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Ostholstein Schwan wird durch Jetski getötet
Lokales Ostholstein Schwan wird durch Jetski getötet
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22:19 08.08.2015
Der Schwan mit seiner Familie im Grömitzer Yachthafen. Das Tierpaar hatte in diesem Jahr vier Junge. Quelle: Fotos: Ln-Archiv, Privat, Fotolia
Grömitz

Sie rasen und kommen zu nah an Badegäste: Jetski-Fahrer haben in diesem Jahr in Grömitz erstmals Grenzen überschritten. Trauriger Höhepunkt ist ein Vorfall mit einem Schwan, der durch einen rasenden Jetski-Fahrer im Grömitzer Yachthafen zu Tode kam. Das Tier hatte einen gebrochenen Hals. „Nach bisherigen Erkenntnissen gab es offenbar einen Schwan, der sich durch die Wetbikes und ihre Fahrer provoziert gefühlt hat und diese dann ,angriff‘“, sagt Polizeipressesprecher Dierk Dürbrook. So soll der Schwan zu einem „Wettrennen“ angesetzt haben, wollte in den Flug starten und sei dabei gegen einen Hafendalben geprallt.

„Der Fahrer hat einen Zeugen gefunden, der das behauptet. Das ist natürlich Quatsch“, sagt ein Wasserschützer hinter vorgehaltener Hand. Auch der Geschäftsführer des Landesnaturschutzbundes, Ingo Ludwichowski, hält einen Angriff des Schwans für eine Mär. Er sei zu langsam für einen Jetski. Er könne sich das Verhalten nur so erklären, dass das Tier seinen Nachwuchs verteidigen wollte. In diesem Jahr hatte das Schwanenpaar vier Junge. „Ob der Schwan überfahren wurde, kann nicht verbindlich gesagt werden“, sagt Dürbrook. Gegen den Fahrer werde Anzeige erstattet wegen des Verstoßes gegen das Bundesnaturschutzgesetz — wegen Störung wildlebender Tiere. Der Vorfall ereignete sich am 26. Juli. Der Jetski ist aus privatem Besitz.

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Der Tourismus-Service denkt jetzt über Konsequenzen nach. „Das kann lebensgefährlich für Gäste werden, wir sind alarmiert“, sagt Touristikleiter Olaf Dose-Miekley. In den vergangenen Jahren habe es nie Probleme gegeben, doch jetzt häuften sich die Beschwerden: So seien die wendigen Wasserfahrzeuge in der Hafeneinfahrt gesichtet worden, in gekennzeichnete Badezonen eingedrungen und zu nah an Anlegestellen vorbeigefahren. „Wir überlegen im Hafen restriktivere Regeln aufzustellen oder die Jetskis aus der Gemeinschaft auszusperren“, so Dose-Miekley. „Ob das jedoch das richtige Signal ist, weiß ich nicht.“

Schon jetzt lautet die Anweisung an die Rettungsschwimmer und Augenzeugen: In akuten Fällen nachfahren und personifizieren.

Zwar sind Motorboote oft nicht schnell genug. „Irgendwann kommen die Jetskis aber zurück an Land“, sagt der Touristikleiter. Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft wird noch deutlicher: „Ich weiß

nicht, was in deren Köpfen vor sich geht“, schimpft Karl-Heinz Lehwald, Abschnittsleiter für den Grömitzer Strandbereich. Man sei bereits bemüht, die Raser zu identifizieren und das ungebührliche Verhalten zur Anzeige zu bringen. Doch die Fahrzeuge haben teilweise 350 PS und mehr. „Sie müssten mindestens 500 Meter weiter draußen fahren“, fordert Lehwald.

Wie gefährlich motorisierte Fahrzeuge auch indirekt sein können, zeigt ein Unfall, der sich laut Tourismusbetrieb Anfang dieser Woche in Lensterstrand ereignet hat. Dabei ist ein Mädchen schwer verletzt worden. Es war mit einer Gruppe von Reitern unterwegs, als ein Sportler vom Strand aus mit einem Motorsurfboard startete. Die Pferde scheuten und gingen durch, das Mädchen fiel auf einen Pfahl.

Der getötete männliche Schwan war im Yachthafen längst bekannt. „Er lebte schon seit Jahren hier“, sagt Hafenmeister Heinrich Lunau. Von den vier Jungen werden in diesen Tagen nur noch zwei gesichtet. Wo die anderen geblieben sind, ist unklar. Es gibt Beobachtungen, nach denen der Schwan ausschließlich gegenüber Jetskis aggressiv reagiert haben soll.

Laut Anna Gomberg, Vorsitzende der Tierhilfe Ostholstein, ist die Sache klar: „Da ist ein Vater, der seine Familie beschützen wollte, es ist doch ganz einfach. Die Tiere können es nicht begreifen“, sagt sie. „Es steht ihm zu, hier zu leben, die Wassersportler müssen einen Bogen machen. Anders darf es nicht sein.“ Sie hat regelmäßig mit schwerverletzten Tieren zu tun. So seien erst kürzlich in Neustadt eine Ente mit einem verdrehten Hals und eine Möwe mit abgedrehtem Flügel gefunden worden.

„Es wäre der Horror“, wenn anderen Wassersportlern oder Urlaubern durch rasende Jetskis etwas passieren würde, so der Grömitzer Tourismuschef Dose-Miekley. „Das betrifft nicht nur den Hafen, das ist ein generelles Problem.“

Irene Burow

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