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Ostholstein Schutzzaun auf Graswarder wird gebaut
Lokales Ostholstein Schutzzaun auf Graswarder wird gebaut
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20:50 24.11.2017
Die beschlossene Variante 2 des Zaunes verläuft nicht am Graswarderweg entlang sondern im Inneren des Geländes (gelbe Linien). Quelle: Foto: Mk
Heiligenhafen

Er soll die „Prätadoren“, wie die Nesträuber in der Fachsprache heißen, fernhalten. Von Menschen betreten werden darf das Gebiet ohne Führung ohnehin schon seit Jahrzehnten nicht mehr.

Nach einiger Aufregung, die die Pläne des Umweltministeriums zunächst in der Stadt hervorgerufen hatten (LN berichteten), zeigten sich am Schluss sowohl Politiker als auch die rund 130 Besucher der Sitzung im Pavillon am Binnensee einigermaßen zufrieden mit der gefundenen Lösung. Danach soll nun nicht, wie befürchtet, ein Zaun entlang des Graswarderweges gebaut werden. Stattdessen wird die zweite Variante verwirklicht. Wie Manfred Bohlen vom Umweltministerium in Kiel erläuterte, sieht diese Lösung einen Zaun im östlichen Bereich etwa beim Beobachtungsturm quer über den Warder von Wasser zu Wasser vor, der zudem einen unauffälligen Anstrich erhalten soll. Dazu entsteht weiter westlich ein kleineres, eingezäuntes Terrain, in dem die Sturmmöwen ungestört brüten können, „das ist aber seit Jahrzehnten so Praxis“, erläuterte Bohlen. Statt eines mobilen Zaunes, der dort jedes Frühjahr aufgebaut wurde, stelle man nun dauerhaft einen stabilen Zaun auf.

Bohlen räumte ein, dass er eigentlich selbst ein Gegner von Zäunen sei, in diesem Falle gebe es aber keine andere Wahl. Ein paar Zahlenbeispiele verdeutlichten die Notwendigkeit: Im Jahr 2015 hätten laut Zählung 27 Paare der Brandgans auf dem Graswarder mit der Brut begonnen – nur ein Gelege habe jedoch „überlebt“, die anderen seien Nesträubern zum Opfer gefallen. Bei den Mittelsägern habe es bei elf Paaren ebenfalls nur einen einzigen Bruterfolg gegeben. Keinen Bruterfolg hingegen habe es bei den 30 Austernfischern gegeben.

Auch aus europäischen Verpflichtungen heraus sei das Land gehalten, die Arten zu schützen und die Räuber fernzuhalten, betonte Bohlen.

Seitens der Kreisjägerschaft bestätigte Carsten Höper die Notwendigkeit des Schutzes des Gebietes und sagte die Unterstützung durch das Aufstellen von Fallen zu, wie es in der Vergangenheit bereits praktiziert worden sei. Etwa 300 Nesträuber pro Jahr hätten die Jäger der Hegeringe 2 und 3 in den letzten Jahren durch Fallen und Bejagung dingfest gemacht, berichtete Höper. Für den Zaun forderte er allerdings engere Maschen als die vorgesehenen fünf Zentimeter. Auch sei ein Eingraben des Zaunes bis 30 Zentimeter ins Erdreich zu wenig, dort würden sich Fuchs und Marder „locker drunter durchbuddeln“, wie er erklärte.

Noch in diesem Winter soll der Zaun aufgestellt werden, die Kosten von über 100 000 Euro tragen EU und Land. Einig wurden sich Ausschuss und Naturschützer darüber hinaus, dass das Geschehen auf dem Graswarder danach gründlich beobachtet und dokumentiert werden soll. Sollte nach sechs Jahren keine Verbesserung der Bruterfolge eingetreten sein, so soll der Zaun wieder abgebaut werden.

 Von Michael Kirchner

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