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Ostholstein Schwarzarbeit in Ostholstein: Rekordhoch mit 262 Verfahren
Lokales Ostholstein Schwarzarbeit in Ostholstein: Rekordhoch mit 262 Verfahren
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18:13 08.06.2016
Trotz guter Konjunktur boomt die Schattenwirtschaft. 262 Verfahren – die höchste Zahl seit Gründung der EGS – wurden eingeleitet. Quelle: Fotolia

Gute Konjunktur, die Baubranche boomt – beste Voraussetzungen, die der Schwarzarbeit eigentlich den Nährboden entziehen sollten. Denkt man. Doch die Zahlen sprechen eine andere Sprache: Die Zahl der Ermittlungsverfahren aufgrund von Schwarzarbeit ist 2015 mit 262 Verfahren auf einem neuen Rekordhoch. Bei Gründung der Ermittlungsgruppe zur Bekämpfung der Schwarzarbeit (EGS) durch Ostholstein und Plön sowie die Stadt Neumünster lag die Zahl 2008 noch bei 164 Verfahren. Das spricht auch für die erfolgreiche Arbeit der Ermittler.

Im Ranking der betroffenen Berufsbilder liegt das Maurer- und Betonbauerhandwerk deutlich an erster Stelle. 28 Prozent aller Vergehen wurden in diesem Handwerkszweig ermittelt. Auf Platz zwei folgen die Dachdecker (17 Prozent), auf Platz drei die Zimmerer (16 Prozent). Von allen Ermittlungsverfahren entfielen auf den Kreis Ostholstein 149 Ermittlungsverfahren, gefolgt vom Kreis Plön mit 61 und der Stadt Neumünster mit 52 Verfahren. „Das hängt mit der höheren Einwohnerzahl, aber auch mit der höheren Bautätigkeit im Kreis Ostholstein zusammen“, erläutert Martin Boesmann vom Fachdienst Sicherheit und Ordnung des Kreises Ostholstein.

Ein Großteil der Gesetzesverstöße konnte im Rahmen der vielfältigen Außentermine, die auch am Wochenende stattfanden, oder bei den Schwerpunktkontrollen und Aktionstagen in Zusammenarbeit mit der Finanzkontrolle Schwarzarbeit der Zollverwaltung ermittelt werden. Eine bedeutende Anzahl von Verfahren sei zudem aufgrund von Anzeigen und Hinweisen aus der Bevölkerung sowie von Firmen, Behörden oder anderen Institutionen zustande gekommen. 130 Bußgeldbescheide wurden im vergangenen Jahr erlassen. Die Gesamtsumme der festgesetzten Bußgelder hat sich dabei mit rund 248000 Euro nahezu verdoppelt. Wer bei der Schwarzarbeit erwischt wird, müsse mit Gerichts- oder Bußgeldverfahren beziehungsweise der Kürzung oder gar Streichung von Leistungen rechnen. Zu Unrecht erhaltene Leistungen würden zudem zurückgefordert, so Boesmann.

Mit 2055 Baustellenkontrollen weist die Statistik der EGS für das Vorjahr ebenfalls einen Rekordwert aus. Die 1093 Personenkontrollen befinden sich in etwa auf Vorjahresniveau. Bei ihren Recherchen nutzte die EGS auch die Medien und ging Anzeigen in Werbeblättern oder auf Internetplattformen nach.

Ein Erfolg, wie ihn die EGS jetzt vorzuweisen hat, wäre ohne eine Vernetzung mit anderen Behörden und Organisationen kaum denkbar, betont Boesmann. Die Handwerkskammern Lübeck und Flensburg, die Polizei, die Finanzverwaltung mit ihrer Steuerfahndung, Jobcenter, Bau-Berufsgenossenschaft, der Zoll und die Deutsche Rentenversicherung hätten einen erheblichen Anteil an diesem Erfolg.

Viel Anklang fand der Bericht zur Bekämpfung der Schwarzarbeit auch jüngst im Sozialausschuss des Kreises Ostholstein. Die EGS gelte mittlerweile landesweit als Vorbild, war dort zu hören. Dies beweist auch ein Blick in die Statistik: Während 2014 im Kreis rund 150000 Euro an Bußgeldern festgelegt wurden, folgt im landesweiten Vergleich auf Platz zwei der Kreis Stormarn – mit gerade einmal 15000 Euro an Bußgeldaufkommen. Bisher sind Ostholstein, Plön und Neumünster landesweit die einzigen mit einer eigenen Ermittlungsgruppe. Selbst in der Landeshauptstadt Kiel wird bisher dieser Form der Wirtschaftskriminalität nicht nachgegangen.

Boesmann: „Wir hoffen, dass hier die anderen Kreise und Kommunen bald nachziehen – denn Schwarzarbeit hört nicht an der eigenen Kreisgrenze auf.“

Die EGS in Zahlen

2055 Baustellen und 1093 Personen kontrollierte die EGS im vergangenen Jahr 122Gemeinden umfasst das Einsatzgebiet der EGS, zuständig für die Kreise Ostholstein und Plön sowie die Stadt Neumünster. Flächenmäßig dehnt sich der Bereich über 2550 Quadratkilometer aus. Im Einzugsgebiet leben 401500 Einwohner.

Bundesweit wird das Volumen der Schattenwirtschaft vom Institut für angewandte Wirtschaftswissenschaften in Tübingen und der Universität Linz auf etwa 336 Milliarden Euro beziffert. Das sind rund 10,8 Prozent des Bruttosozialproduktes. Zum Vergleich: Das Volumen des Bundeshaushaltes beträgt lediglich 317 Milliarden Euro.

Thomas Klatt

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