadt Schuhmacher seit 65 Jahren: Walter Boller - eine echte Institution

Der Neustädter brach einst die Schule ab, weil sein Vater wollte, dass er etwas lernt. Heute, 65 Jahre später, lebt er seinen Beruf - und denkt noch nicht ans Aufhören.

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Damit gebrauchte Schuhe wieder wie neu aussehen, nimmt sich Walter Boller viel Zeit.

Quelle: Rosenkötter

Neustadt. Während die Bundespolitik über die „Rente mit 63“ diskutiert, feiert Walter Boller am 1. April sein 65-jähriges Arbeitsjubiläum. In seiner gerade einmal 20 Quadratmeter großen Werkstatt berät der Schuhmacher seit 1965 Kunden, besohlt Schuhe und repariert Absätze. „Ich sage den Kunden, wenn sich eine Reparatur nur noch für mich, aber nicht mehr für sie lohnt“, erzählt Boller. Denn eines mag er nicht, Schuhe ausgeben, die wie repariert aussehen. „Sie sollen wie neu ausschauen“, betont der 79-Jährige, der vier Tage die Woche für drei Stunden in seinem Geschäft in der Straße Bei der Friedenseiche anzutreffen ist.

Mit seiner 36 Jahre alten Ausputzmaschine bearbeitet Walter Boller einen Schuh in seiner kleinen Werkstatt in der Straße Bei der Friedenseiche. Die Maschine kann schleifen, fräsen und polieren.

Mit seiner 36 Jahre alten Ausputzmaschine bearbeitet Walter Boller einen Schuh in seiner kleinen Werkstatt in der Straße Bei der Friedenseiche. Die Maschine kann schleifen, fräsen und polieren.

Quelle:

Seinen Weg zur Institution begann Walter Boller bereits im Alter von 14 Jahren. Er brach die Mittelschule ab und wurde Lehrling im elterlichen Betrieb. „Mein Vater wollte, dass ich erstmal etwas lerne, ein Handwerk“, erinnert sich Boller. Er sei damals wenig selbstbewusst gewesen, wusste nicht, was er machen soll und tat, was sein Vater Robert im riet. Vage Wünsche, den Beruf des Uhrmachers oder Feinmechanikers zu erlernen, verblassten so.

Seine Arbeit mochte Walter Boller zunächst nicht. „Das hat überhaupt keinen Spaß gemacht. Es war nur Flickarbeit.“ Besser wurde es erst ein paar Jahre später, als sein Vater ihm eine Gesellenstelle vermittelte. „Ich war Geselle in Travemünde. Da hatten wir feinste Kundschaft. Einige Damen holten freitags ihre Schuhe und brachten sie montags wieder zurück“, sagt Boller. Die Absätze seien schnell abgelaufen gewesen.

30 bis 40 Paar Schuhe habe er damals pro Woche besohlt und bis zu 100 Absätze gemacht. Heute sind es noch ein bis zwei Paar. „Ich arbeite aber auch keine 50 bis 60 Stunden mehr. Als ich anfing gab es noch die 48-Stunden-Woche“, berichtet Walter Boller. 1956 ging der Schuhmacher für zwei Jahre in die Schweiz.

„Ein Kollege aus der Berufsschule war dort. Er hat gesagt, dass ich auch kommen soll“, erzählt Boller. Er habe dann eine Anzeige geschaltet und drei bis vier Stellen angeboten bekommen. Nach je einem Jahr in Saint-Imier und in Zürich ging es mit gewachsenem Selbstbewusstsein nach Hannover an die Meisterschule. „Mein Vater hatte alles initiiert“, erzählt Walter Boller. Drei Monate später legt er die Prüfung ab, arbeitet anschließend für einige Zeit bei seinem Vater, macht sich dann erstmals selbstständig. „Wir haben uns nie als Konkurrenten gesehen“, betont er.

Dass er bis heute als Schuhmacher arbeitet, hat mehrere Gründe. „Ich habe mehr Lust zu arbeiten, als ich jemals gehabt habe. Der Zeitdruck ist weg. Die Arbeit ist mein Hobby geworden“, sagt Boller.

Auch möchte er nicht den ganzen Tag zu Hause sitzen. Seine Kundschaft kommt nicht nur aus Neustadt, sondern auch aus Dahme und Scharbeutz und manchmal ist sogar eine Kundin aus Hamburg dabei. Wie lange er die Arbeit noch machen kann, ist ungewiss. Aber so lange er sich wohlfühlt, will er dabeibleiben. Was wohl nicht gelingen wird, ist einen Nachfolger zu finden. „Ich glaube nicht, dass da einer von leben könnte.“

„Der Zeitdruck ist weg. Die Arbeit ist mein Hobby geworden.“
Walter Boller (79)

Sebastian Rosenkötter

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