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Ostholstein Schulleiter Schmidt verabschiedet sich
Lokales Ostholstein Schulleiter Schmidt verabschiedet sich
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20:59 17.01.2017
In wenigen Tagen wird Jörg Schmidt seinen Schreibtisch räumen müssen. Quelle: Foto: Sebastian Rosenkötter
Neustadt

Seine erste feste Stelle konnte er sich aussuchen. Die Einführung der Gemeinschaftsschule war die schwerste Zeit seines Arbeitslebens. Das Unterrichten ist bis heute seine große Leidenschaft. Jörg Schmidt ist noch bis 27. Januar Leiter der Neustädter Jacob-Lienau-Gemeinschaftsschule. Dann verabschiedet sich der 64-Jährige nach rund 40 Jahren im Schuldienst in den Ruhestand.

Die LN treffen Jörg Schmidt in seinem Büro. Die Winterferien sind zu Ende. Endspurt. Das halbe Jahr, dass er zusätzlich drangehängt hat, ist fast rum. Dann muss er nicht mehr um 6 Uhr aufstehen, kann regelmäßig Golf spielen, an seinem Oldtimer werkeln und reisen. Schmidt, der sich seit Jahren beim Neustädter Lions Club engagiert, freut sich auf die Veränderung. „Ich werde im Februar 65 Jahre alt. Jetzt reicht’s. Ich kann mir aber vorstellen, an einer anderen Schule ein paar Stunden Mathe und Chemie zu unterrichten“, sagt er.

Gerade einmal acht Stunden pro Woche steht er vor seinen Schülern. Mehr Zeit lässt ihm der Posten des Schulleiters nicht. „In den vergangenen Jahren haben wir immer mehr Aufgaben bekommen. Wir schreiben Stellen aus und stellen ein. Ich begleite das gesamte Verfahren. Das kostet Zeit.“ Dennoch müsse man auch selbst unterrichten – „damit ich weiß, wie die Schüler ticken und was ich den Kollegen abverlangen kann“, meint Schmidt. Besonders wichtig sei es, die Sprache der Schüler zu verstehen, sich in sie reinzuversetzen und die jungen Menschen ernst zu nehmen. „Man muss sie wertschätzen. Unterrichten geht nur mit Empathie“, betont Schmidt.

Die Freude am Unterrichten hat sich Schmidt über die Jahrzehnte bewahrt. Doch wie kam es eigentlich, dass er Mathe- und Chemielehrer wurde? Er erzählt, dass er sich aufgrund seiner eigenen Lehrer am Leibniz-Gymnasium in Bad Schwartau für das Studium an der Kieler Universität entschieden habe.

Nach dem Wehrdienst, der damals noch Pflicht war, ging es für vier weitere Jahre auf die Schulbank. Anschließend folgte das Referendariat in Kiel, bevor Schmidt 1997 im Schulamt Eutin anrief. „Es war ein Anruf. Ich konnte mir aussuchen, ob ich nach Stockelsdorf oder Ratekau möchte. Das wäre heute unvorstellbar“, erinnert er sich. Von 1978 bis 2006 blieb er an der Realschule Ratekau, hatte zuletzt die kommissarische Funktion des Konrektors inne.

Dann wechselte er nach Neustadt, übernahm die Leitungsfunktion. „Das war ein guter Zeitpunkt für eine Veränderung. Bis heute habe ich den schönsten Arbeitsweg“, schwärmt Schmidt. Täglich fährt er von Timmendorfer Strand an der Ostsee entlang bis in die Europastadt. „Die A 1 ist so hektisch, da bin ich gleich unter Volldampf“, erklärt er. Es sei doch viel schöner, die Sonne aufgehen zu sehen und gut gelaunte Menschen beim Sport zu beobachten.

Dennoch ist das Leben als Schulleiter nicht immer leicht. Als Haupt- und Realschule aufgelöst und zur Gemeinschaftsschule umgewandelt wurden, stieg die Arbeit rapide an. „Das war kraftraubend. Aber jetzt haben wir ein System, das läuft“, zieht er Bilanz.

Noch kein Nachfolger gefunden

Die Jacob-Lienau- Schule könnte in den kommenden Wochen ohne hauptamtlichen Schulleiter dastehen. Neustadts Bürgermeisterin Dr. Tordis Batscheider (SPD) teilte den LN mit, dass es Bewerbungen und somit Vorschläge vom Schulministerium in Kiel gebe. Noch im Februar soll der Schulleiterwahlausschuss der Stadt tagen und über die Nachbesetzung beraten. „Wann der Nachfolger anfängt, hängt vom Ministerium ab“, so Batscheider. Der aktuelle Stellvertreter könnte die Leitung kommissarisch übernehmen.

 Sebastian Rosenkötter

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